GEW Hessen News Feed http://dev.vbox.intern de_DE GEW Hessen Sun, 12 Jul 2020 08:59:30 +0200 Sun, 12 Jul 2020 08:59:30 +0200 TYPO3 EXT:news news-365 Mon, 22 Jun 2020 11:54:18 +0200 Wir sind keine Versuchskaninchen https://www.gew-suedhessen.de/home/details/365-wir-sind-keine-versuchskaninchen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=44c727f8d471c8f8bc77a292791fb1fe Grundschullehrerinnen und -lehrer demonstrieren in Offenbach An der Kundgebung der Fachgruppe Grundschule der GEW Offenbach beteiligten sich am Mittwoch, 17. Juni 2020, rund 200 Kolleginnen und Kollegen. Mit vielen bunten Hasenohren machten sie deutlich, dass sie sich zu Versuchkaninchen herabgesetzt fühlen. 

Edeltraut Trinowitz eröffnete die Kundgebung: „Wir können die Entscheidung des Kultusministers und der Landesregierung  zum vollständigen Unterrichtsbetrieb überhaupt nicht nachvollziehen und sind darüber sehr aufgebracht." Sie machte deutlich, dass die Grundschullehrkräfte in Offenbach keine unkontrollierten Öffnungen der Grundschulen wollen! Birte Krenz brachte die Solidarität des Gesamtpersonalrats Offenbach zum Ausdruck. Auch sie forderte Lorz auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. 

Für die GEW Hessen verdeutlichte Maike Wiedwald, dass „Seife allein nicht genug ist und es jetzt darum geht die Schulgebäude in Offenbach - wie auch anderswo - zu sanieren und in einen vernünftigen hygienischen Zustand zu versetzen.“ Es gehe jetzt auch darum, dass es aufhöre, dass man am Freitag Aus der Presse  erfahre, was die Schulen am Montag umsetzen sollen. „Es muss endlich einen demokratischen Diskussions- und Entscheidungsprozess geben“, forderte Maike Wiedwald.

Sehr viel Applaus erhielt Maike Wiedwald für ihre Bemerkung, die Klassenobergrenze bei 15 Schülerinnen und Schülern zu belassen: "Das wäre eine gute Lehre, die man aus der momentanen Situation ziehen könne.“ Sie forderte den Kultusminster auf, die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen Wert zu schätzen und endlich sowohl die Pflichtstunden zu reduzieren wie auch die Ungleichbehandlung in der Besoldung zu beenden: A 13 für alle Grundschullehrkräfte. 

Dieser Forderung schloss sich Chris Degen, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, an. Er unterstützte die Forderungen der Kolleginnen und Kollegen und brachte seine Solidarität zum Ausdruck.

Insgesamt war dies eine sehr gelungene Aktion der Frachgruppe Grundschule der GEW Offenbach. Am Freitag wird es weitere Aktionen in Kassel und Frankfurt geben. 

]]>
Aktuell
news-364 Mon, 22 Jun 2020 11:45:46 +0200 Bericht in der Frankfurter Rundschau von der Kundgebung der Grundschullehrerinnen und -lehrer https://www.gew-suedhessen.de/home/details/364-bericht-in-der-frankfurter-rundschau-von-der-kundgebung-der-grundschullehrerinnen-und-lehrer/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=8a4c7dacfd1404aced62b1907e13b381 „Schulöffnung in Hessen für alle ist unverantwortlich“ Link zum Artikel in der Frankfurter Rundschau zur Kundgebung am 17.06.2020 in Offenbach

]]>
Aktuell
news-363 Mon, 22 Jun 2020 11:42:17 +0200 Bericht in der Offenbach Post von der Kundgebung der Grundschullehrerinnen und -lehrer https://www.gew-suedhessen.de/home/details/363-bericht-in-der-offenbach-post-von-der-kundgebung-der-grundschullehrerinnen-und-lehrer/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=b5b5e6b5110091aecbfc77f58142b143 Etwa 200 Lehrer, Eltern und Schüler protestieren gegen geplante Grundschulöffnung Link zum Artikel in der Offenbach Post zur Kundgebung am 17.06.2020 in Offenbach

]]>
Aktuell
news-362 Mon, 15 Jun 2020 09:38:44 +0200 Was haben die Lehrer*innen eigentlich geleistet? https://www.gew-suedhessen.de/home/details/362-was-haben-die-lehrer-innen-eigentlich-geleistet/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=4d4e88213673c40654e8fd2b55bada1d während der Corona-Krise Link zu Youtube: https://youtu.be/_fXLqM7CF1I 

 

]]>
Aktuell
news-361 Mon, 15 Jun 2020 09:23:09 +0200 Aufruf zur Kundgebung https://www.gew-suedhessen.de/home/details/361-aufruf-zur-kundgebung/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=2c51135a6b96050a7313933a2afdc26a der Grundschullehrerinnen der Fachgruppe Grundschule der GEW AUFRUF

zur Kundgebung der Grundschullehrerinnen der Fachgruppe Grundschule der GEW

Warum: Keine unkontrollierten Öffnungen der Grundschulen!

„Wir stehen als Versuchskaninchen nicht zur Verfügung!“

Wann: Am Mittwoch, den 17.6.2020 um 16.00 Uhr

Wo: am Rathaus Offenbach, Berliner Str.

Wir freuen uns euch am Mittwoch zahlreich begrüßen zu können, um unser Entsetzen über Pläne des Kultusministeriums eindrucksvoll öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Wir freuen uns auch über die Unterstützung von Kolleginnen und Kolle- gen der weiterführenden Schulen.

