GEW Hessen News Feed http://dev.vbox.intern de_DE GEW Hessen Mon, 22 Apr 2019 05:01:21 +0200 Mon, 22 Apr 2019 05:01:21 +0200 TYPO3 EXT:news news-313 Tue, 16 Apr 2019 15:29:10 +0200 Pädagogik als Waffe https://www.gew-suedhessen.de/home/details/313-paedagogik-als-waffe/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=8adc47cd30dfb86d60b6d47e46961dd2 Über die Kritisch-materialistische Pädagogik Über die Kritisch-materialistische Pädagogik  und wir sie in die Gewerkschaft hineintragen
Wann? Samstag, den 11.05.19 um 14Uhr
Wo? GEW Kreisverband Darmstadt, Gagernstraße 8 64283Darmstadt
Anmeldung bitte an: jungegew_da@gmx.de

 

Eine gekürzte und bearbeitete Fassung des Artikels erscheint in der HLZ 4/2019.

Was tun? Eine Pädagogik für die Arbeiterklasse1Proteste gegen die Neutralisierung der Pädagogik an der TU Darmstadt

Seit Beginn des Wintersemesters 2018/19 regt sich zunehmend Protest unter den Studierenden der TU Darmstadt, angefangen mit den Architekten, die mit einer Widerstandswoche gegen die verheerenden Zustände ihrer Gebäude und die mangelnde Besetzung der Lehrstellen protestierten, indem sie die Lehrveranstaltungen boykottierten und sich über die Lage ihres Instituts informierten. Beendet wurde die Woche durch eine Demonstration mit 600 Studierenden, die lokal auch medial große Aufmerksamkeit erfuhr, wodurch ein kleiner Teil der Studierendenschaft zur Einsicht gelangte, dass es notwendig und vor allem möglich ist, auch ohne Professorentitel als Subjekt aktiv in der Uni aufzutreten. So z.B. bei den Pädagogen, denen angeblich wegen der Überlastung des finanziell und personell ebenfalls schlecht ausgestatteten Instituts von einer externen Evaluationskommission und vom Präsidium vorangetriebene Umstrukturierungen ihres Studienganges drohen, in deren Rahmen der Monobachelor2 Pädagogik ausgesetzt und die inhaltliche Ausrichtung der übrig gebliebenen Professuren immer weiter in Richtung Digitalisierung zugeschnitten werden sollen. Ausgerechnet mit der mittlerweile allgegenwärtigen Digitalisierung möchte man also dem, in der Pädagogik der TU Darmstadt, wie es heißt, aufgrund einer zu breiten inhaltlichen Aufstellung mangelnden Profil, begegnen. Das Profil mangelt dummerweise am meisten dort, wo die wenigsten privaten Drittmittel eingeworben werden können. Und niedrige Drittmitteleinwerbungen bedeuten nach der neuesten marktkonformen Wissenschaftsdefinition schlechte Forschungsleistungen (vgl. Evaluationsbericht S.7). Die erste Professur, die dieser Agenda geopfert werden soll, ist zugleich die letzte, die die kritisch-materialistische Bildungstheorie, die das Wesen der 1967 gegründeten Darmstädter Pädagogik bildet, ansatzweise in Form einer kritischen Pädagogik weiter verfolgt

Um das Aussterben der "Darmstädter Pädagogik" in deren Heimstätte zu verhindern, trugen wir als junge GEW und Teil der Aktionsgruppe „Mut zur Kritik“ gemeinsam mit wissenschaftlichen Hilfskräften und Mitarbeiter*innen, sowie Studierenden anderer Fachbereiche die „Darmstädter Pädagogik“ symbolisch zu Grabe. Mit Bannern, Plakaten und Flugblättern zogen wir lautstark durch die Uni zur Bibliothek wo wir alle Bücher von Gamm und Koneffke, den Begründern der Darmstädter Pädagogik, in einen Sarg packten, um das Aussterben unserer Pädagogik zum Ausdruck zu bringen. Da wir jedoch eine Pädagogik, die die wirkliche Befreiung des Menschen von Lohnarbeit fordert, nicht Aussterben lassen durften, entschlossen wir uns dazu die kritisch materialistische Darmstädter Pädagogik in einem Theaterstück wieder zum Leben zu erwecken. Das Theaterstück führten wir u.a. in der Vorlesung der „Allgemeinen Pädagogik“ auf, um die Erstsemesterstudierenden über die Situation am Institut zu informieren und sie dazu aufzurufen bei dem Protest aktiv mitzuwirken. Auch dem Präsidenten der TU statteten wir einen Besuch ab, der uns darüber belehrte, dass die kritisch-materialistische Pädagogik mit einer Dampfmaschine zu vergleichen sei, deren Zeit nun einmal abgelaufen sei, was gleichbedeutend damit wäre zu fordern die Gewerkschaften sollen den Streik abschaffen, da dieser als Kampfform ja viel zu alt wäre.

Am Ende der Aktion trugen wir die Bücher der Darmstädter Pädagogen in einen Gemeinschaftsraum der Hilfskräfte, um dort eine Bibliothek der kritisch-materialistischen Pädagogik einzurichten und die Studierenden zur Auseinandersetzung mit ihren Institutsgründern zu bewegen und deren Theorie für die Praxis fruchtbar zu machen. Zwei Tage später gelang es dann durch Druck der Studierenden auf das Direktorium, bewaffnet mit Kochtöpfen, Musikinstrumenten und Megafonen und dem Rauch-Haus-Song von Ton-Steine-Scherben die Aussetzung des Monobachelors für mindestens ein Jahr zu verhindern. Doch gewonnen ist der Kampf damit noch lange nicht, denn die inhaltliche Neuausrichtung der Pädagogik steht immer noch bevor. Außerdem ist auch kein Ende der Überlastung am Institut in Sicht, die mit der finanziellen Situation und daher nicht besetzbarer Stellen für wissenschaftliche Hilfskräfte und Mitarbeiter*innen unmittelbar einhergeht.

Vom Scheitern der Bildung zum faschistischen Stadium des Kapitalismus

Die Kommerzialisierung von Bildung, die längst nicht nur die TU Darmstadt betrifft, sondern das gesamte Bildungswesen, ist ein alter Hut. Bereits 2015 ist im Heft 1 „Kritische Pädagogik-Eingriffe und Perspektiven“ von der „Neutralisierung der Pädagogik“ zu lesen, die nicht erst seit gestern und auch nicht nur an unserem Darmstädter Pädagogik Institut vorangetrieben wird. Neutralisierung bedeutet hier u.a., dass Spannungen3 und Konflikte nicht mehr thematisiert werden und die Pädago- gik ihrer Wirksamkeit beraubt wird . Weil es dem Zeitgeist nicht entspricht, werden Grundbegriffe preisgegeben, wobei genau die Begriffe, wie Materialismus, Proletariat, Autonomie, Mündigkeit, Freiheit und Befreiung, Imperialismus und Kapital, doch unsere Taschenlampen sind, um überhaupt eine klare Vorstellung der objektiven Verhältnisse und unserer subjektiven Ziele zu erhalten. Dieser Selbstmord aus Angst vor dem Tod, von dem bei uns allerorts die Rede ist, ist antiaufklärerisch. Auch der Gegenstandsbereich der Politischen Ökonomie, den Daniela Holzer bei einer Koneffke- Tagung im März 2018 an der TUD als den „Bass der Darmstädter Pädagogik“ bezeichnete, liegt vollkommen im Dunkeln. „Die verschiedenen Varianten einer kritischen Erziehungswissenschaft haben dieser Entwicklungstendenz mit den Weg geebnet, indem sie ihr eigenes Forschungsdesign von den gesellschaftlichen Grundkonflikten auf die Felder der Kultur und ästhetischen Erziehung verschoben und das Erkennen gesellschaftlicher Kräfte, Interessen und Auseinandersetzungen ein- trübten“.4 Dies ist vor allem das Resultat einer „feindlichen Übernahme“, d.h. der „Fremdverfü- gung der Großkonzerne“5 über die Wissenschaft der Pädagogik. „Es gibt in der bürgerlichen Gesell- schaft nur einen Wert, dessen Macht alles durchringt: der den Dingen einwohnende Tauschwert, der als Kapital die Bewegung seiner Akkumulation ist“6. Die Wissenschaft wird so zur Ware degradiert und ist vom Standpunkt der Herrschenden „gut aufgestellt“. Entgegen des Postulats der Wertfreiheit von Wissenschaft, die es nicht gibt, ist die Haltung der Wissenschaftler ausschlaggebend dafür, welchen Zweck und welches Ziel die Forschung hat. „In einer Gesellschaft der Lohnsklaverei eine unparteiische Wissenschaft zu erwarten wäre eine ebenso törichte Naivität, wie etwa von den Fabri- kanten Unparteilichkeit zu erwarten in der Frage, ob man nicht den Arbeitern den Lohn erhöhen sollte, indem man den Profit des Kapitals kürzt.“7

