GEW Hessen News Feed http://dev.vbox.intern de_DE GEW Hessen Sun, 28 Feb 2021 17:17:52 +0100 Sun, 28 Feb 2021 17:17:52 +0100 TYPO3 EXT:news news-406 Sun, 28 Feb 2021 15:41:39 +0100 Veranstaltung des Südhessischen Bündnis gegen Altersarmut von Frauen https://www.gew-suedhessen.de/home/details/406-veranstaltung-des-suedhessischen-buendnis-gegen-altersarmut-von-frauen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=336e1fe249ebcd24820cddc69e1170b5 zum Equal Pay Day Die Entgeltlücke, auch Gender-Pay-Gap genannt, beträgt in Deutschland 21%. Die Diskussion darum ist kontrovers. So ist ein häufig genanntes Argument, dass die Entgeltungleichheit nur in der freien Wirtschaft bestehen könne – Berufe im öffentlichen Dienst würden schließlich nach Tarif vergütet und der Tarif unterscheide nicht zwischen Mann und Frau. Doch stimmt das so?

Der Vortrag von Frau Dr. Jochmann-Döll wird dieser Frage auf den Grund gehen und dabei auch die Bewertung und Eingruppierung von verschiedenen Tätigkeiten in den Blick nehmen.

Klar bleibt:

Die Entgelt(un)gleichheit zwischen Männern und Frauen muss in allen Arbeitsbereichen überprüft und diskutiert werden.

Begrüßung: Elke Möller, Südhessisches Bündnis gegen Altersarmut von Frauen Grußwort: Sozialdezernentin Barbara Akdeniz

Referentin: Dr. Andrea Jochmann-Döll, Beraterin und Wissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt diskriminierungsfreie Gestaltung von Entgeltsystemen

Datum: Mittwoch, den 17.03.2021 Uhrzeit: 19:00 bis 21:00 Uhr
Anmeldung über: karin.harder@verdi.de

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Aktuell
news-405 Thu, 25 Feb 2021 10:23:15 +0100 Microsoft365 an Schule - die Odyssee eines Schülers https://www.gew-suedhessen.de/home/details/405-microsoft365-an-schule-die-odyssee-eines-schuelers/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=f6cfcdc7b08d47a08a49a440cd275c89 ein Erfahrungsbericht Im Beitrag von Netzpolitik.org vom 21.01.2021 schildert ein hessischer Schüler, welche Schwierigkeiten er zu meistern hatte, als seine Schule ihn offenbaqr ohne die notwendigen Voraussetzungen in die Nutzung von Microsoft365 drängen wollte.

Es braucht ein Verständnis, warum Datenschutz an Schulen wichtig ist – und ein Umdenken bei den Beauftragten der Schule. Außerdem sollte es nicht vorkommen können, dass eine Schule jahrelang Daten unberechtigt verarbeitet. Die besten Datenschutzgesetzte bringen nichts, wenn sie kategorisch nicht eingehalten werden und ein Vorgehen gegen eine Verletzung so schwierig ist wie in meinem Fall.

https://netzpolitik.org/2021/microsoft-teams-oder-nichts/ 

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Aktuell
news-404 Thu, 25 Feb 2021 10:20:50 +0100 Offener Brief des Gesamtpersonalrats an Minister Lorz https://www.gew-suedhessen.de/home/details/404-offener-brief-des-gesamtpersonalrats-an-minister-lorz/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=325493734276f7e07515218a2cf49d68 vom 25.02.2021 BETREFF: OFFENER BRIEF DES GPRLL RHEINGAU-TAUNUS-KREIS UND WIESBADEN BZGL. DER PARTIELLEN SCHULÖFNUNGEN AB 22.02.2021
 

Sehr geehrter Hr. Lorz, sehr geehrte Damen und Herren,

seitens des Gesamtpersonalrats der Lehrerinnen und Lehrer am Staatlichen Schulamt für den Rheingau-Taunus-Kreis und die Landeshauptstadt Wiesbaden kommen wir bereits nach den ersten Tagen der erweiterten Schulöffnung zu der Einschätzung, dass die von Ihrem Haus vorgelegten Maßnahmen und Anordnungen bzgl. der partiellen Schulöffnungen ab 22.02.2021 in der uns vorliegenden Form unangemessen und in Schulen nicht erfolgreich realisierbar sind.

Wir begründen dies wie folgt:

  1. Zu viele Schüler*innen sollen in Präsenz in den Schulen beschult werden, ohne dass dafür die räumlichen, personellen und sächlichen Mittel zur Verfügung stehen.
  2. Die Lehrkräfte, die in den Abstand einzuhaltenden Präsenzunterricht zum Einsatz kommen, können sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht teilen. Dennoch springen sie von einer Teillerngruppe zur anderen und versuchen dort, sinnvoll angeleiteten Unterricht zu geben. Dies ist, da nicht in jeder Teillerngruppe jede Lehrphase minutengenau (parallel versetzt) gleich lang ist, eine kaum zu bewältigende Aufgabe. 
  3. Nachsteuern, im Sinne des Mehreinsatzes von Lehrkräften in geteilten Lerngruppe, geht auch nicht. Die Anzahl der Lehrkräfte steht nun mal in einem mathematisch präzisen Zusammenhang mit der Anzahl der Schüler*innen. Wird die Anzahl der Unterrichtsstunden verdoppelt (geteilte Lerngruppen), führt dies zwangläufig zu mehr Bedarf an Lehrkräften.
  4. Die anderen Lehrkräfte unterrichten aber Schülergruppen in Distanz. Manchmal unterrichten Kolleg*innen, die zwei Lerngruppe parallel unterrichten, auch noch zusätzlichen Schüler*innen in Distanz.
  5. Im Ergebnis heißt dies: Der Einsatz vieler Lehrkräfte überschreitet inzwischen oft jedes Maß, wenn verlangt wird, dass diese mehrere Lerngruppen und diese zudem geteilt unterrichten sollen. Die Qualität des Unterrichts leidet hier erheblich und wird offenbar billigend in Kauf genommen. Und sollte es am Ende doch nur um die Betreuung gehen, vermissen wir jede Anstrengung Ihres Hauses, die personelle Unterstützung für die Kollegien zu verbessern. Die Hinweise zum Ausgleich über die Mehrarbeitsvergütung reichen nicht. Die Mittel, die real zur Verfügung stehen, auch nicht – dies schon da der Weg es zu beantragen so kompliziert ist, dass er kaum gewählt wird. 
  6. Jetzt kommt hinzu, dass die räumliche Situation in Schulen begrenzt ist, und dass beliebiges Teilen (aus 1 mach 2) ein Ende findet, wenn immer mehr Schüler*innen in die Schule zurückkehren. Wenn zu den Klassenstufen 1-6, die in den Wechselunterricht zurückgerufen werden, noch die Notbetreuung kommt, ist auch hier sehr schnell die Schule an ihren jeweiligen räumlichen Grenzen. 
  7. Das skizzierte trifft ganz besonders für die Schulform Berufsschulen zu, da sich in dieser Schulform fast alle Klasse im Abschluss befinden. Lehrerkolleg*innen haben zeitweise täglich Kontakt zu über 100 Schüler*innen.
  8. Im Ergebnis heißt dies: In mehreren Schulformen führen die Anzahl der in Präsenz zurückgerufenen Schüler*innengruppen zu derart vollen Schulgebäuden, dass Abstände nicht eingehalten werden können. Dies betrifft sowohl Schüler*innen als auch die Lehrkräfte in ihren Arbeits- und Pausenräumen.
  9. Zu den sächlichen Ausstattungen. Es fehlt allen Ortens an der Digitalisierung, egal ob es nun dienstliche Endgeräte für Lehrkräfte, infrastrukturell verlässliche Internetanbindungen der Schulen, digitale und lizenzfreie Materialien oder stabile, staatlich souveräne Portale für digitale Kommunikation sind.
  10. Dass die einzigen Schutzmaßnahmen weiterhin Lüften und Abstand sein sollen, ist aus unserer Sicht unzureichend.
  11. Noch immer gibt es nicht im ausreichenden Umfang Luftreiniger und Lüftungssysteme. 
  12. Die für Schulen vorgesehenen Schutzmaßnahmen werden spätestens auf dem Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln ad absurdum geführt. Eine Abstimmung mit den Schulträgern und Verantwortlichen des Busverkehrs hat hierzu offenbar nicht stattgefunden.
  13. Noch immer werden die Schulen – sowohl Lehrkräfte als auch Schüler*innen – nicht im notwendigen Umfang mit FFP2-Masken versorgt. Dass aus Ihrem Haus weiterhin lediglich entsprechende „Empfehlungen“ ausgesprochen werden, ist Ausdruck der seit Monaten vernachlässigten Beschaffung.
  14. Fragwürdig und den Arbeits- und Gesundheitsschutz vollkommen unzureichend würdigend ist der Umstand, dass Schulleitungen die Maskenpflicht aufheben dürfen (ganz oder teilweise). Für diese Beurteilung fehlen vielen Schulleitungen Expertise und wissenschaftliche Grundlagen, auf der eine solche Einschätzung getroffen werden könnte.

Wir möchten betonen, dass die Lehrkräfte an den Schulen durchaus hohe und seit Beginn der Pandemie anhaltenden Einsatz und Engagement zur Bewältigung der Krise aufbringen. Wir sind uns der besonderen Rolle und Funktion von Schulen für unsere Gesellschaft bewusst.

Angesichts der Tatsache, dass wir bereits vor der Pandemie deutlich auf die prekäre personelle und materielle Situation in den Schulen hingewiesen haben, wird diese Unterversorgung nun mehr als auffällig. Eine 104prozentige Unterrichtsversorgung scheint es nur auf dem Papier zu geben – im Alltag ist davon nichts spürbar.