Fachgruppe Grundschule der GEW
Edeltraud Trinowitz Kirsten Schultheis Schauer Martina Billy

]]>
Aktuell
news-360 Mon, 15 Jun 2020 09:05:48 +0200 4. Rundschreiben https://www.gew-suedhessen.de/home/details/360-4-rundschreiben/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=7acb1ad9e6688bafcfd82e33d8b8f494 vom 14.06.2020 Liebe GEW-Kolleginnen und Kollegen im Bezirksverband Südhessen,

mit diesem Rundbrief schicken wir Euch unsere Stellungnahme zur Wiederaufnahme des Regelunterrichts an Grundschulen und den Grundstufen der Förderschulen für die Zeit vom 22. Juni bis 3. Juli:

Herr Kultusminister, nehmen Sie Abstand von dieser Maßnahme!

In den Eckpunkten des Konjunkturpakets, das der Koalitionsausschuss der Bundesregierung am 3. Juni 2020 veröffentlicht hat, steht unter Nr. 53 "Die Corona-Pandemie endet, wenn ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung steht.“ Das bedeutet, dass Maßnahmen gegen die Pandemie aus Sicht der Bundesregierung noch lange weiter andauern werden. Was Kinder betrifft, gibt die Charité, von der sich unsere Regierung beraten lässt, keine Entwarnung:  In seiner Studie "An analysis of SARS-CoV-2 viral load by patient age" kommt Prof. Drosten zu dem Schluss, dass Kinder nicht weniger ansteckend sein könnten als Erwachsene.

Andere Studien kommen zum gegenteiligen Ergebnis. Der Spiegel berichtet von einer Studie aus den Niederlanden, die feststellt: "Nur bei elf der mehr als 700 identifizierten Fälle wurde das Virus von einem Kind oder jungen Erwachsenen (die Skala reichte bis zum Alter von 19 Jahren) weitergegeben. Fünf der elf Personen ... waren mindestens 17 Jahre alt." Mit einer Studie aus Baden-Württemberg, die ebenfalls zu entwarnenden Ergebnissen kommt, begründet der Kultusminister die von ihm im Alleingang verordnete Schulöffnung.

Als medizinische Laien wollen wir uns nicht anmaßen zu entscheiden, welche Studien eher valide sind. Als Pädagog*innen wissen wir jedoch, dass widersprüchliche Ergebnisse verunsichern, ganz besonders, wenn starke Gefühle von Bedrohung im Spiel sind.

Nach monatelangen eindringlichen Warnungen, verstörenden, Angst auslösenden Bildern und bisher ungekannten dramatischen Maßnahmen ist ein plötzliches Umschwenken nicht gut zu vermitteln.  Als Personalräte wissen wir um die Bedeutung von Mitbestimmung. Wenn ohne jede Mitwirkung der Betroffenen ein neuer Kurs von oben verordnet wird, ist dies mit Vertrauensverlust verbunden. Partizipation ist nicht nur aus ethischen Gründen zu befürworten, sie führt auch zu
gemeinsamen Ergebnissen und mehr Akzeptanz. Prof. Lorz hat hier auf ganzer Linie versagt.

Mit diesem Rundbrief wollen wir auf Protestschreiben und Aktionen der GEW aufmerksam machen.  Wir wehren uns gegen falsche und verantwortungslose Entscheidungen - wir sind weder Spielball, noch Versuchsobjekt. Partizipation tut Not!

Die GEW Südhessen unterstreicht die Forderung der GEW Hessen, die die Rückkehr zum Regelbetrieb ablehnt, und schließt sich den Ausführungen der Vorsitzenden in ihrem Rundbrief an die Grundschullehrkräfte an, die feststellen:  "Noch am 7. Mai 2020 gab es den Erlass des Kultusministeriums, der ankündigte, die getroffenen Regelungen sollten bis zu den Sommerferien gelten! Und jetzt soll von einem Tag auf den anderen alles wieder anders sein?  Für uns sieht Verlässlichkeit anders aus! ... Für einen demokratischen Planungsprozess, an dem alle beteiligt werden – also Politik und Interessensvertretungen der Eltern, der Schülerinnen und Schüler, Gewerkschaften und selbstverständlich Virologinnen und Virologen setzen wir uns als GEW Hessen ein. Es muss endlich aufhören, dass alle die Infos des  Kultusministers zuerst aus der Presse erfahren."

Mehr als richtig ist, was in der in der Presseerklärung der GEW Groß-Gerau und der Fachgruppe Grundschule vom 10.6.2020 zu lesen ist: "Die GEW erinnert daran, dass die ersten, zweiten und dritten Klassen gerade einmal seit dem 2. Juni überhaupt wieder in der Schule sind und somit erst seit einigen Tagen an die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln herangeführt werden. Das verlangt von den Lehrkräften großes Einfühlungsvermögen und Hartnäckigkeit. Und jetzt sollen sie von einem Tag auf den anderen in der Schule, in Gruppen von bis zu 25 Kindern, die bis zu 5 Stunden in engen, schlecht lüftbaren Räumen sitzen, nicht mehr gelten? ...  'In den Wind geschossen' sei auch der enorme Arbeitsaufwand der Schulleitungen und Kollegien, um mit Unterstützung der Schulträger die Räume für kleinere Gruppen herzurichten, Stundenpläne, Aufsichtspläne und Raumpläne nach immer wieder neuen Vorgaben herzurichten, die Eltern zu informieren und um ihr Verständnis für die pandemiebedingten Einschränkungen zu werben. ...
Das Vertrauen in den hessischen Kultusminister und seine Verlässlichkeit sei einmal mehr massiv 'zutiefst erschüttert', denn er habe in dem Erlass vom 7. Mai zur Öffnung der Grundschulen ausdrücklich geschrieben, dass alle Regelungen einschließlich der Vorgaben zu Gruppengrößen und Abstandsregeln 'zunächst bis zu den Sommerferien Bestand haben'. Auch seine Zusage, zukünftig die Eltern und die Lehrkräfte rechtzeitig zu informieren und einzubeziehen, sei einmal mehr 'keinen Fetzen Papier wert' “.