Um den Niedergang der Pädagogik, sowie den der Wissenschaft im Allgemeinen, in kapitalistischen Gesellschaften verstehen zu können, bedarf es also einer kritisch-materialistischen Pädagogik. Der Vereinnahmung der Pädagogik durch die Profitinteressen des Kapitals muss außerdem praktisch entgegengewirkt werden – ansonsten verschwindet sie gänzlich aus den bürgerlichen Institutionen. Denn, „dass mit dem Kapitalismus statt der Vernunft das Wertgesetz als Prinzip der zur vollendeten Unvernunft verkehrten Vernunft die bürgerliche8 Gesellschaft beherrscht, sieht die materialistische Pädagogik auch als ein Versagen der Pädagogik“ .

An dem Niedergang der Bildung in der bürgerlichen Gesellschaft hat die Darmstädter Pädagogik jahrzehntelang geforscht, sowohl was die Ursachen, als auch was die Folgen eines solchen Versagens der Pädagogik sind, wobei sie stets von den konkreten materiellen, gesellschaftlichen d.h. ökonomischen Bedingungen ausging. Dass es für Wissenschaft sowie für die Möglichkeit einer demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist, dass die Menschen zu mündigen und kritikfähigen Individuen erzogen werden, ist spätestens seit der Aufklärung eine Binsenweisheit. Für Gamm undKoneffke, die ihre Forschungen nach den abscheulichen Verbrechen des deutschen Faschismus auf- nahmen, hieß das, herauszufinden wie die Aufklärung so kläglich scheitern konnte, wobei sie durch das Studium von Marx darauf kamen, das Vernunft, die sich nicht auf die konkreten materiellen Bedingungen bezieht notwendigerweise zur Phrase verkommt und an der Wirklichkeit scheitert. Denn es „ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaft- liches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt“9. Jegliche Theorie rechtfertigt ihre Existenz also nur durch ihre Wirksamkeit für die Praxis. Über das Verhältnis von Vernunft und Faschismus schreibtGamm folgendes:

„Bei der manipulierten Nichtinanspruchnahme der Vernunft handelt es sich [...] um keine neutrale Entscheidung oder um ein sonstiges beliebiges Auswahlverfahren, vielmehr wird damit der Rückfall in die Barbarei eingeleitet, die im deutschen Faschismus die bisher schlimmste Beleidigung des Menschen als Glied der Menschheit zeitigte. Wenn der Faschismus die brutalste Manifestation von Unvernunft und Aberwitz in die Zeitgeschichte eintrug, so bietet der kapitalistische Produktionsprozess die ihm korrespondierende und aus- lösende Szene.“10

Dass der kapitalistische Produktionsprozess nicht den Regeln der Vernunft, sondern denen der Konkurrenz gehorcht, ist nach Gamm und Koneffke die Ursache des Elends. Bedient sich nämlich niemand der eigenen Vernunft, um den herrschenden Verhältnissen kollektiv etwas entgegenzuset- zen, so regiert im Kapitalismus nur noch die allein übrig gebliebene Verwertungslogik des Kapitals, die vor keinem Verbrechen Halt macht, um den Maximalprofit zu sichern. So zeigt Gamm auf, dass man den „Faschismus nicht als eigenständiges und abgegrenztes politisches Phänomen [auffassen darf], sondern als ein Derivat des Kapitalismus, um bürgerliche Herrschaft zu stützen“11. Der Faschismus stellt aber nicht bloß irgendeine andere Form kapitalistischer Herrschaft dar, sondern obendrein noch eine besonders profitable, unter Verhältnissen zugespitzter internationaler Konkur- renz eine notwendige Form, indem er die „Reduktion bzw. die Liquidation der Gewaltenteilung und ihrer Kontrollfunktionen [darstellt] [...], ohne den Produktionsprozess einzuschränken. [Es] [...] kann im Gegenteil gesteigert und die Ware mit geringeren sozialen Reibungsverlusten hergestellt werden, weil die Träger der Arbeitskraft fortan ‚gleichgeschaltet‘ sind und ihre zugestanden Be- dürfnisse sich nicht quer zu den Profitinteressen bewegen können, Lohnkämpfe füglich ausge- schlossen sind. Staat und Kapital werden verschweißt und halten die sperrige Arbeiterschaft nie- der.“12 Da sämtliche politischen Fragen von der Organisation der Produktion des materiellen Lebens ausgehen sollten, sind progressive politische Kämpfe, die sich nicht gegen die kapitalistische Pro- duktionsweise richten, langfristig folgenlos. So gibt man die politische Verantwortung nach den abgeschlossenen Tageskämpfen wieder an die Eigentümer der Produktionsmittel und somit an die Verwertungslogik des Kapitals ab, in der das Subjekt keine Rolle mehr spielt.

Gelänge es eine progressive Bewegung aufzubauen, die ihre sämtlichen politischen Anliegen gegen die Widerstände von Kapital und Staat durchzusetzen und zu behaupten im Stande wäre, käme das einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel gleich bzw. wäre nur durch diese möglich. Nur eine kämpfende Arbeiterklasse mit ihren Verbündeten, die sich der Selbstbewegung des Kapitals entge- genstellt, ist in der Lage die Entwicklung zur faschistischen Herrschaftsform der bürgerlichen Gesellschaft zu verhindern und ihre Ursachen auszumerzen. Natürlich ist ein einfacher Vergleich zu dem Faschismus des 20. Jahrhunderts nicht einfach zulässig, aber die weltweite Rechte hat in den letzten Jahren einige große Etappensiege errungen und führt ihre verbrecherische Politik unbeirrt fort. Ein Großteil der Linken legt ihnen hierbei keine Steine in den Weg, eben weil sie historisch so schwach ist, da sie keinen Begriff mehr hat von Geschichte und Ökonomie und den daran geknüpf- ten Möglichkeiten, Gesellschaft zu verändern.

Auch heutige Rechte wehklagen ständig über „die Globalisierung“ oder „die Digitalisierung“, ohne deren Wurzel, die Eigentumsverhältnisse, anzutasten, womit sich eine neue ideologische Querfront auftut. Deshalb werden wir nicht kopflos gegen „die Digitalisierung“ als „das Übel“ vorgehen, son- dern uns an die durch praktische Tätigkeit gewonnene theoretische Einsicht von Karl Marx erin- nern:

„Seit der Einführung der Maschinerie bekämpft der Arbeiter das Arbeitsmittel selbst, die materielle Existenzweise des Kapitals. Er revoltiert gegen diese bestimmte Form des Pro- duktionsmittels als die materielle Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise. [...] Die massenhafte Zerstörung von Maschinen [...] bot [...] den Vorwand zu reaktionärsten Gewalt- schritten. Es bedarf Zeit und Erfahrung, bevor der Arbeiter die Maschinerie von ihrer kapita- listischen Anwendung unterscheiden und daher seine Angriffe vom materiellen Produktions- mittel selbst auf dessen gesellschaftliche Exploitationsform übertragen lernt.“13

Fast 200 Jahre sind dafür genug Zeit. All jenen, die meinen man könne fortschrittliche Politik machen, ohne sich wissenschaftlich einen Begriff davon zu machen, wie das überhaupt gehen soll, bzw. welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen, halten wir entgegen, dass Phrasen die Welt nicht ändern können. Und allen, die meinen eine Notwendigkeit für kollektive Praxis gegen den Rechtsruck und andere kapitalistische Dynamiken sei gegenwärtig nicht erkennbar und „so schlimm wird es schon nicht kommen“, stellen wir die Frage, wirst du dafür Sorge tragen?

Über die Dringlichkeit klassenpolitischer Gewerkschaftsarbeit

Nach diesen Überlegungen stellen wir, die Junge GEW Darmstadt, uns die Frage: Wieso ist die materialistische Pädagogik nicht in Gewerkschaften präsent? Wieso gibt es immer weniger Schulungen, in denen der grundlegende Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital erläutert wird?