Wir fordern daher:

  1. Ausstattung mit FFP2-Masken für alle Schüler*innen und Lehrkräfte im ausreichenden Umfang für jeden Präsenztag.
  2. Eindeutigere Anweisungen zum Tragen und Umgang mit diesen FFP2-Masken.
  3. Deutlich bessere Kooperation und Koordination Ihrer Anweisungen mit den regionalen Verhältnissen der Schüler*innenbeförderung.
  4. Ein deutlich höheres Engagement hinsichtlich der Digitalisierung in Schulen. 
    Hierbei bedarf es nicht nur der Ausstattung mit Endgeräten für Schüler*innen und Lehrkräfte. Vollkommen vernachlässigt wird die notwendige Infrastruktur – z.B. personelle und materielle Ausstattung der Medienzentren und Lehrkräfteakademie. In dem Ausmaß, in dem das Land Hessen die Umsetzung der Digitalisierung einfordert, sehen wir auch eine Verantwortung und Beteiligung mit und gegenüber den Schulträgern.
  5. Merklich mehr Personal auch für betreuende Situationen zur Entlastung von Unterricht und Lehrkräften.
  6. Ein Ausgleich in Stunden für die zusätzlich von den Kolleg*innen geleistete Mehrarbeit. Dies ohne den bürokratischen Aufwand.
  7. Tägliche Möglichkeiten zu Schnelltests als freiwilliges Angebot für Lehrkräfte.
  8. Mehr Gestaltungsfreiheit für die Schulen, um ein an die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung angepasste Unterrichtsplanung vorzunehmen.
  9. Aber auch noch mehr Gestaltungsfreiheit hinsichtlich der Leistungsnachweise und Klausuren. Hier gilt es abzuwägen zwischen der kurzen Zeit, die manchen Lehrkräften verbleibt, um gesichert Lerninhalte vermittelt zu haben, und dem Recht der Schüler*innen, mehr Möglichkeiten zu haben, Leistung zu zeigen. Dies kann nur in den jeweiligen Situationen entschieden werden.
  10. Einbeziehung aller Gremien in den Entscheidungsprozess vor Ort – gemeint sind neben den Schulpersonalräten auch die Elternvertreter*innen und die Schul- und Klassensprecher*innen.
  11. Verbindlichkeit hinsichtlich der Stufigkeit (angepasster Regelbetrieb etc.)  über die Festlegung der Inzidenzen. Dies regional bezogen, damit maßgeschneiderte lokal und regional an die Notwendigkeiten angepasste Konzepte in Schule entwickelt werden können. 
  12. Schnelltests sollen umfänglich und auskömmlich zur Verfügung gestellt werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren.
  13. Nicht nur Grund- und Förderschulkolleg*innen gehören in die Kategorie 2 (Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2) – sondern alle Lehrkräfte, die täglich und immer wieder aufs Neue mit unterschiedlichen Lerngruppe in Kontakt kommen.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Manon Tuckfeld

VORSITZENDE DES GESAMTPERSONALRATS DER LEHRERINNEN UND LEHRER

auf Beschluss des Gesamtpersonalrats der Lehrerinnen und Lehrer für den Rheingau-Taunus-Kreis und die Landeshauptstadt Wiesbaden vom 24.02.2021.

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news-403 Tue, 23 Feb 2021 15:24:11 +0100 Rundbrief 11 https://www.gew-suedhessen.de/home/details/403-rundbrief-11/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=9fc9786e33087bb56f9b833e86ed59f1 Kinder im Lockdown: Erfahrungsberichte Im letzten Newsletter ging es um die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen 
auf Kinder und Jugendliche. Wir baten Euch um Erfahrungsberichte. Die 
Resonanz war überwältigend. Es gab viele Antworten, und alle zeigten 
sich erfreut darüber, dass dieses Thema angegangen werden soll. Wir 
versprachen Verbreitung mit dem Ziel einer Diskussion, auch darüber, 
wie die Schule sich in Zukunft aufstellen muss, um bspw. auch psychische 
Entwicklungsdefizite aufzuarbeiten. Da einige Kolleg*innen baten, 
namentlich nicht genannt zu werden, haben wir uns entschlossen, die 
Berichte grundsätzlich nur mit Angaben zu Ort und Schulform 
veröffentlichen. Namen und Mailadressen aller Einsender*innen sind uns 
bekannt, und natürlich sind alle Mitglied unserer Gewerkschaft.
Die Freude darüber, dass Kinder Thema werden, zeigt sich exemplarisch 
in der Mail einer friedenspolitisch engagierten Kollegin aus Offenbach, 
die schreibt: “Danke für euer Schreiben! Ich hatte im letzten Jahr zum 
ersten Mal in meiner langen Zeit der Mitgliedschaft in der GEW das 
Gefühl, in der falschen Organisation zu sein. Ständig war der Fokus 
nur bei den Lehrkräften. Wie du weißt, bin ich im Ruhestand. Deshalb 
habe ich gedacht, ich mische mich nicht ein. Ich habe ja nicht das 
Problem, mich in überfüllten Klassenräumen aufhalten zu müssen. Ich 
fürchte um die Kinder! Es liegt auf der Hand, dass sie Schaden nehmen. 
Und nach meinen Erfahrungen mit Jugendlichen, die auf den 
Hauptschulabschluss hinlernen, ist die Forderung die Prüfungen 
auszusetzen genau richtig. Viel Erfolg!“
Die bis gestern auf der angegebenen Mailadresse eingegangenen Berichte 
füllen inzwischen 16 Seiten. Das ist zu viel für diesen Newsletter. 
Wir haben die Texte mit
geringfügigen Kürzungen auf unsere Homepage gestellt, dort sind sie 
auch insgesamt als pdf-Datei abrufbar.

Hier ein paar kurze Ausschnitte:

Eine sozialpädagogische Fachkraft, die in der mobilen pädagogischen 
Frühförderung mit Kindern im Vorschulalter arbeitet, schreibt:
„Jetzt in Zeiten des Lockdowns zeigt sich noch viel deutlicher als 
sonst, welche wichtigen Bildungs- und Erziehungsaufgaben 
Kindertagesstätten haben, insbesondere bei (sozial) benachteiligten Kindern:
Die Kinder, mit denen ich arbeite, die jetzt wochenlang ihre 
Einrichtungen nicht besuchen konnten, stagnieren deutlich in ihrer 
Entwicklung oder machen sogar Rückschritte. Besonders gravierend zeigt 
sich das in ihrer Sprachentwicklung und in ihrer Fähigkeit, sich zu 
konzentrieren. Sehr problematisch ist dies insbesondere für Kinder, die 
jetzt kurz vor ihrer Einschulung wochenlang kein Deutsch gehört und 
gesprochen haben. ...“

Die Klassenlehrerin einer 3. Klasse im MTK schreibt:
„Ich beobachte, dass die Kinder unmotivierter werden, sich teils sehr 
einsam fühlen (auch wenn sie ein liebevolles Zuhause haben) und ihre 
Freunde sehr vermissen. Ich will die Kinder selbst zu Wort kommen lassen."
Es folgen zwei Auszüge aus Schüleraufsätzen:
"Seit fast einem Jahr gibt es nun Corona. Das ist ein Achtel meines 
bisherigen Lebens. Langsam finde ich es richtig zum Heulen. Ich kann 
nicht in den Fußballverein zum Trainieren. Schwimmbäder und Kinos haben 
zu und mit all meinen Freunden zusammen kann ich mich auch nicht mehr 
treffen. Die Schule findet online oder als Notbetreuung statt. All diese 
Dinge machen mich wütend, traurig und oft bin ich so durcheinander, 
dass ich mich nicht mehr richtig konzentrieren kann. Am blödesten ist, 
dass mir kein Erwachsener sagen kann, wann alles wieder normal wird. Ich 
freue mich am meisten darauf, wenn die Erwachsenen wieder gut drauf und 
nicht mehr gestresst sind. Wenn ich wieder mit meinen Freunden spielen 
und lernen kann. Ich möchte wieder viele Tore schießen in meiner 
Fußballmannschaft."
"Langsam geht mir Corona auf den Keks. Ich weiß nicht mehr wie es war, 
als Corona noch nicht da war. Es ist ja schon ein ganzes Jahr her, 
langsam reicht‘s. Abends im Bett denke ich immer: 'Wann hört es endlich 
auf oder begleitet das Corona mich mein ganzes Leben lang?' Diese Fragen 
quälen mich. Ganz besonders nerven die Masken. Damit kriegt man nicht 
so gut Luft. Ich glaube Corona hat uns gezeigt, dass wir Menschen mehr 
auf die Umwelt achten sollen. Vielleicht ist Corona ein Warnzeichen der 
Erde."

Die Klassenlehrerin einer 7. Klasse in Darmstadt schreibt:
... „Bestimmt eine sehr „andere Lernzeit“, die alle Beteiligten oft an 
den Rand des Wahnsinns bringt, jedoch auch viele Schwachstellen und 
zugleich Ressourcen offenbart. Sicherlich problematisch für Schüler 
ohne häuslichen Rückhalt, Kontrolle und Hilfestellung und für 
diejenigen, deren sensible Psycho an der Länge der Isolation Schaden 
nimmt und die die ggf. wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Elternhaus 
stark belastet.“

Eine Kollegin, die im elternbund hessen mitarbeitet, schreibt:
„Ich fände es gut, wenn wir nach all den Informationen von Hüther und 
anderen zu der Situation unserer Kinder kindorientierte 
Rückführungsmaßnahmen bzw. ein Gesamtkonzept fordern. Bereits die 
Zeugnisse von letzter Woche waren bei vielen Kindern die der Eltern. ...

Wir haben mit den Folgen der Pandemie die Chance, unsere inklusiven 
Handlungskonzepte auf alle Kinder anzuwenden, sie alle fürsorglich ins 
Bildungssystem zurückzuführen - nicht nur die mit einem 
sonderpädagogischem Stempel. Corona hat viele andere zusätzlich 
herausfallen lassen (sie exkludiert). Wir können uns - wie für die 
Impfung - auch für unsere Kinder die Zeit nehmen, die sie verloren 
haben, ihrer Exklusion inklusiv begegnen, kindorientierte Räume zum 
Aufholen schaffen und uns mehr dazu mit unseren europäischen Nachbarn 
austauschen. Sie haben doch die selben Probleme trotz ihrer gut 
entwickelten digitalen Möglichkeiten. Eine solche Vorgehensweise würde 
uns alle in Deutschland und in der EU stärken und könnte uns zu einer 
solidarischen Handlungsgemeinschaft zusammenschweißen. Ihr habt doch 
sicher auch Kontakte zu euren Gewerkschaften in den Nachbarländern? 
Lasst uns doch gemeinsame Sache machen!“

Eine HR-Kollegin schreibt:
„... Zu Beginn des Schuljahres war ich entsetzt über die massiven 
Einschränkungen für die Kinder ... und dann kam die Maskenpflicht im 
Unterricht! ... Es war eine erbärmliche Zeit! ... Die 
Unterrichtsdynamik nahm ab, die Kinder klagten zunehmend über 
Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und sie waren 
wenig motivierbar. Als Gründe gaben sie zumeist an, sie hätten wenig 
oder schlecht geschlafen. Die Stimmung entsprach so ein wenig dem 
„Winterblues“. Während der Unterrichtszeit hörte man auf den Gängen 
das Schimpfen von Lehrkräften, die wiedermal auf die Maskenpflicht 
hinwiesen. ... Bald häuften sich Akte von Vandalismus und Aggressionen 
– so schlimm war es noch in keinem Schuljahr. ... Die Pausenaufsichten 
wurden immer anstrengender, in jeder Pause gab es laute Konflikte, kurz 
vor Weihnachten kam es dann sogar im Unterricht zu einer heftigen 
Schlägerei. ... Die Fehlzeiten der Kinder nahmen deutlich zu, täglich 
entließ ich Kinder für Arztbesuche oder weil es ihnen einfach nicht gut 
ging, manchmal bis zu 5 Kinder an einem Schultag. Die Beschwerden waren 
zumeist Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, aber auch Übelkeit und 
Magenschmerzen. ...“
Mehr auf unserer Homepage.