Mit Bildung hat das Ganze nichts zu tun. Kein Grundschulkind ist nach den 10 Tagen Schule schlauer als vorher. Nach den Sommerferien werden die Lerninhalte vergessen sein. Was alleine bleiben wird, ist der Eindruck der Beliebigkeit. Mal Abstand, mal nicht; mal gefährlich, mal vertretbar; mal Schulpflicht, mal nicht ...

Bleiben wird das Wissen, dass sich der Kultusminister kopflos in ein neues Wagnis gestürzt hat, um dem Betreuungsanspruch von Eltern zu entsprechen. Dass dieser nicht einheitlich ist, sieht mensch an der Aussetzung der Schulpflicht für Kinder von Eltern, die ihre Kinder noch nicht in die Schule schicken wollen. Selbst der Herr Minister wollte diese Eltern nicht auf den Plan rufen.

Mit den Lehrer*innen hingegen nimmt er es gern auf. Das sind Staatsdiener, die sich Anweisungen fügen müssen. Was für ein Verständnis des gemeinsamen Miteinanders in Schule und Bildung.

Bessere Lösung hätte es sicherlich gegeben. Wer aber entscheidet, ohne mit den Akteuren im Gespräch zu sein, entscheidet falsch. Sie, Herr Minister, haben falsch entschieden!

Einen Tipp noch am Rande: Veröffentlichen Sie, werter Herr Kultusminister, Ihre Erlasse und Verordnung doch ausschließlich als Online-Dokument just-in-time. Dieses Format erlaubt die täglichen Änderungen Ihrer behördlichen Anweisung ohne die Verschwendung von Papier. Das rein digitale Format entspricht der Haltbarkeit der Überlegungen des HKM deutlich besser.

Was tun?
Die GEW Südhessen unterstützt alle Kolleg*innen in ihrem Protest. Diskutieren Sie, schreiben Sie, machen Sie ihre Bedenken über die Personalräte der Schulen öffentlich, remonstrieren Sie, setzen Sie in der Schule nur um, was verantwortbar ist. Lassen Sie uns, den Staatlichen Schulämtern und der GEW ihre Schreiben zukommen!

Örtliche Personalräte weisen wir auf das Mitbestimmungsrecht des § 74 Absatz 1 Nr. 6 HPVG hin (Mitbestimmung bei „Maßnahmen zur Verhütung von … sonstigen Gesundheitsschädigungen“). Fordern Sie bei der Umsetzung beteiligt zu werden, um im Interesse der Kolleg*innen Gesundheitsgefährdungen soweit als möglich zu minimieren und Unverantwortliches zu verhindern.
 
Der Vorsitz der GEW Südhessen unterstützt die Kundgebung der GEW-Kolleg*innen in Offenbach
 
Die Fachgruppe Grundschule der Offenbacher GEW-Kreisverbände ruft am 17.6. um 16:00 vor dem Offenbacher Rathaus, Berliner Str. 100, zu einer Kundgebung unter dem Motto: "Keine unkontrollierten Öffnungen der Grundschulen! Wir stehen als Versuchskaninchen nicht zur Verfügung!" auf. Im Aufruf heißt es: "Wir freuen uns euch am Mittwoch zahlreich begrüßen zu können, um unser Entsetzen über Pläne des Kultusministeriums eindrucksvoll öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Wir freuen uns auch über die Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen der weiterführenden Schulen. - Fachgruppe Grundschule der GEW, Edeltraud Trinowitz, Kirsten Schultheis Schauer, Martina Billy"
Wir unterstützen diesen Aufruf!

Herzliche Grüße und alles Gute!
Christine Dietz, Michael Köditz, Dr. Manon Tuckfeld
Vorsitzendenteam des Bezirksverbands der GEW Südhessen

]]>
Aktuell
news-359 Fri, 05 Jun 2020 09:40:59 +0200 Ein System kollabiert https://www.gew-suedhessen.de/home/details/359-ein-system-kollabiert/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=fa812114ad47afa445447d69f0be5cdf Gastbeitrag der Bezirksvorsitzenden Für den Newsletter der bildungspolitischen Sprecherin der LINKE-Fraktion im Landtag vom 25.05.2020 hat Manon Tuckfeld folgenden Gastbeitrag geschrieben:

Als die Lehrer*innenkollegen zum 01.02.2020 die Zeugnisse ihren Schüler*innen übergaben, war Schule schon ein Volllastbetrieb, der im Hinblick auf kleinste Störungen zu versagen drohte. Schon damals (es scheint Jahre her) fehlten an den Grund-und Förderschulen Lehrkräfte. Schon damals wurden Teilzeit- und Sabbatjahranträge mit dem Hinweis auf allgemeinen Lehrer*innenmangel abgelehnt. Schon damals war Inklusion in der Praxis ein Sparmodell, das über hochtrabende Begriffe und Strukturen die Verwaltung des Mangels kaschierte. Schon damals wurden allenthalben Menschen gesucht, die bereit und willens waren, Schulleitungsaufgaben zu übernehmen. 