Aus Kämpfen der Arbeiterklasse lernen wir: „Wissen ist Macht“. Gamm und Koneffke haben das Wissen über die Kritik der politischen Ökonomie mit Bildung in einen Zusammenhang gebracht und so den Studierenden die Theorie an die Hand gegeben, um eine wirkmächtige Praxis zu ermög- lichen. So haben Studierende beispielsweise in den 70er Jahren für die Errichtung von studentischen Tutorien gestreikt. Das notwendige Verständnis von politischer Ökonomie zum Begreifen von Gamms Texten erhielten die Studierenden zu dieser Zeit einerseits in den Gewerkschaften (haupt- sächlich in der IG Metall), andererseits in selbstorganisierten Lesezirkeln der verschiedenen Hoch- schulgruppen, die es im Unterschied zu heute verstanden, sich zu organisieren. Nur durch diese ökonomischen Grundkenntnisse konnten die Studierenden die Theorie auch in die Praxis umsetzen.

Worum geht es bei der materialistischen Pädagogik?

Gamm fordert für die Pädagogik „Parteilichkeit als Bildungsprinzip“14, es geht vor allem darum, Partei zu ergreifen für die Arbeiterklasse, denn, so betont Konneffke: „Eine Gesellschaft, die von der Ausbeutung der Lohnarbeitskraft lebt, ist eine Gesellschaft, die die Freiheit, die sie auf der anderen Seite allen garantiert, blockiert. Angemessene Aufklärung heute wäre die über diesen Tatbestand.“15

Wo ist diese Aufklärung in der Gewerkschaft heute?

Dass die bürgerliche Freiheit der Kapitalisten mit der Unfreiheit bzw. Unterdrückung der Arbeiter unmittelbar verbunden ist führt zu der Einsicht, dass Freiheit heute, unter kapitalistischen Produkti- onsverhältnissen nicht möglich ist. Die Befreiung der Menschheit von Lohnarbeit ist somit die Vor- aussetzung für Freiheit. Diese Unterdrückung ist möglich, weil die Produktionsmittel, Betriebe und Maschinen, immer noch in privater Hand sind. Die damit einhergehende vorherrschende Konkur- renz, sowohl unter den Kapitalisten, als auch unter den Arbeitern steht dem Gedanken der Solidari- tät unvereinbar gegenüber. Solidarität ist jedoch das, was die Arbeiterklasse und die Gewerkschaf- ten sich international auf die Fahne schreiben. Es ist an der Zeit, mit diesem Anspruch ernst zu machen!

Deshalb fordern wir als Junge GEW Darmstadt den DGB und alles Einzelgewerkschaften dazu auf, die kritisch materialistische Pädagogik in die Weiterbildungsangebote für Referenten und Teamer verpflichtend aufzunehmen.

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news-312 Tue, 16 Apr 2019 13:04:03 +0200 Für eine Entfristungsoffensive an den hessischen Hochschulen https://www.gew-suedhessen.de/home/details/312-fuer-eine-entfristungsoffensive-an-den-hessischen-hochschulen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=287da177c28120939d3d6d99780a7401 Petition zeichnen Die Petition Für eine Entfristungsoffensive an den hessischen Hochschulen!ist bereits im Vorjahr angelaufen, so dass bis Februar 2019 schon über 3.000 Unterschriften gesammelt werden konnten. Die Petition geht auf die Initiative für gute Arbeitsbedingungen an Hessens Hochschulen zurück, die von ver.di, dem Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) und der GEW getragen wird. Vor Weihnachten wurden die ersten 1.350 Unterschriften an den damaligen hochschulpolitischen Sprecher der grünen Fraktion, Daniel May, übergeben. Mit Nina Eisenhardt gibt es nun eine neue hochschulpolitische Sprecherin, der die Forderungen überbracht werden sollen. Außerdem haben jetzt die Grünen mit Angela Dorn als Ministerin und Ayse Asar als Staatssekretärin das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst übernommen.

Das sind für uns Gründe, die Kampagne fortzusetzen und die Unterschriften zu einem späteren Zeitpunkt den erstarkten Grünen zu überreichen. Im Koalitionsvertrag werden uns Dauerstellen für Daueraufgaben, tarifvertragsähnliche Regelungen für Hilfskräfte und ein Kodex für gute Arbeit in der Wissenschaft versprochen. Es liegt jetzt maßgeblich an den Grünen, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen. Die Petition kann noch bis Anfang Mai 2019 unterzeichnet werden. Am 13. Mai sollen die Unterschriften dann um 14 Uhr am hessischen Landtag überreicht werden. Bis dahin wollen wir noch möglichst viele Unterschriften sammeln. Bitte unterzeichnet die Petition, wenn noch nicht geschehen, und leitet diese E-Mail an eure Kolleginnen und Kollegen sowie eure Gliederungen weiter. Die Unterzeichnung ist online möglich:

weact.campact.de/petitions/fur-eine-entfristungsoffensive-an-den-hessischen-hochschulen

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news-311 Tue, 02 Apr 2019 12:59:59 +0200 Ein Europa für Alle https://www.gew-suedhessen.de/home/details/311-ein-europa-fuer-alle/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=09fb5848004dc12ee889e8cb872d00ec Deine Stimme gegen Nationalismus! Sonntag, 19. Mai 2019, Großdemos in den Städten Europas

Die Europawahl am 26. Mai 2019 ist eine Richtungsentscheidung über die Zukunft der Europäischen Union. Nationalisten und Rechtsextreme wollen mit ihr das Ende der EU einläuten und Nationalismus wieder groß schreiben. Ihr Ziel: Mit weit mehr Abgeordneten als bisher ins Europaparlament einzuziehen. Wir alle sind gefragt, den Vormarsch der Nationalisten zu verhindern!

Wir halten dagegen, wenn Menschenverachtung und Rassismus gesellschaftsfähig gemacht werden sollen. Wir appellieren an alle Bürger*innen Europas: Geht am 26. Mai wählen – tretet ein gegen Nationalismus und für ein demokratisches, friedliches und solidarisches Europa!

Gemeinsam sagen wir: Die EU muss sich ändern, wenn sie eine Zukunft haben will. Wir streiten für unsere Vision eines anderen Europas. Unser Europa der Zukunft verteidigt Humanität und Menschenrechte; steht für Demokratie, Vielfalt und Meinungsfreiheit; garantiert soziale Gerechtigkeit und treibt einen grundlegenden ökologischen Wandel und die Lösung der Klimakrise voran.

Sei mit dabei, wenn wir am 19. Mai europaweit mit zehntausenden Menschen gleichzeitig auf die Straße gehen! Für die Zukunft Europas, gegen Nationalismus!

 

weitere Infos unter: https://www.ein-europa-fuer-alle.de 

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news-310 Tue, 02 Apr 2019 12:53:57 +0200 Abitur 2019 – Der ganz normale Wahnsinn?!! https://www.gew-suedhessen.de/home/details/310-abitur-2019-der-ganz-normale-wahnsinn/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=dc8a83902880917ce4112dd817a0e95e Keine Osterferien für zeitaufwendige Korrekturen und Gutachten! Das Kultusministerium sieht weg! Da Ostern in diesem Jahr sehr spät liegt, beginnen die Osterferien entsprechend erst Mitte April. Dies verlängert nicht nur die „Durststrecke“ zwischen Winter- und Osterferien, sondern hat gepaart mit dem kurzen Schuljahr noch eine weitere, für viele Kolleginnen und Kollegen äußerst belastende Konsequenz: 

Die schriftlichen Abiturprüfungen müssen noch vor den Ferien von den Erst- an die Zweitkorrektoren weitergegeben werden. Den Prüferinnen und Prüfern steht in diesem Durchlauf erstmals nicht die Ferienzeit zur Verfügung, um die zeitaufwendigen Korrekturen zu erledigen und die individuellen 
Prüfungsgutachten zu erstellen. Dies muss in diesem Jahr parallel zum laufenden Unterricht geschehen und kann daher nur an Nachmittagen, Wochenenden und in Nachtschichten erledigt werden.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen beim GEW Kreisverband Hanau.