 Die Landesrechtsstelle Hessen informiert über rechtswidrige 
Weisungen, „nicht geleisteten“ Unterricht nachzuholen
... Verstärkt stellen wir fest, dass Schulleitungen trotz komplett 
unübersichtlicher Situation über die geleistete Arbeitszeit in den 
letzten Halbjahren Lehrkräfte jetzt anweisen, Stunden „nachzuholen“. 
Eine solche Weisung stellt sich in den allermeisten Fällen als 
rechtswidrig dar.
Hintergrund ist die Tatsache, dass für eine Forderung, Arbeitszeit 
nachzuholen ein Arbeitszeitkonto die Grundlage sein müsste. Ein solches 
existiert für Lehrkräfte jedoch nicht. Folglich müssen sie Ihre 
Arbeitszeit Woche für Woche ableisten. Wenn die Arbeitsleistung der 
Lehrkräfte seitens des Dienstherrn aus den unterschiedlichsten (auch 
aus Corona-bedingten!) Gründen nicht in Anspruch genommen wird oder 
genommen werden kann, „verfällt“ die Verpflichtung zur Arbeitsleistung 
und muss auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht nachgeholt werden. ...
Lehrkräfte kommen ihren Verpflichtungen gegenüber dem Dienstherrn 
beziehungsweise dem Arbeitgeber nach, wenn sie ihre Arbeitsleistung „in 
der Dienstzeit“ zur Verfügung stellen. Da die Pflichtstundenverordnung 
eine Wochenpflichtstundenzahl definiert, kann dies nach Ansicht der 
Landesrechtsstelle immer nur wochenweise erfolgen. Können Lehrkräfte 
in dieser Zeit aus Gründen nicht arbeiten, die der Dienstherr zu 
verantworten hat, muss dies das Risiko des Dienstherrn sein und nicht 
der Beschäftigten. ...

Die Verrechnung von Minusstunden in den darauffolgenden Wochen oder gar 
Monaten, wie sie vielfach vorgenommen wird, ist eine unzulässige 
Überschreitung des gesetzlichen Rahmens.
Verschärfend kommt hinzu, dass die Lehrkräfte ja maximal bei den 
geleisteten Unterrichtsstunden vor Ort in der Schule „in Verzug“ 
gekommen sind was in den allermeisten Fällen nicht heißt, dass sie 
weniger gearbeitet hätten. Oft, und gerade unter „Corona Bedingungen“ 
haben die Lehrkräfte viel mehr gearbeitet als die Pflichtstundenzahl 
hergibt und ihren außerunterrichtlichen Verpflichtungen entspricht, nur 
eben nicht im Präsenzunterricht. In dem Kontext mag die Forderung 
„nicht geleistete“ Pflichtstunden nachzuholen fast schon als höhnisch 
empfunden werden. ...
Beispiele einer unzulässigen Aufforderung, verpassten Unterricht 
nachzuholen sind: Kein oder nur unzureichender Überblick über 
geleistete Arbeit aufgrund der Corona- Situation
Ausgefallener Fachunterricht beim Praktikum
Kolleg*in geht auf Fortbildung und soll ausgefallenen Unterricht 
nachholen Unterrichtsausfall, weil Schüler*innen auf 
Klassenfahrt/Wandertag/Studienfahrt sind Unterrichtsausfall in 
Prüfungswochen
Unterrichtsausfall nach dem Ende der Abitur- oder anderer 
Abschlussprüfungen.
Wenn Arbeitszeit nachgeholt werden soll, die länger als einen Monat 
zurück gelegen haben soll, bitte den Personalrat einbeziehen und bei 
Bedarf die GEW-Rechtsberatung kontaktieren.

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Rundbriefe
news-402 Mon, 22 Feb 2021 14:03:26 +0100 Erfahrungsberichte von Kolleg*innen https://www.gew-suedhessen.de/home/details/402-erfahrungsberichte-von-kolleg-innen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=878dafbf456c8b04e5ded014ba59101d als Antwort auf Rundbrief 10 Erfahrungsberichte von Kolleg*innen als Antwort auf Rundbrief 10

 

Eine sozialpädagogische Fachkraft, die in der mobilen pädagogischen Frühförderung mit Kindern im Vorschulalter arbeitet, schreibt:

Jetzt in Zeiten des Lockdowns zeigt sich noch viel deutlicher als sonst, welche wichtigen Bildungs- und Erziehungsaufgaben Kindertagesstätten haben, insbesondere bei (sozial) benachteiligten Kindern:

Die Kinder, mit denen ich arbeite, die jetzt wochenlang ihre Einrichtungen nicht besuchen konnten, stagnieren deutlich in ihrer Entwicklung oder machen sogar Rückschritte. Besonders gravierend zeigt sich das in ihrer Sprachentwicklung und in ihrer Fähigkeit, sich zu konzentrieren.  Sehr problematisch ist dies insbesondere für Kinder, die jetzt kurz vor ihrer Einschulung wochenlang kein Deutsch gehört und gesprochen haben.

Die Kinder, die das Glück haben, ihre Kindertagesstätte besuchen zu dürfen, profitieren hingegen sehr von den ruhigeren und kleineren Gruppen und der vermehrten Zuwendung durch die Erziehenden. Sie werden ruhiger, emotional ausgeglichener und machen große Fortschritte in ihrer Sprachentwicklung.  

Da ich die Familien ja zu Hause besuche, bekomme ich einen Eindruck, wie sich der Lockdown auf die älteren Geschwister auswirkt. Sie müssen z.B. versuchen, mit einem Smartphone die Arbeitsblätter für das erste Schuljahr zu bearbeiten. Motivierte und begabte Kinder werden so wahrscheinlich nie lesen lernen.

 

 

Die Klassenlehrerin einer 3. Klasse im MTK schreibt:

Ich beobachte, dass die Kinder unmotivierter werden, sich teils sehr einsam fühlen (auch wenn sie ein liebevolles Zuhause haben) und ihre Freunde sehr vermissen. 

Ich will die Kinder selbst zu Wort kommen lassen. Die Kinder haben im Rahmen einer freiwillig gestellten Aufgabe aufgeschrieben, was sich verändert hat, was sie vermissen und worauf sie sich am meisten freuen, wenn alles wieder „normal“ ist: 

 

  • Ich finde es nicht so schön, dass man die ganze Zeit zu Hause sein muss, man kann nirgendwo hin. Zu Hause wird einem langweilig. Freunde muss man wiedersehen dürfen! Man fühlt sich von der Welt abgeschnitten. Bei dem schlechten Wetter geht Fahrrad fahren auch nicht. Das einzige, was man machen kann, sind Hausaufgaben. Dadurch wird man voll gestresst und das ist doof. 
  • Seit fast einem Jahr gibt es nun Corona. Das ist ein Achtel meines bisherigen Lebens. Langsam finde ich es richtig zum Heulen. Ich kann nicht in den Fußballverein zum Trainieren. Schwimmbäder und Kinos haben zu und mit all meinen Freunden zusammen kann ich mich auch nicht mehr treffen. Die Schule findet online oder als Notbetreuung statt. All diese Dinge machen mich wütend, traurig und oft bin ich so durcheinander, dass ich mich nicht mehr richtig konzentrieren kann. Am blödesten ist, dass mir kein Erwachsener sagen kann, wann alles wieder normal wird. Ich freue mich am meisten darauf, wenn die Erwachsenen wieder gut drauf und nicht mehr gestresst sind. Wenn ich wieder mit meinen Freunden spielen und lernen kann. Ich möchte wieder viele Tore schießen in meiner Fußballmannschaft. 
  • Am Anfang von der Coronakrise habe ich die Welt nicht mehr verstanden. Alles war so anders und auch kompliziert. Als ich es verstanden habe, wurde es richtig schlimm. Mein Leben ist so anders. Der ganze Spaß ist verschwunden. Die Coronakrise hat alles verändert. Der Lockdown ist das Schlimmste. Über eine Sache aber war ich im ersten Lockdown froh: dass ich ausschlafen konnte. Was ich am meisten vermisse, sind Oma und Opa. Wegen Corona können wir nicht zu ihnen fahren. Wenn Corona weg ist, dann werde ich Oma und Opa in den Ferien besuchen. Hoffentlich geht Corona wieder weg. 
  • Mein Leben in der Coronazeit hat sich sehr verändert. Zunächst war alles noch spannend, aber jetzt geht es einem wirklich auf den Keks. Man kann sich nicht mehr richtig mit seinen Freunden treffen, einkaufen nur noch mit FFP2-Maske und der Sport fällt auch aus. Ich habe auch ein bisschen Angst, falls jemand aus der Familie oder meinen Freunden erkrankt. In der Schule ist es auch komisch, denn wir sind nur 6 oder 7 Kinder. Überall muss man Maske tragen und auf dem Pausenhof sind so wenig Kinder. Schon ein Jahr betrifft uns jetzt das Virus. Manchmal liege ich nachts wach in meinem Bett und mich quälen Fragen, z.B. wann das Virus bekämpft sein wird. Der Lockdown stresst mich. Manchmal trifft es mich wie einen Schlag, dass viele Menschen an Corona gestorben sind. Corona ist einfach nur blöd! 
  • Ich finde es blöd, dass an Corona Menschen sterben. Es ist aber auch blöd, dass alle Läden zu haben und dass wir überall Masken tragen müssen und Abstand halten sollen. Ich bin ganz vorsichtig, weil ich kein Corona haben möchte. Ich vermisse es, schwimmen zu gehen, in Restaurants essen zu gehen, Freunde zu treffen, Eis zu essen, keine Maske tragen zu müssen und nicht normal in die Schule gehen zu können. Ich freue mich, wenn alles vorbei ist. Corona ist doof, weil man so viel Stress dadurch hat. Wenn sich alle an die Regeln halten würden, würde sich Corona nicht so schnell verbreiten. Zuhause ist es blöd, weil die Eltern keine Zeit haben und man nicht mit anderen Kindern spielen darf. Hoffentlich geht Corona bald wieder weg. Dann wird alles wieder gut.
  • Langsam geht mir Corona auf den Keks. Ich weiß nicht mehr wie es war, als Corona noch nicht da war. Es ist ja schon ein ganzes Jahr her, langsam reicht‘s. Abends im Bett denke ich immer: „Wann hört es endlich auf oder begleitet das Corona mich mein ganzes Leben lang?“ Diese Fragen quälen mich. Ganz besonders nerven die Masken. Damit kriegt man nicht so gut Luft. Ich glaube Corona hat uns gezeigt, dass wir Menschen mehr auf die Umwelt achten sollen. Vielleicht ist Corona ein Warnzeichen der Erde. 