Die Not führte zu mancherlei Stilblüte: TV-Hler*innen als Klassenlehr*innen; Abwesenheitsvertreter*innen, die die Schulorganisation schmissen u.v.a.m.. An Lösungen, die Geld kosten würden, waren die politisch Verantwortlichen nicht interessiert. Das A 13-Spiel der schwarz-plus-X-Landesregierungen war, sich gegenseitig zu vergewissern, nicht einzuknicken und den Grundschulkolleg*innen auf keinen Fall den gleichen Lohn wie ihren Kolleg*innen am Gymnasium zu zahlen. 

Am 03.02.2020 sah Gesundheitsminister Spahn Deutschland für eine mögliche Epidemie gut gerüstet - allerdings sei man angesichts von zehn Corona-Infizierten "noch lange nicht" auf dieser Stufe angelangt(https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-germersheim-111.html). 
Danach ging es Schlag auf Schlag. Die Schulen schlossen und eine verstörende Routine griff Raum. Lehrer*innen wurden in Geisterschulen erwartet. Dies bis selbst der Letzte merkte, dass das der Pandemie nicht entgegenwirkte. Homeschooling, eine bis dahin wenig verbreitete Methode, ging viral. Schüler*innen, denen im Rahmen der Medienerziehung noch kurz zuvor der kritische Umgang mit dem World Wide Web, der informationellen Selbstbestimmung, dem Recht am eigenen Bild, dem Umstand, dass das Netz nichts vergisst, und demjenigen, dass Daten die neue Währung sind, nahe gebracht worden war fanden sich vor der Datenkrake ‚Zoom‘ im digitalen Unterricht. 

Die Zeiten des ersten Schocks sich vorbei. Jetzt regiert die Kultusbürokratie mit Erlassen und Verordnungen. Die Politik schiebt Artikelgesetzte hinterher. Personalratswahlen wurden verschoben, der 1. Mai abgesagt. Das System Schule wird angeleint. Diskussionen? Fehlanzeige! Mitbestimmung - von Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen? Nur für Schön-Wetter-Zeiten, oder eben auch nicht. Diagnose: ein System, das mit autoritärer Mangelverwaltung versucht, nicht vollends aus den Fugen zu geraten.

Schulstart / Klassenteilung / Risikogruppe / Homeschooling / Präsenzunterricht / Prüfungen / Versetzungen / Zeugniskonferenzen / Abstandsregeln / Hygiene / abgehängte Schüler*innengruppen / nachholende Digitalisierung / fehlende Lehrer*innenarbeitsplätze / Zwangsabordnungen ….

Zumutungen für ein System, das schon vor Corona Volllast fuhr. Und jetzt? Lehrer*innen hetzen zwischen geteilten Lerngruppen hin und her und betreiben neben dem digitalen auch analoges Homeschooling im Präsenzbetrieb: Aufgabenverteilung, kurze Anleitung, nächste Lerngruppe. Schüler*innen, die maximal mit 50% ihrer Stundentafel versorgt werden können, weil die Lehrgruppe der Vor-Coronazeit aus 23 und x Schüler*innen bestanden. Der Rest der x - 50%? Unterrichtsbegleitendes oder -ersetzendes häusliches Lernen, angeleitet durch die Lehrer*innenschaft der Risikogruppe. Nur noch eine Frage für Mathematiker und Logistiker. Pädagogik ausgewandert?!

Und alle bezahlen die Rechnung: Schüler*innen werden in ihren Lernprozessen nicht ausreichend unterstützt. Noch mehr Bildungsverlierer. Eltern werden als überforderte Hilfslehrer*innen zwangsrekrutiert. Lehrer*innen arbeiten über die physische und psychische Belastungsgrenze im Präsenzunterricht und im Homeschooling (natürlich ohne Arbeitsplatz und ohne vom „Dienstherrn“ gestellte Infrastruktur, etwa Dienstrechner). 

Und zum Schluss, und damit der unübersehbare Mangel einer scheinbaren Lösung zugeführt wird, sollen Gymnasiallehrer*innen im Turboverfahren eingestellt und an die Grundschulen durchgereicht werden. Da sollen sich dann Kolleg*innen mit unterschiedlicher Vergütung vereint gegen das Schuldesaster stemmen. Dass das hilft kann aus gutem Grund bezweifelt werden.

Corona ist, da sind sich die Virolog*innen einig, besonders gefährlich, wo es auf Vorerkrankungen trifft. Das gilt auch für das massiv und mehrfach vorerkrankte Schulsystem. Hochrisikogruppe, sozusagen.

]]>
Aktuell
news-358 Thu, 04 Jun 2020 16:47:57 +0200 Mitgliederbefragung zur Digitalisierung https://www.gew-suedhessen.de/home/details/358-mitgliederbefragung-zur-digitalisierung/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e1253fa34b1bd09e3db2901215ab5131 GEW setzt Akzente zur Digitalisierung in Schulen aus Lehrer*innensicht In der gestern präsentierten Mitgliederbefragung beschäftigt sich die GEW mit diversen Aspekten der Digigatlisierung in Schulen.

