FridaysForFuture

Leserbrief zur Berichterstattung über die Schüler*innen-Demo am 15.2.19 in Darmstadt

Da gehen junge Menschen auf die Straße, weil sie ihre Zukunft bedroht sehen und erhalten dafür von vielen Erwachsenen bis hin zu Lehrerinnen und Lehrern Verständnis und Anerkennung. Da sag einer, die heutige Jugend sei unpolitisch. Leider muss man aber in diesem Zusammenhang in Kommentaren oder Leserbriefen auch Einiges lesen, was einem dann doch den Atem verschlägt.

Da erheben sich Vertreter*innen ausgerechnet derjenigen Generation zu Moralaposteln, die durch ihre gedankenlose Lebensführung (Rücksichtslose Energieverschwendung und Ressourcenausbeutung, von Kreuzfahrten über benzinschluckende SUVs oder Vielfliegerei „ins Warme“) einen gewissen Teil zur Klimakatastrophe beigetragen hat. 

Diese Wohlstands-Spießbürger fallen jetzt über die junge Generation her und fordern ernsthaft, sie müssten ihre Demos am Nachmittag oder gar am Wochenende veranstalten. Und hinterher sollen sie sich vermutlich auch noch für die gestörte Sonntagsruhe entschuldigen? Deutscher geht es wohl nicht.

Was wäre denn aus unserer Republik geworden, wenn nicht Bürger*innen in den letzten Jahrzehnten regelmäßig für ihre Meinung, ihre Rechte oder bessere Bezahlung auf die Straße gegangen wären? Und das war sehr oft während der Arbeitszeit! Was, liebe „Law and Order“-Fraktion, die ihr jetzt so empört mit euren überdimensionalen Zeigefingern droht, habt ihr denn dazu beigetragen? Ich befürchte wenig bis gar nichts. 

Ja, unentschuldigtes Fehlen ist ein Verstoß gegen die Schulpflicht und wird genau deswegen auf dem Zeugnis als ein Fehltag erscheinen. Aber es handelt sich hier nicht um eine Straftat, sondern eher um einen Akt der Notwehr der Schüler*innen gegen eine verantwortungslose Erwachsenenwelt, die diesen Planeten in eine gewaltige Unwucht versetzt hat. Und schon gar nicht muss sich die Polizei damit beschäftigen. Geht’s noch?

Ich kann nur hoffen, dass sich die Schüler*innen nicht einschüchtern lassen. Liebe junge Menschen, betrachtet diesen schulischen Fehltag in eurem Zeugnis einfach als Ritterschlag, als Anerkennung für euren Mut und eure Entschlossenheit. Ich wünsche euch Lehrer*innen, die euer Anliegen unterstützen. Die Fehlstunden müssen sie im Klassenbuch festhalten, aber wohlwollend und ohne großes Theater.

Für mich sind diese Demos wichtige Schritte auf dem Wege, die Inanspruchnahme demokratischer Grundrechte und gesellschaftlicher Mitbestimmung zu üben. Quasi gesellschaftspolitisches Basistraining. Weiter so! Und dabei kann man auch mal gegen Schulrecht verstoßen, da gibt es Schlimmeres

Bei der nächsten Freitagsdemo sollten sich die sogenannten Erwachsenen mit den jungen Menschen solidarisieren und ebenfalls an diesen Demos teilnehmen. 

Dann können sich die Spießer ja wieder aufregen. Denn bei denen kommt der Strom aus der Steckdose.

Klaus Armbruster, Darmstadt