 

 

Die Klassenlehrerin einer 7. Klasse in Darmstadt schreibt:

Da meine eigene Klasse bereits ab Klasse 5 mit digitalem Unterricht in Berührung gekommen ist und die Basics somit vorhanden sind, gibt es hier kaum Reibungspunkte. Sozial benachteiligte Kinder haben jedoch den Nachteil, dass fast niemand in ihrer Umgebung technische Probleme beheben kann, noch diese so kommunizieren kann, dass ihnen von außen geholfen werden kann. Hinzu kommt, dass zumindest bei den Videomeetings und in der Lernzeit zuhause eine ruhige Atmosphäre herrschen muss, damit die notwendige Konzentration überhaupt aufgebracht werden kann. Dies ist häufig nicht der Fall, sodass allein dieser Aspekt ein größeres Problem darstellt. Auffällig ist auch, dass alle Schüler gerne und jederzeit (letzte Nachricht um 00:21 Uhr, nächste Nachricht 2 Min. später: „Wieso melden Sie sich nicht?“) auf Lehrer zurückgreifen, auch da, wo man eigentlich problemlos Mitschüler fragen könnte. Der Arbeitsaufwand der Lehrkräfte verdoppelt sich nahezu: Videomeetings, Arbeitsaufträge erstellen, korrigieren und zurückgeben, Schüler-Fragen beantworten, Eltern-Emails beantworten, Lernhilfe-Schüler in Präsenz betreuen in der Schule, Erklärvideos erstellen oder suchen, um Funktionen im Lernprogramm zu erläutern usw. Eine der häufigsten Elternbeschwerden ist, dass die Kinder (obwohl sie es könnten und häufig nicht einmal versucht haben) abends mit den Eltern ihre Arbeitsaufträge erledigen wollen… wenn diese bereits „erledigt sind“. Der Kompetenzzuwachs ist bei vielen: Selbstdisziplin lernen, sich selbst und die eigenen Schwächen, Stärken und Grenzen kennenlernen, selbstständiges Ausprobieren statt sofortiges Rufen nach Hilfestellungen, Scheitern aushalten, Erfolge feiern, sich untereinander helfen, aufmerksam Lehrer-Fehler bemerken und diesem rückmelden (juhuuu, der macht ja auch mal was falsch oder kann etwas nicht!)…

Bestimmt eine sehr „andere Lernzeit“, die alle Beteiligten oft an den Rand des Wahnsinns bringt, jedoch auch viele Schwachstellen und zugleich Ressourcen offenbart. Sicherlich problematisch für Schüler ohne häuslichen Rückhalt, Kontrolle und Hilfestellung und für diejenigen, deren sensible Psycho an der Länge der Isolation Schaden nimmt und die die ggf. wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Elternhaus stark belastet.

 

 

Die Klassenlehrerin einer 6. Klasse einer IGS in einem Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf in Wiesbaden schreibt:

Wir haben eine sehr unterstützende Schulleitung. Als Klassenlehrerin unterrichte ich fast alle Fächer in meiner Klasse, so dass ich mich auch jetzt im Fernunterricht gut auf meine Klasse konzentrieren kann. 

In den ersten Tagen nach den Ferien habe ich alle Schüler*innen einzeln in die Klasse bestellt, kurz mit ihnen geredet und sie haben ihr Material abgeholt. Es schien allen gut zu gehen. Außerdem konnten sich die Schüler*innen kostenfrei ein neues (!) iPad von der Schule ausleihen. Das haben 12 meiner Schüler*innen gemacht. Es war etwas chaotisch mit dem Ausleihvertrag von der Stadt, aber die Familien waren sehr froh über die schnelle Möglichkeit.

Von Anfang an habe ich den Schüler*innen täglich Aufgaben in das Schulportal gestellt. Immer eine Aufgabe für die Fächer, die sie an dem Tag eigentlich hätten, also nach Stundenplan. In der ersten Woche hat das Arbeiten mit dem Schulportal noch nicht gut geklappt, aber mittlerweile funktioniert es wirklich gut. Schüler*innen, die einen ganzen Tag nichts abgeben - dort müssen sie wirklich von jeder Kleinigkeit Fotos hochladen - habe ich immer abends angerufen. Wenn es wegen der Technik Probleme gab, habe ich die Schüler*innen auch in die Schule "bestellt" und es ihnen dort erklärt. Auf Videokonferenzen habe ich am Anfang verzichtet, weil ich mich dort nicht rangetraut habe. Nachdem ich mal bei einer anderen Klasse zugeschaut habe, mache ich jetzt auch eine wöchentliche Videokonferenz, aber es funktioniert noch nicht gut. 

 

Die Aufgaben für die Fächer habe ich so konzipiert, dass sie Videos, ihre Bücher oder auch Texte nutzen mussten, aber nie auch nur ein Arbeitsblatt ausdrucken sollten. Das ist bei unseren Schüler*innen unrealistisch! Mich hat es am Anfang begeistert, den Unterricht anders zu entwickeln, weil man eben auf vieles (Gespräche, Arbeitsblätter,...) verzichten muss, aber ja dennoch die Schüler*innen zum Denken und Fragenstellen anregen will. 

Die Frustration kam schnell, als die Abgaben der Schüler*innen nachließen. Wenn man selbst Videos dreht, Erklärungen bereitstellt, den ganzen Tag sich um die Schüler*innen kümmert und von 23 nur 11 abgeben, ist das frustrierend. Aber mit vielen Telefonaten funktioniert das jetzt eigentlich recht gut. Einige dachten erst, dass sie jetzt "Ferien" haben. 

 

Mein Rezept ist: 

- Täglich überschaubare Aufgaben. Kein Wochenplan! (obwohl wir den sogar in der Schule sonst oft nutzen). 

- Täglich (mehrmals) anrufen, wenn Abgaben ausbleiben. Immer zuerst die Frage "Wie geht es dir? Was ist los?"

- In Mathe sehr gleichbleibende Aufgaben, so dass die Schüler*innen wissen, was kommt. 

- In den Nebenfächern herausfordernde, witzige, nachdenkliche, ... Aufgaben. 

- In Kunst eine Wochenaufgabe, für die sie raus müssen. 

- Unter der Woche rede ich ausschließlich mit den Schüler*innen (am Telefon oder über die Nachrichtenfunktion im Schulportal), aber jeden Samstag gebe ich allen Eltern eine individuelle Rückmeldungen für alle Fächer.

 

Hier kommen wir schon zu den Problemen: 

- Einige Schüler*innen haben ihren Tag-Nacht-Rhytmus komplett verloren. Wenn ich Nachmittags anrufe, wecke ich sie. Zocken ist definitiv ihre Haupt-Freitzeitbeschäftigung! 

- Mein Gefühl, teilweise sehr stark in ihren privaten Raum einzudringen, wenn ich manche Schüler*innen mehrmals täglich anrufe. Auch der Handy-Kontakt mit den Schüler*innen ist mir nicht ganz geheuer. 

- Obwohl die Arbeit tendenziell leichter ist (weniger Konflikte, kein Stress, kein Lärm,...) ist es doch mehr. Und über den ganzen Tag verteilt! Auch am Wochenende (samstägliche Rückmeldung dauert etwa 2-4 Stunden). 

- Die mangelnde Qualität einiger Schüler*innenabgaben wird großzügig übersehen, weil sie überhaupt etwas gemacht haben. 

- In Gesprächssituationen wirken die Schüler*innen oft sprachlos. Sie sind auch in den jetzt eingeführten Videokonferenzen sehr still, stellen wenige Fragen. 

- Abschreiben nimmt zu. 

 

Hinzufügen möchte ich noch, dass meine Klasse in unserem Jahrgangsteam recht gut arbeitet. In der Klasse meiner Kolleginnen scheinen recht viele Schüler*innen total überfordert. Sie sagt, dass sie teilweise am Telefon weinen würden. Obwohl die Aufgaben nicht viel sind (sicher in unter 2 h zu schaffen), kommt es manchen wie ein unerreichbarer Berg vor. Die Konzentrationsfähigkeit wird immer schlechter. Die Motivation sinkt und die Aufgaben, die sie nachholen sollen, häufen sich. In Gesprächen wirken einige Schüler*innen definitiv depressiv. 

 

 

Die Klassenlehrerin einer 4. Klasse einer GS in Hanau schreibt:

Ich leite aktuell eine relativ kleine Abgangsklasse (18 Kinder) in einer Grundschule, allerdings sind 3 Kinder inklusiv beschult: IB im Bereich Lernen 2 Schüler, Körperbehinderung (kmE) 1 Schülerin. 

Genau genommen ist nach 1 Jahr kein Kind mehr so, wie es war. Sie sind alle irritiert, verunsichert, aber dankbar, wenn sie denn in die Schule kommen dürfen. Das ist doch was! 

Nur mit Unterstützung von Sozialarbeiterin und Dolmetscherin konnte ich ein Kind (ohne IB) zurück zur Schule holen, 2 Kinder sind mir förmlich „verloren“ gegangen. Ich konnte es nicht mehr leisten, all dem seelisch Notwendigen nachzukommen zu den zusätzlichen Mehrarbeiten durch Präsenzunterricht und Distanzunterricht. 

Hospitationen für Aufbau von Unterstützung finden aktuell nicht statt, Hausbesuche wurden teilweise angewandt, nicht unbedingt mit Erfolg.

Das kann Klassenleitung ohne Unterstützung nicht mehr leisten. Ein Dilemma, leider! 

Corona zeigt in aller Deutlichkeit, was in den letzten Jahrzehnten versäumt wurde: zu große Klassen, vollgepackte, verstaubte Lernpläne, die nicht auf die benötigen Kompetenzen unserer Zukunft, die Schüler, aufbauen - Teamarbeit; Sozialkompetenz; lebensnahe Fächer, die Freude vermitteln... wurde in meiner Zeit zusehends abgeschafft. Auch kleine Schulen wurden zu Schulkomplexen zusammengefasst, die Schüler werden in voll gestopften Schulbussen herumgefahren... So stehen wir jetzt an der Wand - es ist selbstgemacht, leider! 

Hoffentlich wird diese Krise als Chance einer Reformierung genutzt. Ich würde gerne mithelfen. Ich bin gespannt, inwieweit ich mir Gehör verschaffen kann.