Die Befragung hat ein breites Medienecho nach sich gezogen:

Beiträge in der Tagesschau:
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-710427.html
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-710627.html

GEW bemängelt unzureichende Digitalisierung an Schulen (Hessenschau)
https://www.hessenschau.de/tv-sendung/gew-bemaengelt-unzureichende-digitalisierung-an-schulen,video-123806.html

Öffentlicher Dienst am Privat-PC (SZ)
https://www.sueddeutsche.de/bildung/lehrer-laptop-homeschooling-gew-1.4925894

Expertin zu Digitalisierung an Schulen: „Wie Staatsbesitz behandelt“ (taz)
https://taz.de/Expertin-zu-Digitalisierung-an-Schulen/!5686324/

Deutschlands Lehrer würden gerne, können aber nicht (FR)
https://www.fr.de/wissen/deutschlands-lehrer-wuerden-gerne-koennen-aber-nicht-13786115.html

Lehrer sind unzufrieden mit digitalem Unterricht. Beim digitalen Unterricht stoßen Lehrer in Deutschland auf große Hürden: Laut einer Umfrage mangelt es an nötigen Dienstgeräten - auch bei Fortbildungen sieht es schlecht aus. (Spiegel)
https://www.spiegel.de/panorama/bildung/gew-umfrage-lehrer-sind-unzufrieden-mit-dem-digitalen-unterricht-a-b93da271-4e96-409d-b804-3d5db49e75d7

Mehrheit der Lehrer nutzt private Geräte für digitalen Unterricht (DIE ZEIT)
https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2020-06/digitalisierung-schulen-mangelhafte-ausstattung-bildungsgewerkschaft-private-geraete

Digitalisierung an Schulen: Lehrer wollen besser fortgebildet werden (Redaktionsnetzwerk Deutschland)
https://www.rnd.de/politik/digitalisierung-an-schulen-lehrer-wollen-bessere-fortbildung-HVSHII5V5BDX5BTKPBDYPCYAFU.html

Digitalisierung: Lehrer, lasst euch von den Schülern fortbilden! (Redaktionsnetzwerk Deutschland)
https://www.rnd.de/politik/digitalisierung-an-schulen-lehrer-lasst-euch-von-den-schulern-fortbilden-YZYM4NYGIFE7RMT4IAHG7ERJ6Q.html

Digitalisierung der Schulen: Bildungsgewerkschaft macht Druck (dpa; unter anderem im Handelsblatt)
https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/digitalisierung-schulen-bildungsgewerkschaft-macht-druck-080234904.html

Lehrer nutzen für die Schule oft eigene Geräte (AFP)
https://de.nachrichten.yahoo.com/lehrer-nutzen-f%C3%BCr-schule-oft-eigene-ger%C3%A4te-100355116.html

Digitalpakt - Bildungsgewerkschaft GEW fordert 22 statt 5 Milliarden an Mitteln (Deutschlandfunk)
https://www.deutschlandfunk.de/digitalpakt-bildungsgewerkschaft-gew-fordert-22-statt-5.680.de.html?dram:article_id=477929

Bildung und Digitales (Interview mit Ansgar Klinger auf SWR1 Rheinland-Pfalz)
Noch nicht online

Viel Luft nach oben. Digitaler Unterricht ist gefragter denn je. Aber die Mittel dazu seien unzureichend, mahnt die Lehrergewerkschaft GEW und untermauert ihre Kritik mit einer Studie. (Die Rheinpfalz)
https://www.rheinpfalz.de/politik_artikel,-viel-luft-nach-oben-_arid,5071796.htm

]]>
Aktuell
news-357 Wed, 03 Jun 2020 17:21:22 +0200 Rundbrief zur Kita-Öffnung https://www.gew-suedhessen.de/home/details/357-rundbrief-zur-kita-oeffnung/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=0932659ecf979bce21a9dd147671dcbd Bezirksverband Südhessen Rundschreiben Nr. 3 vom 02.06.2020 Liebe GEW-Kolleginnen und Kollegen im Bezirksverband Südhessen,

am 2.6. machen in Hessen mit Einschränkungen die Kitas wieder auf. 
Auf einer Seite des Hessisches Ministerium für Soziales und Integration heißt es: „Bei den Kitas wird ab dem 2. Juni wieder überall eine eingeschränkte Regelbetreuung möglich sein. Die vom Corona-Kabinett entsprechend verabschiedete Verordnung beruht auf einem gemeinsamen Konzept der Hessischen Landesregierung mit den Spitzen des Hessischen Landkreistags, des Hessischen Städtetags und des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Der Regelbetrieb soll demnach nur eingeschränkt unter den Maßgaben des Infektionsschutzgesetzes aufgenommen werden.“

Die GEW Hessen hat unmittelbar vor Veröffentlichung der Hygienempfehlungen eine Pressemitteilung unter dem Titel „Öffnung der Kitas nur mit klaren Maßgaben!“herausgegeben.
 
Das Konzept der Landesregierung lässt jedoch viele Fragen offen. Insbesondere die Hygieneempfehlungen zum Schutz von Kindern und Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen sowie von Kindertagespflegepersonen in Hessen während der SARS-CoV-2-Pandemie erscheinen Praktikern am grünen Tisch entstanden und teilweise unklar bzw. nicht gut umsetzbar.

Die Linken sprechen von „Kai Kloses Arbeitsverweigerung auf Kosten der Eltern und Kita-Kinder“. Christiane Böhm, familien- und kinderpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag, sagt dazu: „Wer als Minister alle Verantwortung von sich schiebt, verweigert schlicht seine politische Arbeit. Das Land lässt Träger, Beschäftigte, vor allem aber die Eltern und Kita-Kinder, ohne wirkliche Perspektive im Regen stehen.“

Die GEW (Bund) hat am 29. Mai 2020 ein Gutachten von Prof. Dr. Wolfhard Kohtemit dem Titel „Besonders dringliche Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Prozess der Öffnung der Kindertagesstätten und an Einrichtungen der Jugendhilfe“ veröffentlicht. In dem Gutachten wird ausdrücklich auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers für den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeitenden hingewiesen.