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news-309 Fri, 29 Mar 2019 11:54:36 +0100 Hessenweiter Warnstreik im Landesdienst https://www.gew-suedhessen.de/home/details/309-hessenweiter-warnstreik-im-landesdienst/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=38bd979557bbf226a756ba4ae24ed6e1 Beschäftigte fordern 6 Prozent mehr Gehalt! Pressemitteilung der GEW Hessen vom 26.03.2019

Frankfurt (GEW): Bei den Warnstreiks der Beschäftigten des Landes Hessen sowie der Goethe-Universität und der TU Darmstadt traten heute hessenweit Angestellte  in den Ausstand. Zum gemeinsamen Warnstreik der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes aufgerufen waren aus dem Bereich der GEW die tarifbeschäftigten Lehrkräfte des Landes sowie aus dem Hochschulbereich wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte.

Die GEW und die anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes verlangen in der Tarif- und Besoldungsrunde 2019 vom Arbeitgeber Land Hessen eine Anhebung der Einkommen um 6 %, mindestens um 200 Euro monatlich bei einer Laufzeit von 12 Monaten.  

Regionale Streikkundgebungen mit insgesamt rund 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fanden in Marburg, Wiesbaden, Kassel und Darmstadt statt. Bei der Versammlung in Kassel bekräftigte Birgit Koch, Vorsitzende der GEW Hessen, die gewerkschaftlichen Forderungen: „Seit Jahren hat der öffentliche Dienst ein Problem, qualifizierte junge Fachkräfte zu gewinnen. Der Lehrkräftemangel nimmt in Hessen besorgniserregende Formen an, es fehlen Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen und Förderschulen. Es fehlen seit zwei Jahrzehnten qualifizierte Berufsschullehrerinnen und lehrer. Das liegt nicht nur am guten Arbeitsmarkt und auch nicht nur daran, dass die Länder wider besseres Wissens über Jahre zu wenige Lehrkräfte ausgebildet haben. Das liegt auch daran, dass die Arbeitsbedingungen im Schulbereich in anderen Bundesländern attraktiver sind. Für die Attraktivität spielt die Bezahlung eine wichtige Rolle, aber auch die Arbeitszeit. In Hessen gilt für die Lehrerinnen und Lehrer und auch alle anderen Beamtinnen und Beamten immer noch die 41-Stunden-Woche.“

Die Gewerkschaften fordern im Rahmen der Tarifrunde 2019 auch die Aufnahme der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte in den Geltungsbereich des Tarifvertrags TV-Hessen. Dazu erklärte die Vorsitzende der GEW Hessen, Maike Wiedwald, bei der Kundgebung in Wiesbaden:  „Diese Gruppe umfasst viele Tausend Beschäftigte an den Hochschulen, für die keinerlei tarifrechtliche Regelungen gelten. Die Arbeitsbedingungen dieser Gruppe unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule und die Bezahlung schwankt um bis zu 30%. Das ist ein Skandal. Wir wollen den TV-H für Hilfskräfte nicht irgendwann, sondern jetzt!“

Ein weiteres riesiges Problem an den Hochschulen sei, so Wiedwald weiter, das ausufernde Befristungsunwesen. „Hier muss endlich etwas passieren.  90% und mehr der Verträge im Wissenschaftsbereich sind befristet. Und hier rede ich noch nicht einmal vom Drittmittelsektor! Daueraufgaben müssen endlich von Beschäftigten wahrgenommen werden, die auch dauerhafte Arbeitsverträge haben. Wir haben als Gewerkschaften im vergangenen Herbst einen konkreten Vorschlag vorgelegt, wie man die Befristungsquote Stück für Stück reduzieren kann. Das Land Hessen ist darauf nicht eingegangen, hat aber auch  keinen substantiellen Gegenvorschlag gemacht. Getan wird so aber nichts! Das ist unverantwortlich und muss sich ändern!“

Die Gewerkschaften verlangen zudem, das Tarifergebnis zeit- und wirkungsgleich auf die Beamtinnen und Beamten zu übertragen.

Hessen ist seit eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr Mitglied des Arbeitgeberverbandes, der „Tarifgemeinschaft deutscher Länder“ (TdL). Für alle anderen Bundesländer wurde bereits am 2. März 2019 eine Tarifeinigung in Potsdam erzielt.  Für die Landesbediensteten in Hessen wird am 28./29. März 2019 voraussichtlich abschließend im südhessischen Dietzenbach verhandelt.

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Aktuell
news-308 Wed, 27 Mar 2019 09:49:53 +0100 Kundgebung in Darmstadt und Marburg https://www.gew-suedhessen.de/home/details/308-kundgebung-in-darmstadt-und-marburg/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e73d9de14c97ab59f20fab345ba90315 Streikerfassung und Streikfrühstück in Frankfurt und Wiesbaden

Hessenweiter Warnstreik im Landesdienst

Vor der Kundgebung in Wiesbaden hatte die GEW die Streikteilnehmerinnen und Streikteilnehmer aus Frankfurt und Umgebung zu einem Streikfrühstück und zur Streikerfassung ins DGB-Haus Frankfurt eingeladen. Kolleginnen und Kollegen aus Wiesbaden, Groß-Gerau, Main-Taunus, Darmstadt, Dieburg, Bergstraße, Odenwald und Untertaunustrafen sich vor der Kundgebung in Wiesbaden zum Streikfrühstück im Kesselhaus Wiesbaden.

Die Streikteilnehmenden der Goethe-Uni Frankfurt trafen sich in der Goethe-Uni zu einem Streikfrühstück, um gemeinsam zur zentralen Kundgebung nach Wiesbaden zu fahren.

Beschäftigte der TU Darmstadt und der Fachhochschule Darmstadt nahmen an einer Kundgebung in Darmstadt teil. Auch für in Marburg demonstrierten GEW-Mitglieder für einen angemessenen Abschluss des Tarifvertrags. Die Verhandlungen zum Tarifvertrag Hessen zwischen Gewerkschaften und dem Land Hessen beginnen in zwei Tagen (28. März) in Dietzenbach.

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Aktuell
news-307 Wed, 27 Mar 2019 09:20:51 +0100 Kundgebung und Demo in Wiesbaden https://www.gew-suedhessen.de/home/details/307-kundgebung-und-demo-in-wiesbaden/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=7c75bc23773e7b6bd5266bb4635b850d 26. März 2019 | TV-H Rede von Maike Wiedwald, Vorsitzende GEW Hessen Fotoserie Liebe Kolleginnen und Kollegen,

6 Prozent mindestens 200 mehr in der Einkommensentwicklung für 2019. Hinter diesen Entgeltforderungen stehen wir. Diese Forderung ist auch mehr als berechtigt. Es ist gut, dass ihr hier seid. Es ist gut, dass ihr das laut seid. Ihr seid doch laut. oder? Tarifverhandlungen sind kein Selbstläufer. Wir fordern 6 Prozent und mindestens 200€ mehr.

Nicht irgendwann, sondern jetzt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in Hessen gibt es besonders im Bereich der Grundschule, der Förderschulen und der beruflichen Schulen einen massiven Lehrkräftemangel. Die hessischen Ranglisten für diese Schulformen sind abgearbeitet. Und trotzdem sind immer noch viele Stellen nicht besetzt. Auf befristete Stellen werden jetzt viele Personen eingestellt, die nicht beide Staatsexamina haben, oft noch nicht einmal ein abgeschlossenes Studium. Und so finden sich in vielen Schulen Kolleginnen und Kollegen in den Entgeltgruppen 5 und 6.  Es muss klar sein, wer Lehrkräfte langfristig halten möchte, muss die Arbeitsbedingungen gut gestalten und darf die Lehrkräfte nicht auspressen. Es geht um gute Bildung und gute Arbeit. Dazu gehört ein ordentliches Plus bei der Einkommensentwicklung und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich bringe euch auch die solidarischen Grüße der beamteten Kolleginnen und Kollegen an den Schulen mit. Viele haben in den letzten Wochen ihre Solidarität ausgedrückt. In dem Wortlaut ihrer Koalitionsvereinbarung „strebt“ die Landesregierung lediglich an, das Tarifergebnis auf die Beamtinnen und Beamten übertragen zu wollen. Wie andere Aussagen auch, steht auch diese doch recht schwache Zusage unter einem Haushaltsvorbehalt. Wir fordern die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung auf die Beamtinnen und Beamten.

Und das nicht irgendwann, sondern jetzt!