 

 

Ein Kollege und Vater eines 5-Klässlers schickt
„Sichten des Distanzunterrichts“ 

Die „Corona“-Situation ist für manche Schüler*innen bereits lange nicht mehr zu ertragen. Bei manchen ist der Tiefpunkt erst mit dem „Weihnachtstief“ gekommen. Mit Sommersonne war die Situation deutlich leichter zu ertragen.

Auch für manchen Lehrer ist das Unterrichten ohne Gesichter und persönlichem Kontakt ungewohnt, unangenehm und teilweise nicht machbar. 

Da ich Kollege bin, stecke ich in der gleichen Situation und fühle gleich. 

Ich darf daher auch loben und feststellen, dass die Lehrkräfte sich in das TEAMS-System gut eingearbeitet haben und die fachlichen Inhalte aus meiner Sicht zumeist gut, mindestens bemüht umsetzen. 

Leider, und da beziehe ich mich nicht auf das Lehrerteam meines Sohnes, sondern auf die meisten Lehrkräfte (auch unserer/anderer Schule/n), werden die Schüler*innen und deren Lernsituationen in Ausübung der Pflichterfüllung (Lehrplan, Kerncurriculum, Prüfungsaussicht) weitestgehend vergessen.

Von dem machtlosen Gefühl der Eltern ganz zu schweigen.

 

Auch wenn ich einen Tagesablauf eines 5-Klässlers beschreibe, so unterscheiden sich die Emotionen meiner Schüler (>15) nicht erheblich. 

Ich schreibe auch nur, da die Aussicht auf Präsenzunterricht immer weiter verschoben wird und die Tränen und das Kloßgefühl der Schüler*innen einen kritischen Punkt erreicht. Dieser Druck wird leider durch uns Eltern meist noch verstärkt, da wir den jungen Menschen auch noch vorhalten, dass sie die Aufgaben nicht richtig lesen, sich zu sehr von WhatsApp, Youtube, Internet, ... ablenken lassen, müde sind und nach dem Unterricht einschlafen statt Hausaufgaben zu machen und das oft völlig ohne Unterstützung, da die Eltern, wenn sie denn zuhause sind selbst arbeiten, sich dabei um das 2., ... Kinder/er kümmern und, und, und. 

 

Ich möchte daher, die Umsetzung von Unterricht (auch meinem) mal in einen besispielhaften Zusammenhang mit einem Schülerempfinden bringen:

1. Unterrichtsblock: Ein Schüler wartet in TEAMS auf eine Besprechung.

GUT, die Lehrkraft hat eine Besprechung gestartet und nicht nur Aufgaben zur Bearbeitung hinterlegt. Themen werden besprochen, der Schüler beteiligt und meldet sich und bekommt im Zuge des Unterrichts, Aufgaben zu Aufgabenblättern die eigentlich für einen Präsenzunterricht gedacht sind (teilweise Lückentexte ohne Fragen), und dazu noch einen oder mehrere Termine, zu denen er Teilaufgaben an unterschiedliche Stellen in TEAMS speichern soll. Eine klare Linie/Struktur ist in TEAMS unter den Lehrern nicht abgesprochen.

An meiner Schule bestehen sogar mehrere Plattformen, die genutzt werden.

Der Schüler druckt, so ein Drucker vorhanden ist, dann z.B. die Aufgabenblätter aus und fängt an zu arbeiten. Dabei ist die Tintenpatrone des Füllers leer, und er weiß ja - mit Bleistift darf er nicht schreiben und Kuli kann man nicht korrigieren ... (Problem!). 

 

In der Zwischenzeit hat der 2. Unterrichtsblock begonnen. Für eine Pause ist oft keine Zeit, bekommt er auch nicht angekündigt (kein Gong). Einen Test konnte der Lehrer gut durchführen und auch eine Besprechung von Aufgaben hat der Lehrer wirklich gut gemacht, dabei sogar beinahe jeden Schüler sprechen lassen. Die Unterrichtszeit ist fast um. Die restlichen Aufgaben sollen dann bis 13:15Uhr hochgeladen werden.

 

Der 3. Block beginnt. Pause wieder vergessen, Mist! Der Schüler beißt in das selbst geschmierte Brot rein. Drittes Fach: Besprechung der Aufgaben in TEAMS. Der Lehrer erklärt die Aufgaben, fragt ob es noch Fragen gibt, und gibt dann den Schülern genügend Zeit für die Aufgaben. Die gehobene Hand des Schülers hat der Lehrer nicht mehr gesehen und reinrufen (Mikro an und los reden) darf man ja nicht. Der Lehrer ist nicht mehr online! Den Sitznachbarn konnte er leider auch nicht fragen. Die Frage bleibt unausgesprochen. Der Schüler ist, auch durch den Bewegungs- und Sauerstoffmangel eh sehr müde und legt sich kurz auf den Boden und schläft ein.

 

Plötzlich kommt die Mutter herein und fragt, wie es heute gelaufen ist. "Eigentlich ganz gut. Ich konnte nur keine Frage zur letzten Aufgabe (eigentlich zu den gesamten Aufgaben des Unterrichts) stellen," sagte er.

Es kommt raus, dass der Schüler nicht getrunken hatte, ein Blatt nicht ausgedruckt war, da das Papier des Druckers leer war. Im zweiten Block hatte er nicht weiter geschrieben, da der Füller keine Tinte mehr hatte, die Aufgaben und die Abgabe-Termine waren nicht notiert, da er diese Informationen im Wust der Informationen von der Mattscheibe nicht erfasst hatte. Und jetzt gab es noch einen riesen Anschiss, warum er nicht alleine einfach mal arbeiten kann und nicht auf die Idee kommt mit einem Kuli zu schreiben. Der 13:15 Uhr-Abgabetermin war ganz aus dem Sinn.

... 

Dabei geht es unseren Kindern gut, denn sie haben Eltern, die sich dann noch bis 19:00 auch mal 20:00 Uhr mit ihnen hinsetzen und Aufgaben abarbeiten. (Ist es nicht fahrlässig, dass wir unser Kind nicht lieber mittags mit dem Fahrrad raus schicken???)

 

Ich habe auch folgende Eindrücke aufgenommen: 

 

Die Schüler waren auch nicht in der Lage, ein (unbekanntes) WORD-Dokument zu erstellen, während parallel im WEB recherchiert werden sollte und die TEAMS-Sitzung ebenfalls parallel weiter lief. Der multitasking Wechsel zwischen den APPs ist, je nach Gerät noch nicht einmal technisch sinnvoll möglich und führte teilweise zu Blackout. 

 

In Stillarbeitsphasen besteht der Zwiespalt, online bleiben zu wollen/sollen, aber mit jedem Geräusch (Störgeräusch nicht abgeschalteter Mikros und Fragen über Mikro) abgelenkt zu werden.

Eine Lösung, Fragen über die Chatfunktion zu stellen hätte ich hier sicher auch „kritisiert“. Ich würde am liebsten nicht in der Haut der Lehrkräfte stecken! 

 

Die Sicht der Eltern ist hier leider noch nicht erfasst.

Es ist teilweise nicht mehr zu unterscheiden, was Aufgaben aus dem Unterricht sind und was Hausaufgaben. Die Gliederung im Wochenplan ist leider aufgehoben, das Logbuch wird unter großem Kraftaufwand geführt, der Schülerarbeitsplatz ist ein lockeres Chaos und die Angst, dass unser Kind dem Druck des Gymnasiums nicht gewachsen ist, ist groß.

Dabei scheinen die erworbenen Kompetenzen des virtuellen Unterrichts, des Umgangs mit mehreren NEUEN Computern und Systemen (Windows-Notebook für die TEAMS-Besprechungen, Android- Tablet oder -Handy für die Fotos der Hausaufgaben, Word für Texte, Internetrecherchen z.B. über GOOGLE, Youtube-Videos, ...) nicht bewertet oder gewürdigt zu werden.

Zu den neuen Medien kommen die Hürden durch unterschiedliche Dateiformate (*.docx, *.pdf) und LINKs zu Downloads, die die vorherige Installation von APPs erfordern, die die Eltern bei all dem installieren müssen.

Die Aufgabenmenge ist bei einigen Lehrkräften sehr umfangreich und aus Sicht der Eltern teilweise ZU VIEL.

Wenn der Zeitaufwand (auch für die Lehrkräfte) so groß ist, stellt sich die Frage, wie man die Leistung trotzdem erbringen kann, und hier kommen mir Verordnungen (BGYM und FOS) vor den Sommerferien und auch zum Schuljahresanfang ins Gedächtnis, in denen „...Dies bedeutet, dass nicht prüfungsrelevante Unterrichtsinhalte sowie die weiteren Themen- und Aufgabenfelder erst unterrichtet werden dürfen, wenn die in dem Prüfungserlass verbindliche festgelegten Unterrichtsinhalte erteilt worden sind.“ (Prüfungserlass „Zentrale Abschlussprüfung in der Fachoberschule 2021; Hinweise zur Vorbereitung und Durchführungsbestimmungen“ vom 18. August 2020) angeordnet wurden.

Die Nebenfächer Kunst, Musik, Religion, ... sollen zu Beginn der Sekundarstufe 1 doch vor allem Interesse wecken. Jeder Musik-, Kunst- und Religionslehrer freut sich doch über die Entdeckung der Begabungen und möchte zeigen, dass hinter Strichen, Noten und religiösen Feiertagen auch eine Geschichte und eventuell auch Technicken stecken, die ein Bild, ein Lied oder die Geschichte noch spannender machen kann. Natürlich wird nicht jeder ein Künstler und auch nicht jeder bleibt in der Kirche.

Hier halten wir Eltern die reine Inhaltsvermittlung (z.B. durch reine Arbeitsaufträge) für völlig falsch und im Sinne des o.g. Erlasses dann für nicht „prüfungsrelevant“.

Wir Eltern bauen zusätzlich unglaublichen Druck gegenüber unseren Kindern auf. Die dunkle Stimmung ist nicht nur draußen im Schneematsch, sondern auch ins Haus eingezogen.

Wir haben zudem aus dem Blick verloren, dass unsere Kinder gerade noch aus der behüteten Grundschule kommen. Allein der Schritt zum Gymnasium ist eine Anstrengung und eine immense Leistung.

Die Kommunikation Lehrer-Eltern ist beinahe auf die Newsletter begrenzt. Warum manche Lehrer kein Gespräch über TEAMS mit den Schülern führen können, warum die Klasse zum Halbjahreswechsel schon wieder mehrere Lehrerwechsel haben, wie die Noten entstanden sind, ob und wie die Lehrer selbst belastet sind ist uns nicht bekannt und verunsichert uns Eltern.

Fachleute wie Kinderpsychologen, Kinderärzte und Mediendidaktiker raten von intensivem Computereinsatz bei Kindern unterhalb der 7. Klasse ab.