Till Günther, der in einer Kindertagesstätte im Landkreis Offenbach arbeitet und Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Bezirksverbands Südhessen ist, hat uns seine Überlegungen als Praktiker zur Verfügung gestellt. Diese sind auch für Lehrkräfte an Schulen interessant - können sie doch einige Parallelen entdecken.

Verordnungen, die über die Köpfe der Menschen, die mit ihnen arbeiten müssen, erstellt werden, taugen oft wenig. Es wird Zeit, Mitbestimmung und Mitwirkung wieder in vollem Umfang zu gewährleisten.

Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute!

Christine Dietz, Michael Köditz, Dr. Manon Tuckfeld
Vorsitzendenteam des Bezirksverbands der GEW Südhessen
                                                                                                                                       


Stellungnahme zur Kitaöffnung

von Till Günther, Mitarbeiter einer Kindertagesstätte im Landkreis Offenbach, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des GEW-Bezirksverbands Südhessen

Zur Bedeutung von Kinderbetreuung in unserer Gesellschaft weisen Elternverbände in den letzten Wochen zu Recht immer wieder darauf hin, in welch großem Maße Familien durch die Schließung der Kindertagesstätten und Schulen belastet werden.
In vielen Doppelerwerbstätigenhaushalten und bei berufstätigen Alleinerziehenden war es fester Bestandteil des Alltags, dass die Betreuung von Kindern tagsüber von externen Einrichtungen übernommen wurde. Das ermöglichte insbesondere Müttern am (bezahlten) Wirtschaftsleben teilzunehmen, und ich halte das für einen wichtigen Beitrag zur Überwindung überkommener Geschlechterrollen. Darüber hinaus sind die Familien auf ihre Gehälter angewiesen: Kein Erziehungsberechtigter kann einfach auf Teile seines oder ihres Einkommens verzichten, ohne deutliche Abstriche an der persönlichen Lebensführung zu machen. Und aufgrund des Fachkräftemangels kann auch die Wirtschaft nicht auf die Arbeitskraft der Eltern verzichten. Als Pädagoge sehe ich meine Rolle nicht in erster Linie als Betreuer von Kindern, um bestimmte wirtschaftliche Verhältnisse zu ermöglichen.
Erzieher*innen haben einen Bildungsauftrag, und wir verstehen uns als familienergänzendes Angebot, dass Kindern die bestmöglichen Entwicklungschancen bieten soll. Dafür benötigen aber auch die Familien die notwendigen Ressourcen. Wenn Familien unter finanziellen Druck geraten, wird sich das nicht positiv auf die Kinder auswirken. Ich weiß, es mag utopisch klingen, aber vielleicht wäre die Corona-Krise eine Möglichkeit, endlich die sozialen Schieflagen unserer Gesellschaft anzugehen, angefangen bei besserer Bezahlung „systemrelevanter“ Berufe, bessere Förderung prekarisierter Gesellschaftsgruppen, bis hin zur effektiven Absenkung der Wohnkosten, insbesondere im städtischen Raum.

Angesichts der Corona Pandemie wird unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Wir haben die Aufgabe, die Ausbreitung des Virus zu stoppen um Leben zu schützen und sollen gleichzeitig einen sinnvollen Alltag bestreiten.  Hierbei kommt es zu Widersprüchen. Beim Thema Kinderbetreuung wird das besonders deutlich. Es scheint manchmal beinahe, dass Bildung und Pädagogik gegen Gesundheitsschutz stehen und umgekehrt. Um keine falschen Erwartungen zu wecken: Diese Stellungnahme wird diesen Widerspruch nicht auflösen. Sie will sich aber mit den Arbeitsbedingungen und Einschränkungen sinnvoller Pädagogik beschäftigen, die sich aus dem Vorgaben der Hygieneempfehlungen der hessischen Landesregierung (26.05.2020) und den Umsetzungen der Träger ergeben.

Eingeschränkte Pädagogik
Es ist in der Pädagogik unbestritten, dass Transitionen (= Übergänge) Kinder vor besondere Herausforderungen stellen. Der Übergang von einer Spielsituation in eine andere gehören ebenso dazu, wie der Übergang von Kita zu Grundschule. Täglich muss es ein Kind in der Kita leisten, sich von seinen Eltern zu trennen und sich auf die Gegebenheiten in der Einrichtung einzulassen. Es ist gute und bewährte Praxis, diesen Übergang den Kindern zu erleichtern, indem man die Bezugspersonen dabei hinzuzieht. Eltern in der Einrichtung helfen den Kindern, sich dort wohlzufühlen. Das gilt für die Eingewöhnung besonders, aber auch in der gesamten Kindergartenzeit. Zudem haben Eltern in Abhol- und Bringsituationen wenigstens kurze Einblicke in den Alltag Ihrer Kinder, und zumindest kurze Gesprächsgelegenheiten mit den Erzieher*innen. Die jetzt geltenden Empfehlungen der Landesregierung und die Umsetzung dieser in den geltenden Hygieneplänen der Träger in Kreis und Stadt Offenbach schränken diese pädagogische Maßnahme stark ein. Eltern sollten nach Möglichkeit das Kitagelände gar nicht mehr betreten.

