Fachgespräch Inklusion

Vertreter aus sieben südhessischen Kreisverbänden trafen sich am 13.5. zum ersten Fachgespräch Inklusion in der Geschäftsstelle des Bezirksverbandes Südhessen. Unter dem Titel „Wie hältst du es mit der Inklusion, GEW?“ diskutierten die Teilnehmer*innen über den Umgang mit dem oft als Widerspruch wahrgenommenen Spannungsfeld zwischen pädagogischem, demokratischem und sozialem Auftrag der GEW einerseits und den Perspektiven für die Identifikation mit dem eigenen Arbeitsplatz und dem Abbau der Arbeitsbelastung andererseits. In dieser ersten Auflage, an der Vertreter fast aller Schulformen teilnahmen, standen besonders Aspekte der Entlastung innerhalb des Systems und die Rolle der Lehrkräfte in Regelschulen und BFZ im Vordergrund. Im Austausch wurde nicht nur deutlich, wie unterschiedlich Inklusion in den verschiedenen Kreisen und Schulformen gestaltet wird. Die Schilderungen der Bedürfnisse der einzelnen Akteure schärfte gleichzeitig den Blick für die Komplexität der Realitäten multiprofessioneller Teams an Regelschulen. Einigkeit herrschte darüber, dass es auf lange Sicht zu einer Verortung zumindest der großen Mehrzahl der Förderschullehrkräfte an der Regelschule kommen wird und kommen muss. Dies ist mittelfristig unter den momentanen Bedingungen allerdings nicht realistisch. Die Bedenken der BFZ-Lehrkräfte, unter den momentanen Bedingungen an eine Regelschule versetzt zu werden, konnten von den Teilnehmenden gut nachvollzogen werden. Gleichzeitig jedoch muss für Lehrkräfte an Regelschulen eine Verlässlichkeit beim Einsatz der BFZ-Lehrkräfte bestehen. In diesem Zusammenhang sprachen sich die Teilnehmer*innen gegen Zwangsversetzungen und Vereinzelung von BFZ-Lehrkräften an Regelschulen aus, betonten jedoch, dass es die Möglichkeit der Einstellung von Förderschullehrkräften an Regelschulen geben sollte. Die Regelschule kann in hohem Maße von der Sachkompetenz und dem anderen Blick der Förderschulkolleg*innen profitieren. Dazu jedoch müssen sich diese in das Regelschulsystem einbringen können (Mitbestimmung und Mitgestaltung z.B. in den GeKo), ohne dass dies on top geschieht. Auf der anderen Seite muss es für Förderschullehrkräfte ein System professioneller Rückkopplung geben, nicht nur zur Wahrung der Fachlichkeit, sondern auch, um gemeinsame Interessen artikulieren zu können. Um einen Einsatz in beiden Systemen zu ermöglichen, ohne zwischen ihnen zerrieben zu werden, bedarf es klarer Vereinbarung über die Rolle der Förderschullehrkraft an der Regelschule und innerhalb des Systems professioneller Rückkopplung in Hinblick auf Arbeitszeit und Arbeitsverdichtung. 

Einmütigkeit herrschte unter den Teilnehmenden, dass die Kooperation innerhalb von multiprofessionellen Teams nur funktionieren kann, wenn hierfür Deputate bereitgestellt werden. Hierzu sollte unter anderem ein Teil der ISB-Verwaltungsressourcen verwendet werden. Um dem eklatanten Mangel an Lehrkräften zu begegnen und um sicherzustellen, dass die Ressourcen für den Inklusiven Unterricht auch tatsächlich bei den Schüler*innen ankommen, hielten es die Teilnehmenden auch für angebracht, dass, sollten Stellen für Förderschullehrkräfte nicht besetzt werden können, eine Einstellung an der Regelschule ermöglicht wird. 

Bisher gibt es kaum Möglichkeiten, mit Kolleg*innen verschiedener Schulformen über die Grenzen des eigenen KV hinweg in einen offenen Austausch zu kommen. Dieser aber ist notwendig, um als Gewerkschaft den Blick für die Arbeitsbedingungen und die sich daraus entwickelnden Bedürfnisse in ihrer Gesamtheit zu schärfen. Und dies ist unabdingbar, möchte die GEW weiterhin den Anspruch aufrechterhalten, alle im Bereich Bildung und Wissenschaft arbeitende Professionen zu vertreten. Die Organisatoren würden sich sehr freuen, wenn dieses Format Schule machte und Kreisverbände zum Beispiel im Rahmen einer Fortbildung BFZ-Personalräte mit denen der dort verorteten Regelschulen an einen Tisch bringen würden.