Liebe Kolleginnen und Kollegen,
für uns Lehrkräfte (ob angestellt oder verbeamtet) wird es zukünftig aber auch sehr stark, um einen deutliche Reduzierung der Arbeitsbelastung gehen. Die Arbeitszeitverkürzung steht hierbei im Mittelpunkt künftiger Aktivitäten. Es kann einfach nicht angehen, dass die Arbeitszeit von Lehrkräften an Grundschulen in Hessen noch genauso hoch ist wie vor mehr als 100 Jahren. Wir brauchen eine deutliche Reduzierung der Pflichtstunden für alle Kolleginnen und Kollegen – ob angestellt oder verbeamtet.

Nicht irgendwann, sondern jetzt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Jahr 2013 war das Thema „Beendigung der Befristungen an Hochschulen“ zum ersten Mal Gegenstand von Tarifverhandlungen.
Seitdem wurde geprüft, erörtert und Zahlen verglichen. Verändert hat sich nichts. Die Befristungen im Bereich der Hochschulen sind nach wie vor auf einem Höchststand: 90% und mehr der Kolleginnen und Kollegen im wissenschaftlichen Bereich haben keine Dauerstellungen.  
6 Jahre - das war lange genug, jetzt muss etwas passieren!

Der Arbeitgeber soll nun endlich sagen, welche konkreten Maßnahmen er für umsetzbar hält. Unsere Forderung ist klar: Dauerstellen für Daueraufgaben. Offensichtlich sehen das mittlerweile auch die Koalitionsparteien so: „Daueraufgaben sollen auch als Dauerstellen gestaltet werden.“ Da gibt es also viel zu tun! Wir brauchen klare Zielvorgaben, die die befristeten Beschäftigungsverhältnisse an Hochschulen deutlich reduzieren.

Dauerstellen für Daueraufgaben und zwar subito nicht irgendwann, sondern jetzt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

für viele tausend studentische Hilfskräfte gibt es in Hessen keine einheitlichen Arbeitsbedingungen und keine tariflichen Regelungen. Die Bezahlung unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule eklatant. Die Unterschiede liegen bei bis zu 30%. Es ist reicht einfach nicht aus, wenn jede Hochschule nach eigenem Gutdünken festlegt, wie die Arbeits- und Bezahlbedingungen gestaltet sein sollen. Ein Problem das den schwarz-grünen Koalitionäre offensichtlich auch aufgefallen ist. Sie wollen dies künftig „ähnlich zu Tarifverträgen“ regeln. Doch warum nur tarifähnlich? Jetzt gibt es die Chance, tarifliche Regelungen für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte im TV-H zu vereinbaren. Die Gewerkschaften wären dabei.
Also her mit dem Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte.

Nicht irgendwann, sondern jetzt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Reaktionen des Kultus- und des Innenministeriums auf unseren Aktionstag im Februar haben schon sehr gewundert. Da werden an der einen Schule oder Hochschule die zweifellos gegebene Rechtmäßigkeit unserer Aktionen in den Pausen in Frage gestellt. An der anderen Schule wird mit nebulösen Folgen gedroht, die ein Warnstreik haben könnte. Was sollen alle diese nervösen und nicht zu akzeptierenden Überreaktionen? Einschüchterungsversuche gehen gar nicht. Das Streikrecht ergibt sich aus dem Grundrecht auf Koalitionsfreiheit. Wir fordern unseren Arbeitgeber auf,  solche Aktionen zu unterbinden. 

Nicht irgendwann, sondern jetzt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir sollten alle gemeinsam laut werden. Nur in dem gemeinsamen Kampf von GEW, Ver.di, IG Bau und GdP sind wir stark. Nur gemeinsam ob wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni, ob studentische Hilfskraft in einem Fachbereich, ob befristet Beschäftigte oder sozialpädagogische Fachkraft an Schule oder Lehrkraft an hessischen Schulen. Nur gemeinsam sind wir stark. Solidarität ist unsere Kraft.

Und das immer und somit auch jetzt!

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Aktuell
news-306 Mon, 25 Mar 2019 08:00:13 +0100 Solidarität mit der »Darmstädter Pädagogik« https://www.gew-suedhessen.de/home/details/306-solidaritaet-mit-der-darmstaedter-paedagogik/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=ab2e92ccd1c231eb132cb7de4650db0a Für den Erhalt der »Darmstädter Pädagogik« an der TU Darmstadt

»Die erstaunlich geringe Rezeption der Schriften dieses Gelehrten [Heinz-Joachim Heydorn] innerhalb der professionellen Hochschullehrerschaft ist selbstverständlich kein Zufall. Sie hängt vielmehr damit zusammen, daß materialistische Betrachtung innerhalb der bürgerlichen Wissenschaft diese zugleich in Frage stellt, ihre abgeschirmten Lesarten ermittelt und zeigt, warum das bürgerliche Subjekt die ihm geltenden Verheißungen von Freiheit nicht verwirklichen kann und sich mit Konsum abspeisen läßt, mit einem Wort, warum Bildung nicht wirksam ist.«1

Für den Erhalt der »Darmstädter Pädagogik« an der TU DarmstadtSehr geehrte Damen und Herren,

Dem sogenannten Fachbereich Humanwissenschaften der TU Darmstadt stehen tiefgreifende Strukturveränderungen bevor. Davon betroffen ist insbesondere das Fachgebiet Allgemeine Pädagogik. Professor Dr. Peter Euler wird Ende dieses Semesters in den Ruhestand versetzt. Diese Gelegenheit soll offenbar genutzt werden, die durch einen kritisch-materialistischenAnsatz geprägte „Darmstädter Pädagogik“ aus ihrer traditionellen Herkunfts- und Wirkungsstätte zu verdrängen. Denn auf Empfehlung einer externen Evaluationskommission und mit der Unterstützung des Präsidenten der TU Darmstadt soll die bisher von Peter Eulervertretene Professur „Allgemeine Pädagogik mit dem Schwerpunkt Pädagogik der Natur- und Umweltwissenschaften“ durch eine Digitalisierungsprofessur ersetzt werden, „um das ProfilDigitalisierung [...] im Bereich der Pädagogik zu stärken2, da es der Pädagogik in Darmstadt, angeblich gerade aufgrund des breiten Angebots, an Profil mangele3. Durch die Integrationin dieses „besondere Profil der TU Darmstadt“ wird das kritische Potential der Darmstädter Pädagogik „neutralisiert“. Schließlich dürfte dadurch „die ohnehin schon weit gediehene Spezialisierung der Erziehungswissenschaft durch themenspezifische Profilbildungen, die sich an den Direktiven des Marktes orientieren"4, weiter voranschreiten. Einer solchen Indienstnahme der Pädagogik für den digitalen Wettlauf wäre nur mit einer akzentuiert kritisch-materialistisch ausgerichteten „Digitalisierungsprofessur“ wirksam entgegenzutreten.

Im Zusammenhang dieser Planungen der inhaltlichen und strukturellen Veränderung des Instituts für Pädagogik wird auch über die Aussetzung des Bachelor-Studiengangs Pädagogik diskutiert. Die Abstimmung über diese Aussetzung konnte durch den öffentlichkeitswirksa- men Protest der Studierenden auf das Direktorium des Instituts verschoben werden, wodurch die Aussetzung des Studiengangs frühestens in einem Jahr in Kraft treten könnte.

Angeregt und getragen wurden diese Proteste von der studentischen Aktionsgruppe „Mut zur Kritik“. Sie wurde im WS 2018/19 gegründet unter der Zielsetzung, den Niedergang der„Darmstädter Pädagogik“ aufzuhalten und diese stattdessen wieder aufzubauen und zumLeben zu erwecken.