Der hessische Bildungs- und Erziehungsplan fordert, dass Kindern Teilhabe an Entscheidungen gewährt wird. Dies bedeutet etwa, dass sie - unter den Rahmenbedingungen der jeweiligen Einrichtung - entscheiden können, wann sie was mit wem spielen, essen oder schlafen. Selbst diese kleinen Entscheidungen werden nun eingeschränkt oder verunmöglicht. Durch die strenge Trennung in Kleingruppen können Freunde sich nicht mehr in der Kita treffen, können Kinder nicht mehr frei wählen, welchem Erwachsenen sie sich anvertrauen und auch nur sehr eingeschränkt selbst bestimmen, wann sie ihren Hunger stillen. Die Kleingruppen sollen sich auch im Außengelände nicht mehr begegnen und Leitungen wurden darauf hingewiesen, dass sie bei Zuwiderhandlung regresspflichtig gemacht werden können. Wir stehen daher vor der Wahl, unser Außengelände in Zonen zu unterteilen (was dazu führt, dass Kindern nur bestimmte Spielangebote zur Verfügung stehen) oder das Außengelände nur in bestimmten Zeitspannen zu nutzen (was dazu führt, dass Kinder ihre Bedürfnisse an bestimmte Uhrzeiten anpassen müssen. Nicht davon zu reden, wie pädagogisches Arbeiten wird, wenn die Temperaturen steigen und manche unserer Räume eine Raumtemperatur von um die 35 Grad erreichen).

Die jetzt ausgearbeiteten Hygienemaßnahmen greifen tief in die Konzeptionen von Einrichtungen ein. Viele arbeiten offen oder teiloffen und haben sich (sinnvollerweise) dafür entschieden, nicht jeden Bereich kindlichen Spiels und Entwicklung in jedem Gruppenraum vorzuhalten. Mit den starren Kleingruppen müssen diese Schritte wieder zurückgedreht werden. Damit einher geht eine Verminderung der kindlichen Autonomie.

Das Hygienekonzept schlägt wegen der Übertragung durch Aerosole vor, Singen und sprachliche Begleitung im Alltag „zu überdenken“. Bei beiden handelt es sich u.a. um wichtige und erprobte Methoden der Sprachförderung.

Arbeitsbedingungen
Allgemein wird die Arbeitszufriedenheit sinken, wenn das, was uns pädagogisch geboten scheint, wegen äußerer Vorgaben verboten ist. Daneben will ich noch einige weitere Punkte problematisieren.

Die von den Trägern ausgearbeiteten Richtlinien zur Eindämmung der Epidemie legen ihren Schwerpunkt neben strikter Trennung zwischen den Kleingruppen auf umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen. Kontaktoberflächen, Toiletten, Kuscheltiere, Decken, etc. sollen regelmäßig (teilweise stündlich) desinfiziert werden. Bei der Essensausgabe werden die Mitarbeiter dazu verpflichtet einen Mundschutz und Handschuhe zu tragen (was während der restlichen Arbeitszeit keine Pflicht ist). Insgesamt bedeutet das eine Verschiebung weg von genuin pädagogischen Aufgaben hin zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Diese Maßnahmen können sicherlich einen Beitrag zur Eindämmung von Infektionen leisten. Sie sprechen meines Erachtens aber vor allem eine Sprache: Keiner soll den Trägern nachsagen können, sie hätten nicht alles technisch Mögliche unternommen, um Infektionen zu vermeiden. Dabei setzen sie auch auf Maßnahmen, die möglicherweise keine große Wirkung in dieser Pandemie haben, wie das Vermeiden von Schmierinfektionen.

Erzieher*innen haben keine Ausbildung in Krankenhaushygiene und auch im Umgang mit Lebensmitteln liegt wahrlich kein Schwerpunkt unserer Profession. Es fehlt uns in aller Regel jede Routine beim Arbeiten in Einwegkitteln, Handschuhen und Gesichtsmasken. Wie wir maskiert die mimische Kommunikation mit Kindern aufrechterhalten können, wissen wir nicht. Wir sollen alltäglichen Situationen mit einer positiven Grundhaltung entgegentreten. Es wird einige Schulung und Anleitung brauchen, bis uns das mit den vorgeschriebenen Maßnahmen gelingen wird.

Ein weiterer Aspekt ist der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter*innen in Kitas. Die Empfehlungen zur Hygiene erkennen an, dass sich die Mindestabstände nicht nur zwischen Kindern, sondern auch zwischen Kindern und Erwachsenen nicht werden einhalten lassen. Körperkontakt „sollte, soweit vermittelbar, vermieden werden.“ Aus eigener Perspektive wird das umso schwieriger, je jünger die Kinder sind. Aber auch bei aller Vorsicht wird es sich nicht vermeiden lassen, dass infizierte Kinder Personal in den Kitas anstecken werden. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Ausblick
Abschließend nochmal der Hinweis: Ich spreche mich nicht gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie aus. Wir hatten drastische Einschränkungen unseres Lebens. Und vermutlich waren einige übertrieben. Ich hoffe sogar, dass es so war, denn nur dann können wir sie schrittweise aufheben. Und ich will den politisch Verantwortlichen und den Verwaltungen keinen Vorwurf machen – alle müssen derzeit handeln, in Unkenntnis der tatsächlichen Auswirkungen dieses Handelns.

Aber ich möchte einen dringenden Appell an alle richten: Bei der Begleitung von Kindern in Kitas und Schule geht es nicht zuerst um die Beiträge der Eltern zum Bruttosozialprodukt. Es gilt die Rechte der Kinder auf angemessene Entwicklung einzufordern und zu verteidigen. Den Kitas kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Und wir brauchen dabei alle Unterstützung, nicht nur Reglementierungen, und schon gar keine Androhung von zivil- und strafrechtlichen Folgen von pädagogischen Entscheidungen.

