100 Lehrer*innen bei Aktion „A 13 für alle“

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(unsere Bildergallerie zeigt auch Aufnahmen von der Aktion im Kreis Bergstraße)

Pressemitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Wiesbaden-Rheingau und Untertaunus vom 13.11.2019

100 Lehrer*innen bei Aktion „A 13 für alle“ – 1. Tag der unbezahlten Arbeit der Grundschullehrkräfte vor dem Hessischen Kultusministerium

Ab heute arbeiten Lehrkräfte an hessischen Grundschulen bis zum Jahresende unbezahlt. Zumindest, wenn man die Besoldung aller anderen Lehrämter nach A13 als Vergleich zugrunde legt. Ein Unterschied von 6.000 Euro jedes Jahr.

Die GEW-Kreisverbände Wiesbaden-Rheingau und Untertaunus machten heute mit nahezu 100 Grundschulkolleg*innen aus Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis vor dem Kultusministerium in Wiesbaden auf diese Schlechterstellung der Grundschullehrkräfte auf kritisch-kreative Weise aufmerksam:

Da geht die Reise hin… Gespräch auf gepackten Koffern

Da sieben Bundesländer mit der Anhebung des Grundschullehrergehalts bereits vorangehen und Hessen einen unrühmlichen viertletzten Platz in der Grundschulbesoldung bundesweit einnimmt, führten die Lehrerinnen Christine Dietz und Klaudia Lakatos von der GEW ein Gespräch „auf gepackten Koffern“ mit der Grundschulkollegin Katja Giesler von der Geschwister-Scholl-Schule in Wiesbaden sowie den bildungspolitischen Sprecher*innen im hessischen Landtag Kathrin Andres (Grüne), Christoph Degen (SPD) und Elisabeth Kula (Linke).

Giesler: „Die schlechtere Bezahlung empfinden wir zunehmend als Degradierung bei den täglichen Leistungen, die wir vollbringen. Dazu gestiegene Herausforderungen durch Integration, Inklusion, Ganztag. Und das bei Lehrkräftemangel, wenn wir auch noch fachfremdes Personal an die Hand nehmen müssen.“

Degen führte aus, dass die SPD über die Angleichung der Ausbildungsdauer für alle Lehrämter auf zehn Semester zu „A13 für alle!“ kommen und die Bestandskolleg*innen in einem Stufenplan besser besolden möchte. Die Linke habe aktuell in die Haushaltsberatungen den wiederholten Antrag nach A13 auch für Grundschullehrkräfte eingebracht, der bisher immer abgelehnt wurde, so Kula. Die Grüne, Andres, sprach sich für ein bundeseinheitliches Vorgehen laut Koalitionsvertrag aus.

 

Koalitionsvertrag endlich umsetzen

Kritik gab es am Stillhalten der hessischen Landesregierung, obwohl seit einem Jahr die Verständigung mit den anderen Bundesländern über A13 für Grundschullehrkräfte im Koalitionsvertrag steht.  „Keine Pause für A13, der nächste Dominostein muss fallen“, forderte Christine Dietz von der GEW-Wiesbaden-Rheingau. Weiteres Warten verschärfe den Unmut in den Kollegien sowie den Fachkräftemangel nur, die Qualität von Bildung nehme dabei zwangsläufig ab – Stichwort „innere Emigration“.

Kollegien fordern: (K)Eine Pause für A13!

An den Grundschulen im Schulamtsbezirk wurden in den letzten Wochen in Pausenaktionen Postkarten ans Kultusministerium geschickt und mehr als 100 Stück liebevoll selbst gestaltet. Unter dem Motto „Hessen bietet weniger…“ waren Fachkräftemangel, gestiegene Herausforderungen und Belastungen, hohe Unterrichtsverpflichtung, ausbleibende Wertschätzung und schwindende Motivation Thema.

Die gesammelten Karten sollen dem Kultusminister persönlich übergeben werden, wenn er für die Belange der Grundschullehrer*innen nicht verhindert ist.

„Hessen bietet weniger Motivation, Lehrer zu werden“ schreibt eine Grundschullehrkraft. Konsequenz: Die Reise geht in ein anderes Bundesland oder einen anderen Beruf. Die Quote an unqualifiziertem Personal beträgt aktuell 10% in hessischen Grundschulen – Tendenz steigend.