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Die im Institut für Pädagogik der TUD geplanten Strukturveränderungen sind kein Einzelphänomen. Um sie verstehen und einordnen zu können, ist gerade der Blick in dieTexte der Protagonisten der „Darmstädter Pädagogik“ aufschlussreich. So wird in dem 2015 erschienen Heft 1 über „Kritische Pädagogik-Eingriffe und Perspektiven“ vor der nicht erstseit gestern und nicht nur an der TU Darmstadt vorangetriebenen „Neutralisierung derPädagogik“ eindringlich gewarnt„Neutralisierung“ bedeutet hier u.a., dass Spannungen undKonflikte nicht mehr thematisiert werden und die Pädagogik ihrer Wirksamkeit beraubt wird6.Dies ist vor allem das Resultat einer „feindlichen Übernahme“, d.h. einer gezielten„Fremdverfügung der Großkonzerne“über die Wissenschaft der Pädagogik. „Es gibt in derbürgerlichen Gesellschaft nur einen Wert, dessen Macht alles durchringt: der den Dingen innewohnende Tauschwert, der als Kapital die Bewegung seiner Akkumulation ist.“8

Um das kritische Verständnis solcher Zusammenhänge in der Ausbildung von Pädagogen zu fördern und der Vereinnahmung der Pädagogik durch die Profitinteressen des Kapitals entgegenwirken zu können, bedarf es einer kritisch-materialistischen Pädagogik. Denn, „dassmit dem Kapitalismus statt der Vernunft das Wertgesetz als Prinzip der zur vollendeten Unvernunft verkehrten Vernunft die bürgerliche Gesellschaft beherrscht, sieht die materialistische Pädagogik auch als ein Versagen der Pädagogik.“9

Wir fordern deshalb die vielfach beklagte „Leerstelle der Erziehungswissenschaft auf dem Gebiete einer Kritik der Politischen Ökonomie“10 durch entsprechende „Lehrstellen“ zuersetzen, um damit die Neutralisierung der kritisch-materialistischen „Darmstädter Pädagogik“ zu verhindern. Um es mit den Worten Gernot Koneffkes zu formulieren: „KeinBegriff dieser Gesellschaft ohne Kenntnis der »Kritik der politischen Ökonomie«.“11

Wir fordern den Erhalt und Ausbau der »Darmstädter Pädagogik« an der TUD

Als Junge GEW im Kreisverband Darmstadt bitten wir um Unterstützung in Form einer kurzen Solidaritätsbekundung für den Erhalt und Ausbau der kritisch-materialistischen„Darmstädter Pädagogik“ und die Proteste der Studierenden am Pädagogik-Institut der TU Darmstadt.

Solidarische Grüße,
Junge GEW Darmstadt
-mit Unterstützung der 
Montags-Lehrergruppe im Kreisverband Darmstadt der GEW

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news-304 Sat, 16 Mar 2019 18:16:47 +0100 Streikaufruf https://www.gew-suedhessen.de/home/details/304-streikaufruf/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=02d7a5cf80f987daf05a89169b61cc94 Dienstag, 26.März: Wir streiken! Am 28.März beginnt die zweite Verhandlungsrunde über Einkommenserhöhungen für die Beschäftigten des Landes Hessen im Geltungsbereich des TVH. Die GEW fordert gemeinsam mit den anderen Gewerkschaften des öffentli- chen Dienstes eine Gehaltserhöhung von 6 Prozent, mindestens 200 Euro, für eine Tariflaufzeit von einem Jahr.

Für die Beschäftigten in allen anderen Bundesländer gibt es bereits ein Tarifergebnis bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 33 Monaten. Die Gehaltserhöhungen erfolgen in drei Stufen: rückwirkend zum 1. Januar 2019 um 3,2 Prozent (Mindestbetrag 100 Euro), ab 1. Januar 2020 um 3,2 Prozent (Mindestbetrag 90 Euro) und ab 1. Januar 2021 um 1,4 Prozent (Mindestbetrag 50 Euro).

Das entspricht einer Gesamtsteigerung des Gehaltes um 8 %. Das Gehalt in der Stufe 1 wird über- durchschnittlich erhöht: um 4,5 Prozent zum 1. Januar 2019, 4,3 Prozent zum 1. Januar 2020 sowie 1,8 Prozent zum 1. Januar 2021. Die Ausgleichszahlung für angestellte Lehrkräfte im Bereich des Entgelt-Tarifvertrags der Länder wird auf 100 Euro erhöht. Die GEW Hessen fordert, dass auch in Hessen Verhandlungen über eine tarifvertragliche Entgeltordnung für Lehrkräfte aufgenommen werden!

Wir lassen uns nicht abhängen!

Streikversammlung und Demonstration vor dem Hauptbahnhof in Wiesbaden Dienstag, 26. März, ab 10.30 Uhr

Die GEW ruft alle angestellten Lehrkräfte mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und alle sozialpädagogischen Fachkräfte außerhalb der Probezeit am Dienstag, dem 26. März, zu einem ganztägigen Streik auf. Die Teilnahme an dem Streik ist der Schulleitung am Vortag mit- zuteilen. Streiken ist ein Grundrecht und darf nicht zu Benachteiligungen führen!

Wir rufen alle Beamtinnen und Beamten auf, den Streik zu unterstützen: durch die Beteiligung an der Unterschriftenaktion, durch Solidarität mit den streikenden Kolleginnen und Kollegen vor Ort und durch die Teilnahme an der Kundgebung, wenn dies zeitlich möglich ist.

Streikfrühstück ab 8.30 Uhr im Kulturzentrum Schlachthof in Wiesbaden

Die Streikteilnehmerinnen und Streikteilnehmer aus dem Kreis Groß-Gerau und dem Main- Taunus-Kreis treffen sich ab 8.30 Uhr in Wiesbaden zum Streikfrühstück im Kesselhaus im Kulturzentrum Schlachthof (Murnaustr. 1, früher Gartenfeldstraße 57). Dort kann man sich in die Streiklisten eintragen. GEW-Mitglieder und auch die Kolleginnen und Kollegen, die am Streiktag in die GEW eintreten, erhalten Streikgeld. Von dort gehen wir gemeinsam zur Kundgebung am Hauptbahnhof in Wiesbaden.

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news-303 Fri, 15 Mar 2019 10:52:18 +0100 Was tun? Eine Pädagogik für die Arbeiterklasse https://www.gew-suedhessen.de/home/details/303-was-tun-eine-paedagogik-fuer-die-arbeiterklasse/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=3b9a6dfe3e1e1b9c03648d37b7b94dda Proteste gegen die Neutralisierung der Pädagogik an der TU Darmstadt Wir möchten hinweisen auf folgende Veranstaltung:

Pädagogik als Waffe

Über die Kritisch-materialistische Pädagogik  und wir sie in die Gewerkschaft hineintragen

Wann? Samstag, den 11.05.19 um 14Uhr

Wo? GEW Kreisverband Darmstadt, Gagernstraße 8, 64283 Darmstadt

Anmeldung bitte an: jungegew_da@gmx.de

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Hierzu veröffentlichen wir vorab bereits eine Langfassung des entsprechenden Artikels in der HLZ 04/2019:

Was tun? Eine Pädagogik für die Arbeiterklasse

Proteste gegen die Neutralisierung der Pädagogik an der TU Darmstadt

Seit Beginn des Wintersemesters 2018/19 regt sich zunehmend Protest unter den Studierenden der TU Darmstadt, angefangen mit den Architekten, die mit einer Widerstandswoche gegen die verheerenden Zustände ihrer Gebäude und die mangelnde Besetzung der Lehrstellen protestierten, indem sie die Lehrveranstaltungen boykottierten und sich über die Lage ihres Instituts informierten. Beendet wurde die Woche durch eine Demonstration mit 600 Studierenden, die lokal auch medial große Aufmerksamkeit erfuhr, wodurch ein kleiner Teil der Studierendenschaft zur Einsicht gelangte, dass es notwendig und vor allem möglich ist, auch ohne Professorentitel als Subjekt aktiv in der Uni aufzutreten. So z.B. bei den Pädagogen, denen angeblich wegen der Überlastung des finanziell und personell ebenfalls schlecht ausgestatteten Instituts von einer externen Evaluationskommission und vom Präsidium vorangetriebene Umstrukturierungen ihres Studienganges drohen, in deren Rahmen der Monobachelor Pädagogik ausgesetzt und die inhaltliche Ausrichtung der übrig gebliebenen Professuren immer weiter in Richtung Digitalisierung zugeschnitten werden sollen. Ausgerechnet mit der mittlerweile allgegenwärtigen Digitalisierung möchte man also dem, in der Pädagogik der TU Darmstadt, wie es heißt, aufgrund einer zu breiten inhaltlichen Aufstellung mangelnden Profil, begegnen. Das Profil mangelt dummerweise am meisten dort, wo die wenigsten privaten Drittmittel eingeworben werden können. Und niedrige Drittmitteleinwerbungen bedeuten nach der neuesten marktkonformen Wissenschaftsdefinition schlechte Forschungsleistungen (vgl. Evaluationsbericht S.7). Die erste Professur, die dieser Agenda geopfert werden soll, ist zugleich die letzte, die die kritisch-materialistische Bildungstheorie, die das Wesen der 1967 gegründeten Darmstädter Pädagogik bildet, ansatzweise in Form einer kritischen Pädagogik weiter verfolgt