Seit dem Distanzunterricht sind auch die Computer nicht mehr so gut geschützt. KidsPlace musste wegen der vielen Probleme abgeschaltet werden und eine gründliche Auseinandersetzung mit einem Kinderschutz im WEB konnte ich bisher nicht vornehmen.

Dazu kommen die Probleme durch Hackerangriffe auf TEAMS und andere Soziale Netzwerke, die eine nicht produktiv arbeitende Instituion wie Schulen erst verspätet behoben bekommen. 

 

Was bleibt sind KINDER, die ob des Drucks aus heiterem Himmel agressiv oder traurig (weinen) werden und das mal begründen oder den Grund auch nicht benennen können. 

 

Zu überdenken ist bitte:

- die Notwendigkeit Aufgaben zusammen zu besprechen, nicht nur einzustellen

- Abgabedaten gut strukturiert kenntlich zu machen

- Arbeitsaufträge für einen „isolierten“ 10-Jährigen inhaltlich und zeitlich anzupassen 

 an eine Rückmeldung zu denken (sehr großer Aufwand für die Lehrer)

- den Arbeitsablauf für die Schüler/Eltern zu strukturieren (z.B. Wochenplan) und damit auch für Kolleginnen und Kollegen einen Gesamtüberblick/-aufwand darzulegen 

Die Sicht der Lehrkräfte ist uns Eltern und den Schülern auch nicht bekannt.

Wir Lehrkräfte sind ja glücklich, wenn wir mit Schulportal und TEAMS zurecht kommen. Eine Schulung wie in der Industrie, bekommen Lehrkräfte höchstens sehr abgespeckt und spontan.

Eine Absprache über Strukturierung erfolgt nicht, da die Lehrkräfte so unterschiedliche Erfahrungen mit Computern haben, dass man sich nicht so schnell auf eine gemeinsame Strategie einigen kann. Die Schulleitungen sind froh, wenn jede Lehrkraft z.B. TEAMS benutzen kann (so meine Erfahrungen). Professionell geht natürlich anders. In der Wirtschaft kann man nicht mit didaktischer Freiheit argumentieren. Mit gutem Präsenzunterricht ist aber kein Distanzunterricht vergleichbar. Der immense Mehraufwand von virtuellem Unterricht ist vergleichbar mit der Zeit nach dem Referendariat. Die über 20 Stunden Unterricht müssen plötzlich neu aufgearbeitet werden. Die Arbeitsblätter und Aufgaben sind für den Unterricht “Auge in Auge“ ausgelegt. Lösungen werde oft an der Tafel und teilweise durch Schülerhand erarbeitet und vorgetragen. Hintergrundinformationen müssen z.B. im Internet recherchiert und den Schülern zur Verfügung gestellt werden.

Der Distanzunterricht beadarf eigentlich eines ganz neuen didaktischen Konzeptes, das langwierig erarbeitet werden muss.

Ich als Lehrer sitze nach Homeschooling meiner Unterrichtsstunden, mit seltenen Blicken nach meinem Kind im Homeschooling und dem kleinen nicht schulpflichtigen Bruder meist (wie heute) nachts bis 2:00/3:00 Uhr am PC und bereite meinen Unterricht vor.

Wurde dann ein Ort für Schüleraufgaben geschaffen, kontrolliert und eventuell sogar rückgemeldet, kommt beinahe Stolz auf!

Beratung und Beobachtung der Schüler*innen fällt überwiegend weg, und das ist die vorrangige Aufgabe der Lehrkräfte. Das Zeugnis ist dann ja NUR eine vergleichbare Verschriftlichung der Einschätzungen und Beratungen. 

Eine Lösung biete ich natürlich nicht, aber Gedanken zum Weiterdenken! 

 

 

Eine Kollegin im Ruhestand, die im elternbund hessen mitarbeitet, schreibt:

Ich fände es gut, wenn wir nach all den Informationen von Hüther und anderen zu der Situation unserer Kinder kindorientierte Rückführungsmaßnahmen bzw. ein Gesamtkonzept fordern.  Bereits die Zeugnisse von letzter Woche waren bei vielen Kindern die der Eltern.

 

Beigelegt war eine Mail an die GEW Hessen. In ihr heißt es u.a.:

Die verschiedenen "Rezepte"/ Konzepte so genannter Experten haben uns allerdings die Tränen in die Augen getrieben. Trotz UN-BRK und Kinderrechten fällt den verschiedenen Experten in der heutigen Zeit nichts anderes ein als kostenlose Nachhilfe, Wiederholen, sonderpädagogische Feststellungsverfahren, Kürzung der Ferien, Sommercamps usw. Wissen die eigentlich irgend etwas von dem, was unsere Kinder durch die verschiedenen Lock-Downs erlebt und erlitten haben? Das derzeitige Programm unserer Kinder trägt die Überschrift KEIN - Kein Schwimmen, kein Treffen mit Freunden, kein Kino, keine Kindergeburtstage ....Hinzu kommt ein Virus (?), das für die Kinder weder sichtbar noch begreifbar ist. Wir wissen noch nicht, welche Ängste diese Kinder davon tragen werden. Selbst die WELT vermutet, dass an die 70 % unserer Kinder seelisch leiden bzw. gelitten haben.

 

Viele Organisationen - ihr kennt sicher auch einige - sind derzeit dabei, Papiere zu erstellen, um die Corona bedingten schulischen Nachteile unserer Kinder auszugleichen. Es geht bei ihnen nicht nur um Bildungsrückstände, sondern um viel mehr - schließlich war die Isolationshaft ein erheblicher Eingriff in ihre kindliche Entwicklung. Sicherlich habt auch ihr sämtliche Papiere - Frau Baerbock hat ein ganz gutes Papier gemacht -  der FES habe ich bereits eine spontane Stellungnahme geschickt. 22 "Experten" - da bleibt einem nur Kopf schütteln. Die meisten Vorschläge sind eine Fortsetzung des KEIN-Programms oder der Ausschluss aus ihrer Gemeinschaft.

 

Ich glaube, wir brauchen für die, für uns alle neue Erfahrung einer Pandemie, ein ganz anderes Programm (vergleichbar mit einer neuen Medizin), das der langen Zeit der Unregelmäßigkeiten im Bilungsbereich und der unserer Kinder gerecht wird. Schließlich hat die Impfung auch ihre Zeit zur Entwicklung gebraucht und braucht sie noch. Die Kinder können nicht einfach mal so zum Aufholen des Versäumten losgeschickt werden in Nachhilfeeinrichtungen o. Ä.. Die Lage ist viel komplexer, warum Kinder ihrer Schulpflicht zu Hause nicht nachkommen konnten bzw. nicht können. Interessanter Link zu Hüther: www.deutschlandfunk.de/neurobiologe-huether-ueber-lockdown-folgen-schule-ist-der.694.de.html

 

Meine drei Enkelkinder besuchen drei verschiedene Schulen:

In der einen gibt's Unterricht über heruntergeladene You-Tubes mit Aufgaben (Hausaufgaben plus sozusagen). Um diese zu erledigen, brauchst du alle Geräte: Handy zum Rückmelden an den Lehrer, wobei nicht jeder etwas zurückmeldet, sogar teilweise einen Drucker...in der zweiten Schule gibt es digitalen Unterricht mit Strukturen, die feste Uhrzeiten vorsehen usw.; die Gemeinschaften der Klasse bleiben mit diesem Konzept digital erhalten, während das erst genannte Kind in Isolationshaft sitzt und Unterstützung benötigt. Beide Kinder sind in weiterführenden Schulen. Das dritte Enkelkind besucht eine Kölner Grundschule, in der dritten Klasse; ab sofort erhalten die Kinder dort auf Bitten einiger Eltern statt wie bisher zwei jetzt 8 Arbeitsblätter am Tag - das Gymnasium ist ja sonst nicht zu schaffen...Am letzten Donnerstag habe ich das komplette Schulchaos hier zu Hause erlebt. Die Enkelin aus Köln weinend am Telefon, die Enkelin aus dem Nachbarort hier bei mir mit Paketen von unausgegorenen Aufgaben und Arbeitsblättern aus den 70iger Jahren....diese drei Kinder haben Akademikereltern, der eine Vater ist sogar seit März 2020 im homeoffice. Das schwierigste ist bei diesem Corona bedingten Bildungschaos, das Lerninteresse der Kinder bei einem ansonsten Nullprogramm aufrecht zu erhalten.

 

Wir Eltern im elternbund hessen haben einen 10 Punkteplan zur Wiedereingliederung vorgelegt: 10 Vorschläge des elternbunds hessen zur schulischen Wiedereingliederung (Inklusion) und nachhaltigen Stabilisierung unserer Bildungsgemeinschaften 

www.elternbund.de/uploads/Corona/ebh_10Vorschl%C3%A4ge_SchulenachCorona.pdf

 

Wir haben auf unser Papier bereits bundesweit sehr große Resonanz. Viele Organisationen wollen mit unterschreiben. Der Zeitpunkt scheint wie geschaffen, Bildung neu zu denken bzw. an das anzuknüpfen, was wir immer gefordert haben. Damit könnten Eltern entlastet werden bzw. ihnen ihre Angst  vor dem Versagen ihrer Kinder genommen werden. Sie haben genug auszuhalten gehabt. Die Gesamtsituation der Familien und ihrer Kinder in der Pandemie müssen jetzt berücksichtigt werden. Diese Corona geschädigten Kinder brauchen mehr als kostenlose Nachhilfe: Ihre Eltern haben sich vielleicht in der Zeit getrennt, ihre Gastronomie- und Schaustellerunternehmen stehen vor dem AUS, möglicherweise hat Corona ihnen die Großeltern genommen. ......In einer solchen Situation kannst du nicht mal eben bei der VHS vorbeischauen, um dir das Versäumte draufzuschaufeln. Sitzenbleiben und Feststellungsverfahren zum sonderpädagogischen Förderbedarf sind keine Hilfen, sondern weitere Mittel Kinder in Not zu bringen. Unsere kleinen Corona-Versager!!

 

Ich habe im letzten Jahr zu dem Heft Gemeinsam lernen bei uns und in Europa Zuarbeit leisten dürfen und noch einmal die Bedeutung der Schulgemeinschaften in den meisten europäischen Ländern wahrgenommen. Die letzten begrenzten Gemeinschaften, die wir im deutschen Bildungssystem haben, drohen aktuell mit den angedachten Maßnahmen auch noch verloren zu gehen. Wir müssen gerade jetzt - nach diesem Desaster - alles daransetzen diese Gemeinschaften zu erhalten und nicht die Kinder wie bei Krankheiten dafür in die Verantwortung nehmen und auch noch weiter mit alt Hergebrachtem peinigen. 