Geöffnete Kitas bedeuten zusätzliche Infektionsherde, dass muss allen klar sein. Ich will mich nicht darum streiten, aber die Gesellschaft muss vielleicht eine Entscheidung treffen, welche Gefahrenherde sie bereit ist, in Kauf zu nehmen. Offene Restaurants, Fitnessstudios, Kirchen oder offene Schulen und Kitas. Vielleicht wird es möglich sein, alle diese Einrichtungen offen zu haben, aber ich denke, Schulen und Kitas können ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag nicht auf Dauer unter den gegebenen Bedingungen nachkommen. Und bei allem, was wir wissen, wird sich die Situation noch bis Sommer 2021 nicht wesentlich verändert haben. Unter diesem Gesichtspunkt erwarte ich auch von den politisch Verantwortlichen, besser vorbereitet zu sein und bis spätestens nach den Sommerferien tragfähige Konzepte die pädagogische Arbeit unter den Bedingungen einer Epidemie unter Einbeziehung der Beschäftigten und ihrer Vertretungen zu erstellen und transparent zu kommunizieren.

Abschließend noch eine unumgängliche Forderung: Erzieher*innen, Lehrer*innen, Krankenhauspersonal, Polizist*innen, Einzelhändler*innen, eine große Anzahl von Menschen stehen in der vordersten Linie des Infektionsgeschehens. Wir machen Arbeit, die unabdingbar gemacht werden muss, und stehen jeden Tag mit vielen Menschen in direktem Kontakt. Was uns am besten schützt: Wenn es möglichst wenig Infizierte in unserer Gesellschaft gibt, minimieren sich die Chancen, dass wir uns anstecken. Es ist ein Gebot der Solidarität, dass die Gesellschaft, die uns für unverzichtbar hält, alles dafür tut, dass wir nicht bei und wegen unserer Arbeit erkranken!

]]>
Aktuell
news-356 Fri, 29 May 2020 10:44:32 +0200 Nicht mit Uns! Für eine gemeinsame und solidarische Lösung der Krise https://www.gew-suedhessen.de/home/details/356-nicht-mit-uns-fuer-eine-gemeinsame-und-solidarische-loesung-der-krise/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=a6885c01f0020c14fdd011ca06374293 Kundgebung am 30. Mai 2020, 15 Uhr, Karolinenplatz, Darmstadt Die Corona-Pandemie wirkt sich wie ein Brennglas auf unsere gesellschaftlichen Verhältnisse und Erwerbsbedingungen aus.

Grenzenlose Solidarität

Wir stehen an der Seite all derer, die von den gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Folgen der Pandemie betroffen sind. Wir stehen auch an der Seite derer, die bereits vor der Pandemie mit den Zumutungen von kapitalistischer Ausbeutung und neoliberalem Profitstreben zu kämpfen hatten. Wir stehen auch den Ärmsten und Schwächsten zur Seite, die auf unmenschliche Weise vor den Toren Europas in Lagern ohne ausreichenden Schutz ausharren müssen.

Gemeinwohlorientiert

Der neoliberale Kapitalismus war bereits vor Corona in der Krise. Wir wollen dieser Krise gemeinsam und solidarisch entgegenwirken. Dies ist ohne einen sozial- ökologischen Umbau der Gesellschaft nicht möglich. Die Wirtschaft muss sich an der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und an planetaren Grenzen orientieren, nicht an Profitinteressen weniger.

International und weltoffen

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Wir demonstrieren niemals zusammen mit Neo-Nazis, Nationalist*innen, Antisemit*innen oder anderen menschenfeindlichen Ideolog*innen, Verschwörungsideolog*innen, Corona- Leugner*innen, Impfgegner*innen, braune Esoteriker*innen, religiöse Fundamentalist*innen und geben ihnen keine Bühne und ziehen hier eine klare rote Linie.

Unsere Antwort auf die Krise

  • Solidarisch - Hilfspakete für Menschen - nicht für Banken und (Groß-) Konzerne.

  • Grenzenlos - Corona macht vor Grenzen nicht halt. Unsere Solidarität auch nicht.

  • Ökologisch - Kein come-back für Dreck. Für eine sozial-ökologische Gesellschaft.

Die aktuelle Krisenbewältigung der Pandemie zeigt, dass der Fokus erneut auf stetiges Wirtschaftswachstum, statt das Wohlergehen aller gelegt wird.

Aber wir sagen klar und laut: Nicht mit Uns!

Hinweise zur Kundgebung
Corona ist keine Frage des Glaubens, sondern eine bittere Realität. Wer sich bewusst über wesentliche Infektionsschutzmaßnahmen hinwegsetzt, handelt unverantwortlich und unsolidarisch. Achtet daher auf Abstand, tragt Atemschutz und nehmt Rücksicht aufeinander.

Aufrufende Organisationen:

Bündnis gegen Rechts, Darmstadt
Bunt ohne Braun im Landkreis Darmstadt-Dieburg Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt e.V. Attac Darmstadt
ver.di Südhessen
Vielfalt: Jetzt
DIE LINKE. Darmstadt und Darmstadt-Dieburg Interventionistische Linke Darmstadt Feministischer Streik Darmstadt
Fridays For Future Darmstadt Stadtschüler*inenrat Darmstadt

]]>
Aktuell