Um das Aussterben der "Darmstädter Pädagogik" in deren Heimstätte zu verhindern, trugen wir als junge GEW und Teil der Aktionsgruppe „Mut zur Kritik“ gemeinsam mit wissenschaftlichen Hilfskräften und Mitarbeiter*innen, sowie Studierenden anderer Fachbereiche die „Darmstädter Pädagogik“ symbolisch zu Grabe. Mit Bannern, Plakaten und Flugblättern zogen wir lautstark durch die Uni zur Bibliothek wo wir alle Bücher von Gamm und Koneffke, den Begründern der Darmstädter Pädagogik, in einen Sarg packten, um das Aussterben unserer Pädagogik zum Ausdruck zu bringen. Da wir jedoch eine Pädagogik, die die wirkliche Befreiung des Menschen von Lohnarbeit fordert, nicht Aussterben lassen durften, entschlossen wir uns dazu die kritisch materialistische Darmstädter Pädagogik in einem Theaterstück wieder zum Leben zu erwecken. Das Theaterstück führten wir u.a. in der Vorlesung der „Allgemeinen Pädagogik“ auf, um die Erstsemesterstudierenden über die Situation am Institut zu informieren und sie dazu aufzurufen bei dem Protest aktiv mitzuwirken. Auch dem Präsidenten der TU statteten wir einen Besuch ab, der uns darüber belehrte, dass die kritisch-materialistische Pädagogik mit einer Dampfmaschine zu vergleichen sei, deren Zeit nun einmal abgelaufen sei, was gleichbedeutend damit wäre zu fordern die Gewerkschaften sollen den Streik abschaffen, da dieser als Kampfform ja viel zu alt wäre.

Am Ende der Aktion trugen wir die Bücher der Darmstädter Pädagogen in einen Gemeinschaftsraum der Hilfskräfte, um dort eine Bibliothek der kritisch-materialistischen Pädagogik einzurichten und die Studierenden zur Auseinandersetzung mit ihren Institutsgründern zu bewegen und deren Theorie für die Praxis fruchtbar zu machen. Zwei Tage später gelang es dann durch Druck der Studierenden auf das Direktorium, bewaffnet mit Kochtöpfen, Musikinstrumenten und Megafonen und dem Rauch-Haus-Song von Ton-Steine-Scherben die Aussetzung des Monobachelors für mindestens ein Jahr zu verhindern. Doch gewonnen ist der Kampf damit noch lange nicht, denn die inhaltliche Neuausrichtung der Pädagogik steht immer noch bevor. Außerdem ist auch kein Ende der Überlastung am Institut in Sicht, die mit der finanziellen Situation und daher nicht besetzbarer Stellen für wissenschaftliche Hilfskräfte und Mitarbeiter*innen unmittelbar einhergeht.

Vom Scheitern der Bildung zum faschistischen Stadium des Kapitalismus

Die Kommerzialisierung von Bildung, die längst nicht nur die TU Darmstadt betrifft, sondern das gesamte Bildungswesen, ist ein alter Hut. Bereits 2015 ist im Heft 1 „Kritische Pädagogik-Eingriffe und Perspektiven“ von der „Neutralisierung der Pädagogik“ zu lesen, die nicht erst seit gestern und auch nicht nur an unserem Darmstädter Pädagogik Institut vorangetrieben wird. Neutralisierung bedeutet hier u.a., dass Spannungen und Konflikte nicht mehr thematisiert werden und die Pädagogik ihrer Wirksamkeit beraubt wird . Weil es dem Zeitgeist nicht entspricht, werden Grundbegriffe preisgegeben, wobei genau die Begriffe, wie Materialismus, Proletariat, Autonomie, Mündigkeit, Freiheit und Befreiung, Imperialismus und Kapital, doch unsere Taschenlampen sind, um überhaupt eine klare Vorstellung der objektiven Verhältnisse und unserer subjektiven Ziele zu erhalten. Dieser Selbstmord aus Angst vor dem Tod, von dem bei uns allerorts die Rede ist, ist antiaufklärerisch. Auch der Gegenstandsbereich der Politischen Ökonomie, den Daniela Holzer bei einer Koneffke- Tagung im März 2018 an der TUD als den „Bass der Darmstädter Pädagogik“ bezeichnete, liegt vollkommen im Dunkeln. „Die verschiedenen Varianten einer kritischen Erziehungswissenschaft haben dieser Entwicklungstendenz mit den Weg geebnet, indem sie ihr eigenes Forschungsdesign von den gesellschaftlichen Grundkonflikten auf die Felder der Kultur und ästhetischen Erziehung verschoben und das Erkennen gesellschaftlicher Kräfte, Interessen und Auseinandersetzungen ein- trübten“. Dies ist vor allem das Resultat einer „feindlichen Übernahme“, d.h. der „Fremdverfügung der Großkonzerne“ über die Wissenschaft der Pädagogik. „Es gibt in der bürgerlichen Gesellschaft nur einen Wert, dessen Macht alles durchringt: der den Dingen einwohnende Tauschwert, der als Kapital die Bewegung seiner Akkumulation ist“. Die Wissenschaft wird so zur Ware degradiert und ist vom Standpunkt der Herrschenden „gut aufgestellt“. Entgegen des Postulats der Wertfreiheit von Wissenschaft, die es nicht gibt, ist die Haltung der Wissenschaftler ausschlaggebend dafür, welchen Zweck und welches Ziel die Forschung hat. „In einer Gesellschaft der Lohnsklaverei eine unparteiische Wissenschaft zu erwarten wäre eine ebenso törichte Naivität, wie etwa von den Fabrikanten Unparteilichkeit zu erwarten in der Frage, ob man nicht den Arbeitern den Lohn erhöhen sollte, indem man den Profit des Kapitals kürzt.“

Um den Niedergang der Pädagogik, sowie den der Wissenschaft im Allgemeinen, in kapitalistischen Gesellschaften verstehen zu können, bedarf es also einer kritisch-materialistischen Pädagogik. Der Vereinnahmung der Pädagogik durch die Profitinteressen des Kapitals muss außerdem praktisch entgegengewirkt werden – ansonsten verschwindet sie gänzlich aus den bürgerlichen Institutionen. Denn, „dass mit dem Kapitalismus statt der Vernunft das Wertgesetz als Prinzip der zur vollendeten Unvernunft verkehrten Vernunft die bürgerliche Gesellschaft beherrscht, sieht die materialistische Pädagogik auch als ein Versagen der Pädagogik“ .

An dem Niedergang der Bildung in der bürgerlichen Gesellschaft hat die Darmstädter Pädagogik jahrzehntelang geforscht, sowohl was die Ursachen, als auch was die Folgen eines solchen Versagens der Pädagogik sind, wobei sie stets von den konkreten materiellen, gesellschaftlichen d.h. ökonomischen Bedingungen ausging. Dass es für Wissenschaft sowie für die Möglichkeit einer demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist, dass die Menschen zu mündigen und kritikfähigen Individuen erzogen werden, ist spätestens seit der Aufklärung eine Binsenweisheit. Für Gamm und Koneffke, die ihre Forschungen nach den abscheulichen Verbrechen des deutschen Faschismus auf- nahmen, hieß das, herauszufinden wie die Aufklärung so kläglich scheitern konnte, wobei sie durch das Studium von Marx darauf kamen, das Vernunft, die sich nicht auf die konkreten materiellen Bedingungen bezieht notwendigerweise zur Phrase verkommt und an der Wirklichkeit scheitert. Denn es „ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt“. Jegliche Theorie rechtfertigt ihre Existenz also nur durch ihre Wirksamkeit für die Praxis. Über das Verhältnis von Vernunft und Faschismus schreibt Gamm folgendes:

„Bei der manipulierten Nichtinanspruchnahme der Vernunft handelt es sich [...] um keine neutrale Entscheidung oder um ein sonstiges beliebiges Auswahlverfahren, vielmehr wird damit der Rückfall in die Barbarei eingeleitet, die im deutschen Faschismus die bisher schlimmste Beleidigung des Menschen als Glied der Menschheit zeitigte. Wenn der Faschismus die brutalste Manifestation von Unvernunft und Aberwitz in die Zeitgeschichte eintrug, so bietet der kapitalistische Produktionsprozess die ihm korrespondierende und aus- lösende Szene.“

Dass der kapitalistische Produktionsprozess nicht den Regeln der Vernunft, sondern denen der Konkurrenz gehorcht, ist nach Gamm und Koneffke die Ursache des Elends. Bedient sich nämlich niemand der eigenen Vernunft, um den herrschenden Verhältnissen kollektiv etwas entgegenzusetzen, so regiert im Kapitalismus nur noch die allein übrig gebliebene Verwertungslogik des Kapitals, die vor keinem Verbrechen Halt macht, um den Maximalprofit zu sichern. So zeigt Gamm auf, dass man den „Faschismus nicht als eigenständiges und abgegrenztes politisches Phänomen [auffassen darf], sondern als ein Derivat des Kapitalismus, um bürgerliche Herrschaft zu stützen“. Der Faschismus stellt aber nicht bloß irgendeine andere Form kapitalistischer Herrschaft dar, sondern obendrein noch eine besonders profitable, unter Verhältnissen zugespitzter internationaler Konkurrenz eine notwendige Form, indem er die „Reduktion bzw. die Liquidation der Gewaltenteilung und ihrer Kontrollfunktionen [darstellt] [...], ohne den Produktionsprozess einzuschränken. [Es] [...] kann im Gegenteil gesteigert und die Ware mit geringeren sozialen Reibungsverlusten hergestellt werden, weil die Träger der Arbeitskraft fortan ‚gleichgeschaltet‘ sind und ihre zugestanden Bedürfnisse sich nicht quer zu den Profitinteressen bewegen können, Lohnkämpfe füglich ausgeschlossen sind. Staat und Kapital werden verschweißt und halten die sperrige Arbeiterschaft nie- der.“ Da sämtliche politischen Fragen von der Organisation der Produktion des materiellen Lebens ausgehen sollten, sind progressive politische Kämpfe, die sich nicht gegen die kapitalistische Produktionsweise richten, langfristig folgenlos. So gibt man die politische Verantwortung nach den abgeschlossenen Tageskämpfen wieder an die Eigentümer der Produktionsmittel und somit an die Verwertungslogik des Kapitals ab, in der das Subjekt keine Rolle mehr spielt.

Gelänge es eine progressive Bewegung aufzubauen, die ihre sämtlichen politischen Anliegen gegen die Widerstände von Kapital und Staat durchzusetzen und zu behaupten im Stande wäre, käme das einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel gleich bzw. wäre nur durch diese möglich. Nur eine kämpfende Arbeiterklasse mit ihren Verbündeten, die sich der Selbstbewegung des Kapitals entgegenstellt, ist in der Lage die Entwicklung zur faschistischen Herrschaftsform der bürgerlichen Gesellschaft zu verhindern und ihre Ursachen auszumerzen. Natürlich ist ein einfacher Vergleich zu dem Faschismus des 20. Jahrhunderts nicht einfach zulässig, aber die weltweite Rechte hat in den letzten Jahren einige große Etappensiege errungen und führt ihre verbrecherische Politik unbeirrt fort. Ein Großteil der Linken legt ihnen hierbei keine Steine in den Weg, eben weil sie historisch so schwach ist, da sie keinen Begriff mehr hat von Geschichte und Ökonomie und den daran geknüpf- ten Möglichkeiten, Gesellschaft zu verändern.

Auch heutige Rechte wehklagen ständig über „die Globalisierung“ oder „die Digitalisierung“, ohne deren Wurzel, die Eigentumsverhältnisse, anzutasten, womit sich eine neue ideologische Querfront auftut. Deshalb werden wir nicht kopflos gegen „die Digitalisierung“ als „das Übel“ vorgehen, sondern uns an die durch praktische Tätigkeit gewonnene theoretische Einsicht von Karl Marx erinnern:

„Seit der Einführung der Maschinerie bekämpft der Arbeiter das Arbeitsmittel selbst, die materielle Existenzweise des Kapitals. Er revoltiert gegen diese bestimmte Form des Pro- duktionsmittels als die materielle Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise. [...] Die massenhafte Zerstörung von Maschinen [...] bot [...] den Vorwand zu reaktionärsten Gewalt- schritten. Es bedarf Zeit und Erfahrung, bevor der Arbeiter die Maschinerie von ihrer kapitalistischen Anwendung unterscheiden und daher seine Angriffe vom materiellen Produktions- mittel selbst auf dessen gesellschaftliche Exploitationsform übertragen lernt.“

Fast 200 Jahre sind dafür genug Zeit. All jenen, die meinen man könne fortschrittliche Politik machen, ohne sich wissenschaftlich einen Begriff davon zu machen, wie das überhaupt gehen soll, bzw. welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen, halten wir entgegen, dass Phrasen die Welt nicht ändern können. Und allen, die meinen eine Notwendigkeit für kollektive Praxis gegen den Rechtsruck und andere kapitalistische Dynamiken sei gegenwärtig nicht erkennbar und „so schlimm wird es schon nicht kommen“, stellen wir die Frage, wirst du dafür Sorge tragen?

Über die Dringlichkeit klassenpolitischer Gewerkschaftsarbeit

Nach diesen Überlegungen stellen wir, die Junge GEW Darmstadt, uns die Frage: Wieso ist die materialistische Pädagogik nicht in Gewerkschaften präsent? Wieso gibt es immer weniger Schulungen, in denen der grundlegende Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital erläutert wird?

Aus Kämpfen der Arbeiterklasse lernen wir: „Wissen ist Macht“. Gamm und Koneffke haben das Wissen über die Kritik der politischen Ökonomie mit Bildung in einen Zusammenhang gebracht und so den Studierenden die Theorie an die Hand gegeben, um eine wirkmächtige Praxis zu ermöglichen. So haben Studierende beispielsweise in den 70er Jahren für die Errichtung von studentischen Tutorien gestreikt. Das notwendige Verständnis von politischer Ökonomie zum Begreifen von Gamms Texten erhielten die Studierenden zu dieser Zeit einerseits in den Gewerkschaften (haupt- sächlich in der IG Metall), andererseits in selbstorganisierten Lesezirkeln der verschiedenen Hochschulgruppen, die es im Unterschied zu heute verstanden, sich zu organisieren. Nur durch diese ökonomischen Grundkenntnisse konnten die Studierenden die Theorie auch in die Praxis umsetzen.

Worum geht es bei der materialistischen Pädagogik?

Gamm fordert für die Pädagogik „Parteilichkeit als Bildungsprinzip“, es geht vor allem darum, Partei zu ergreifen für die Arbeiterklasse, denn, so betont Konneffke: „Eine Gesellschaft, die von der Ausbeutung der Lohnarbeitskraft lebt, ist eine Gesellschaft, die die Freiheit, die sie auf der anderen Seite allen garantiert, blockiert. Angemessene Aufklärung heute wäre die über diesen Tatbestand.“

Wo ist diese Aufklärung in der Gewerkschaft heute?

Dass die bürgerliche Freiheit der Kapitalisten mit der Unfreiheit bzw. Unterdrückung der Arbeiter unmittelbar verbunden ist führt zu der Einsicht, dass Freiheit heute, unter kapitalistischen Produkti- onsverhältnissen nicht möglich ist. Die Befreiung der Menschheit von Lohnarbeit ist somit die Vor- aussetzung für Freiheit. Diese Unterdrückung ist möglich, weil die Produktionsmittel, Betriebe und Maschinen, immer noch in privater Hand sind. Die damit einhergehende vorherrschende Konkur- renz, sowohl unter den Kapitalisten, als auch unter den Arbeitern steht dem Gedanken der Solidari- tät unvereinbar gegenüber. Solidarität ist jedoch das, was die Arbeiterklasse und die Gewerkschaf- ten sich international auf die Fahne schreiben. Es ist an der Zeit, mit diesem Anspruch ernst zu machen!

Deshalb fordern wir als Junge GEW Darmstadt den DGB und alles Einzelgewerkschaften dazu auf, die kritisch materialistische Pädagogik in die Weiterbildungsangebote für Referenten und Teamer verpflichtend aufzunehmen.

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