 

Wir haben mit den Folgen der Pandemie die Chance, unsere inklusiven Handlungskonzepte auf  alle Kinder anzuwenden, sie alle fürsorglich ins Bildungssystem zurückzuführen - nicht nur die mit einem sonderpädagogischem Stempel. Corona hat viele andere zusätzlich herausfallen lassen (sie exkludiert). Wir können uns - wie für die Impfung - auch für unsere Kinder die Zeit nehmen, die sie verloren haben, ihrer Exklusion inklusiv begegnen, kindorientierte Räume zum Aufholen schaffen und uns mehr dazu mit unseren europäischen Nachbarn austauschen. Sie haben doch die selben Probleme trotz ihrer gut entwickelten digitalen  Möglichkeiten. Eine solche Vorgehensweise würde uns alle in Deutschland und in der EU stärken und könnte uns zu einer solidarischen Handlungsgemeinschaft zusammenschweißen. Ihr habt doch sicher auch Kontakte zu euren Gewerkschaften in den Nachbarländern? Lasst uns doch gemeinsame Sache machen!

 

 

Kolleg*innen einer Offenbacher Grundschule schicken einen Brief an die Stadt:

 

In den letzten Monaten haben die Kinder sich sehr umstellen müssen, um die seitens der Regierung und Ämtern vorgegebenen Hygienevorschriften umzusetzen und sie sind sehr bemüht dabei.

 

Die Schüler und Schülerinnen: 

-  tragen die Masken im Unterricht und in den Pausen (in den Ganztagsklassen teilweise von 8 Uhr bis 17 Uhr), 

- waschen bzw. z.T. desinfizieren mehrmals am Tag die Hände,

 - versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Abstand zu halten,

- ertragen die häufigen Lüftungsphasen tapfer und ziehen ständig ihre Jacken an und aus,

- nehmen die Umstrukturierung ihres Vormittagsablaufes durch geteilte Pausen und Maskenpausen hin,

- akzeptieren die Einschränkung ihres Aktionsradius in den Pausen durch die abgeteilten Felder und bemühen sich, in ihren Feldern zu bleiben,

- nehmen es hin, dass sie nun in den Frühstückspausen ihre Plätze verlassen müssen und mit Abstand zueinander sitzen müssen und sie sich dadurch nicht mehr mit ihren Tischnachbarn beim Frühstück unterhalten können.

 

Wir Pädagogen und Pädagoginnen:

- sorgen dafür, dass die Kinder regelmäßig die Hände waschen und z.T. desinfizieren,  

- lüften trotz kalter Temperaturen regelmäßig und halten Maskenpausen ein,

- erinnern Kinder unzählige Male am Tag daran, ihre Masken vorschriftsmäßig zu tragen, Abstand zu halten und in ihren Bereichen zu bleiben,

- arbeiten durch die geteilten Pausen und die Maskenpausen mit einer erhöhten Lärmkulisse auf dem Schulhof,

- haben durch die geteilten Pausen deutlich mehr Aufsichten und kaum noch eigene Pausen und somit auch wenig Möglichkeit im Austausch untereinander - tragen die FFP 2 oder medizinischen Masken auch oft noch am Nachmittag z.B. bei dringenden Elterngesprächen und haben dadurch Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot und Übelkeit,

- aufgrund der Stundentaktung ist es nicht möglich, den Empfehlungen der DGUV Folge zu leisten, was die Tragezeiten der FFP2 Maske betrifft, 

- merken deutlich, dass den Kindern durch die fehlenden Sportstunden und die derzeit geschlossenen Vereine und die eingegrenzten Pausenräume die Bewegung fehlt und sie dadurch deutlich unruhiger sind, 

- kommen mit dem Unterrichtsstoff nicht planmäßig voran,

- stellen jede Woche aufs Neue fest dass einer Vielzahl unserer Schüler und Schülerinnen im jetzigen Homeschooling die nötige Unterstützung durch das Elternhaus fehlt.

 

Seit der Verordnung vom 16.11.2020 dürfen die Grundschüler und Grundschülerin-nen in Offenbach nicht mehr in der Sporthalle unterrichtet werden und müssen ins Freie gehen und dies zu einer Zeit, in der auch noch der Sport in den Vereinen eingestellt worden ist. Die Entscheidung, dass es Sport nur im Freien gibt, stellt für uns und die Kinder eine starke Einschränkung dar. Die Turnhalle stellt für viele unserer Schüler und Schülerinnen den einzig möglichen Bewegungsraum dar. Durch die geteilten Pausen und die Maskenpausen und der Tatsache, dass wir den Schulhof mit einer anderen Schule teilen, können wir keinen Sport im Hof machen, sondern müssen in Parks und auf andere freie Flächen ausweichen. Was es bedeutet, gerade mit Grundschulkindern bei diesen Wetterverhältnissen (mit nicht immer dem Wetter angepasster Kleidung) durch die Innenstadt zu wandern, um einen geeigneten Bewegungsplatz zu suchen, können Sie sich sicher vorstellen. 

 

Wir stellen fest, dass eine Lern- und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder aufgrund der aktuellen Lage nicht gewährleistet ist und bedauern das sehr. Wir sind durch die bestehenden Maßnahmen in unserer pädagogischen Arbeit stark eingeschränkt. Wir machen uns große Sorgen um das Wohl der Schüler und Schülerinnen und sehen das Recht der Kinder auf Bildung und Chancengleichheit gefährdet.

 

 

Ein Schulleitungsmitglied einer Hanauer Grundschule schreibt:

Hier kurz die meines Erachtens wichtigsten Erfahrungen und Gedanken aus dem „Unterricht“ unter Corona-Bedingungen:

 

 1.       Auch in normalen Zeiten fällt es vielen Kindern trotz intensiver Hinführung sehr schwer, selbständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Dieses Problem verschärft sich aktuell extrem: Viele Kinder geben die Aufgaben aus dem Distanzunterricht unvollständig, unkorrekt oder sogar gar nicht wieder zurück. Und wenn die Aufgaben, die wirklich weitestgehend so gestellt sind, dass die Kinder sie alleine richtig bearbeiten könnten, zurück gegeben werden, ist oft ganz deutlich zu erkennen, dass die Eltern die Arbeit mehr oder weniger gemacht haben. Ich unterstelle dabei allen die besten Absichten. Jede und jeder gibt sich auf seine Weise so viel Mühe wie möglich. Aber alle sind überfordert. DIE KINDER MÜSSEN IN DIE SCHULE KOMMEN DÜRFEN, UM ZU LERNEN UND SICH ZU SELBSTÄNDIG UND EIGENVERANTWORTLICH ARBEITENDEN MENSCHEN ENTWICKELN ZU KÖNNEN!

 

2.       Die ständige Unsicherheit, welche Regeln gerade gelten und wie die Beschulung gerade funktioniert, macht allen zu schaffen. DIE KINDER UND AUCH DIE LEHRKRÄFTE BRAUCHEN SICHERHEIT, REGELMÄßIGKEIT UND ZUVERLÄSSIGE STRUKTUREN!

 

3.       Von Null auf Hundert: Jahrelang keine Bildschirmmedien an der Schule zu haben und plötzlich online lernen zu sollen ist, bei enormem Engagement aller Beteiligten, eine völlige Überforderung. So viele Fragen sind ungeklärt (technisch, rechtlich, pädagogisch). WIR BRAUCHEN EINE ANGEMESSENE TECHNISCHE AUSSTATTUNG, FACHPERSONAL ZUR WARTUNG UND FORTBILDUNGEN.

 

4.       Bei der Arbeit mit den Bildschirmmedien geht es zu einem Großteil um das Funktionieren und Verstehen der Anwendungsmöglichkeiten. Das wird mit der Zeit sicher besser, gerade bei den Kleinen steht jedoch der Aufwand oft in keinem Verhältnis zum Ertrag. DIE NEUEN MEDIEN SOLLTEN NUR EIN WEITERER BAUSTEIN NEBEN DEN ANDEREN MEDIEN UND LERNMÖGLICHKEITEN SEIN!

 

5.       Selbst wenn alles funktioniert, ist die Gefahr groß, den Bezug zu den Kindern zu verlieren. DIE KINDER BRAUCHEN DEN PERSÖNLICHEN KONTAKT ZU DEN LEHRKRÄFTEN UND ZU DEN MITSCHÜLERINNEN UND MITSCHÜLERN!

 

6.       Einiges kann man auf Dauer beibehalten: Warum ist es etwas Besonderes, wenn Türklinken und Tische täglich geputzt werden? Und warum ist es ein logistischer Aufwand, wenn Kinder sich an funktionierenden Waschbecken mit Seife und Handtüchern die Hände waschen sollen? EINE GRUNDLEGENDE HYGIENE SOLLTE IMMER STANDARD SEIN!

 

Ich möchte hier nochmal betonen, dass sich nach meinem Erleben alle Beteiligten (Kinder, Lehrkräfte, Schulleitungen, weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Schule, der Schulträger und das Schulamt) wirklich engagieren. Trotzdem läuft natürlich einiges mittelprächtig.

 

 

Eine HR-Kollegin schreibt:

Schule im Herbst 2020 – ein kleiner Rückblick

 

Zu Schulbeginn war die Situation noch nicht „so schlimm“ - wir konnten uns in den Klassenräumen halbwegs frei und unvermummt bewegen. Wir mussten jedoch auf dem Schulgelände die Klassen getrennt halten, was bedeutete, dass fest geplant war, welche Klasse wann hinaus auf den Schulhof durfte und welche wann im Klassenraum bleiben musste. Am Schulhof gab es Absperrbänder, welche die Pausenbereiche nach Jahrgangsstufe markierte. Um ganz sicher zu gehen, mussten die  Kinder draußen(!) ihre Alltagsmasken tragen. Übrigens auf den Gängen und den Toiletten auch. Toilettengänge mussten während des Unterrichts stattfinden, damit sich die Schüler nicht zufällig doch begegnen und man musste aufschreiben, wer wann und wie lange auf seine (klassenweise) zugewiesene Toilette ging – wegen der eventuell notwendigen Nachverfolgung.

Um diese Alltagsplanung nicht zu einfach zu machen, war auch verlangt, dass die Kinder vor dem Unterricht keine Möglichkeit finden, sich zu begegnen, und so hatten die Klassen alternierend Schulbeginn.

 

In manchen Pausen habe ich die Kinder vom Fenster aus (ohne Aufsichtspflicht) beobachtet und mich an ihrer unbeschwerten Lebendigkeit gefreut … denn in jeder Pause gab es diese Momente, wo dann doch einige von ihnen alles vergessen konnten und lachend spielten. Doch meistens beobachteten sie sehr genau ihre Umgebung, um die Aufsicht rechtzeitig entdecken zu können und sich dann entsprechend zu benehmen – Maske zurechtziehen, Distanz zu anderen Kindern einnehmen, schnell etwas zu kauen in den Mund schieben um die Maske unter dem Kinn hängen lassen zu können. 

 

Nach dem Unterricht mussten wir sie oft nachdrücklichst drum bitten das Schulgelände zu verlassen, damit sie nicht mehr da waren, wenn andere Klassen aus hatten, in den Mittagspausen mussten wir sie regelrecht aussperren, ja verjagen! 

Erstaunlich fand ich die seufzenden Bemerkungen im Lehrerzimmer: Man wusste, dass dies ein sinnloses Unterfangen war, warteten die Kinder ja dennoch aufeinander, dann halt auf der Straße oder an der Busstation, dennoch führte diese Erkenntnis nicht dazu, dass diese unsinnige Regeln missachtet wurden oder man die Regeln gar hinterfragte. Ich hörte Lehrkräfte jammern wegen des Desinfektionswahns, aber keine Zweifel an der Sinnhaftigkeit. Eine Lehrerin stellte eines Tages fest, dass sie nun nicht mehr nach jeder Gruppenarbeit alle Tische desinfizieren würde, kurz darauf forderte sie FFP2-Maskenpflicht für Schüler und Lehrer. In einer Gesamtkonferenz wurde ernsthaft überlegt, mit welchen Mitteln wir die Kinder erfolgreich vom Schulgelände weg bekommen könnten! (Wohl gemerkt: Wir haben mehrheitlich Kinder an der Schule, die in Flüchtlingsheimen leben, Kinder mit ca. 1 Stunde Schulweg, Kinder aus äußerst zerrütteten Familien!)

 

Die Kinder fragten viel – und sie erkannten viele der Widersprüche in den Regeln und Verboten … Klugheit macht vor der Hauptschule nicht Halt! :-) 

 

Ein „Highlight“ an Irrsinn stellte für mich eine Brandschutzübung dar. In einer Konferenz davor wurden wir informiert, dass die Fluchtwege für diesen Probealarm andere sein würden. Man müsse – Auftrag vom Schulamt – so planen, dass die Klassen einander am Gang nicht begegnen. Sollte aber ein echter Feueralarm sein, müsse man dann die „richtigen“ Fluchtwege nutzen. Dies müssten die Klassenlehrer halt den Schülern vermitteln. (Selbes galt übrigens auch für die Grundschule.) In diesem Moment waren wir tatsächlich alle einfach nur sprachlos!

 

„Damals“, zu Beginn des Schuljahres, war ich entsetzt über die massiven Einschränkungen für die Kinder … und dann kam die Maskenpflicht im Unterricht!

 

In meiner Not wegen der Maskenpflicht im Unterricht wandte ich mich an meine Vorgesetzte, und wenigstens bekam ich die Erlaubnis für kleine „Freiräume“ im Unterricht: Ich durfte die Kinder einzeln ohne Maske an ein geöffnetes Fenster setzen, sollte es einem Kind einmal nicht gut gehen. Das war der Moment, wo ich aufgehört habe gerne zu unterrichten, denke ich. Ab jetzt ging es nicht mehr um sinnvollen Unterricht, weder war guter Unterricht möglich, noch konnte ich die Kinder schützen. Es war eine erbärmliche Zeit!

 

Zuerst beruhigten die Kinder mich und meinten, es ginge schon mit Maske, sie würden das aushalten. Sehr schnell aber waren die Fensterbretter mit Kindern voll, die atmen wollten, es entwickelte sich ein Turnus, durfte ja je Fenster nur ein Kind sitzen. Die Unterrichtsdynamik nahm ab, die Kinder klagten zunehmend über Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und sie waren wenig motivierbar. Als Gründe gaben sie zumeist an, sie hätten wenig oder schlecht geschlafen. Die Stimmung entsprach so ein wenig dem „Winterblues“. Während der Unterrichtszeit hörte man auf den Gängen das Schimpfen von Lehrkräften, die wiedermal auf die Maskenpflicht hinwiesen. 

 

Bald häuften sich Akte von Vandalismus und Aggressionen – so schlimm war es noch in keinem Schuljahr. In der Not wurde vom Hausmeister eine Toilettentüre ausgehängt, um wenigstens an dieser Stelle den Vandalismus zu begrenzen. Die Pausenaufsichten wurden immer anstrengender, in jeder Pause gab es laute Konflikte, kurz vor Weihnachten kam es dann sogar im Unterricht zu einer heftigen Schlägerei. Ursachen waren immer Kleinigkeiten, wie „der hat mich blöd angeguckt“ oder in der Art. Zwei Monate zuvor hatten die Kinder noch miteinander gespielt und gelacht und konnten den Unterricht als Spielunterbrechung akzeptieren. Nun war der Unterrichtsbeginn kaum mehr konfliktfrei herzustellen. 

 

Die Fehlzeiten der Kinder nahmen deutlich zu, täglich entließ ich Kinder für Arztbesuche oder weil es ihnen einfach nicht gut ging, manchmal bis zu 5 Kinder an einem Schultag. Die Beschwerden waren zumeist Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, aber auch Übelkeit und Magenschmerzen.

 

Weiterhin waren die Regeln und Verbote widersprüchlich und nicht nachvollziehbar, was ebenfalls Konflikte verursachte:

 

Beispielsweise setzte eine Schülerin in der letzten Reihe ihre Maske ab und wurde von einem anderen Schüler, der ca. 2 Meter entfernt saß, übel dafür beschimpft. Er erklärte, dass er um seine Eltern Angst habe und deshalb auf die Maske bestehe. Es gab aber auch Momente während des Schultages, in denen er sie vergaß, und wenn er das erkannte, fühlte er sich immer sehr schlecht und schuldig und hatte Angst, dass er nun seine Eltern gefährde, wenn er nach Hause käme. Es war ihm kaum zu vermitteln, dass der Mindestabstand immer noch als sicher gelten könnte, auch wenn die Regeln jetzt zusätzlich eine Maske verlangen würden. Die Vorstellung, unter welcher inneren Zerrissenheit diese Kinder täglich leiden müssen, treibt mir Tränen in die Augen. Sollte ein Elternteil tatsächlich krank werden, hasst sich das Kind für jeden Moment der Unbeschwertheit.

 

Eine Schülerin hatte im Unterricht die Maske zum Sprechen heruntergezogen und danach vergessen, sie wieder hoch zu ziehen. Ihre Lehrkraft wies sie auf das Versäumnis hin und sie zog die Maske widerwillig über den Mund. Erneut wurde sie ermahnt, die Maske hoch zu ziehen, auch über die Nase, doch das war ihr dann zu viel und es kam zum Streit. Letztendlich wurde die Schülerin des Unterrichts verwiesen und sollte einen Aufsatz schreiben, in welchem sie begründen sollte, warum sie sich geweigert hatte den Aufforderungen der Lehrkraft Folge zu leisten. Als sie sich auch diesem Befehl verweigerte, wurde sie nach Hause geschickt und die Erziehungsberechtigten telefonisch über den „Widerstand gegen die Lehrkraft“ des Kindes informiert. Am nächsten Tag brachte sie ein Blatt Papier mit folgendem handgeschriebenen Text (um RS- und GR-Fehler bereinigt): 

 

Warum soll ich eine Maske tragen?

 

1. Wir müssen eine Maske tragen, da wir gerade eine Ausnahmesituation haben. (Maskenpflicht ist um sich und seine Mitmenschen zu schützen.)

 

Um die Seite voll zu bekommen, hatte sie denselben Text sechs Mal geschrieben. Interessant wurde es aber auf der Rückseite, die ich zuerst fast übersehen hätte:

 

Warum ich die Maske nicht auf hatte war, weil beim Reden brauch ich Luft und dann hab ich vergessen, sie wieder hoch zu machen, und ich hatte Kopfschmerzen. Hab dann gedacht: „Komm, ist doch nicht schlimm, wenn ich sie unter die Nase zieh. - aber trotzdem war mein Mund geschützt und zu, also war das nicht richtig von der Lehrerin. Ich finde das alles hier unnötig. Ich werde aufpassen, dass es nicht mehr passiert.

 

Gerade die letzten beiden Sätze machen, wie ich finde, besonders deutlich, mit welch verrückter Situation die Kinder zurecht kommen müssen: Sie haben eine eigene Meinung zu den Geschehnissen in ihrer Umwelt, eine klare Wahrnehmung ihrer Bedürfnisse, zugleich gilt es wie nie zuvor unterwürfig und gehorsam sein zu müssen. Hier ist der Druck enorm hoch, weil ja auch mit moralischer Verantwortung (bzw. Schuld) gearbeitet wird – ich kann nicht „argumentiert“ sagen, denn Argumente sind das nicht. 

 

 

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Aktuell
news-400 Fri, 19 Feb 2021 17:40:59 +0100 Angehörige und Überlebende vom 19. Februar 2020 https://www.gew-suedhessen.de/home/details/400-angehoerige-und-ueberlebende-vom-19-februar-2020/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=a63e056d0e1d61b3fbb34eb2ffe4c7af Die starken Stimmen aus Hanau... Fast ein Jahr nach dem 19. Februar in Hanau: Heute eine große Reportage im Spiegel, Titelseite und 7-seitige Beilage in der Frankfurter Rundschau, Titelseite auch in der Taz!
https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/die-hanau-protokolle-ueberlebende-des-attentats-berichten-ueber-ihre-entfremdung-von-deutschland-a-00000000-0002-0001-0000-000175304177
https://taz.de/Ein-Jahr-nach-Hanau/!5748572/

Die starken Stimmen aus Hanau, die Angehörigen und Überlebenden des rassistischen Terroranschlages, sprechen über ihre Erfahrungen, klagen an und fordern.
Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen!

Auf der Webseite der Initiative 19. Februar Hanau findet Ihr eine lange Liste mit Gedenkaktionen in vielen Städten am nächsten Freitag zum Jahrestag.
https://19feb-hanau.org/2021/02/13/19-02-2021-hanau-ist-ueberall/

Ihr findet dort auch eine Petition für einen Hessischen Opferhilfsfond gegen Rechtsterrorismus.
https://19feb-hanau.org/2021/02/11/hessen-braucht-einen-rechtsterrorismus-opferfonds-jetzt/

Und ein neues Lied von Konstantin Wecker, den Willy 2021, den er Vili Viorel Paun und den anderen acht Ermordeten vom 19. Februar gewidmet hat.
https://19feb-hanau.org/2021/02/13/grusswort-von-konstantin-wecker/

Bitte alles gerne weiter verbreiten.
Auch in den nächsten Tagen wird es weitere Aktivitäten und Veröffentlichungen geben, alles weitere auf:
19feb-hanau.org
 

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Aktuell
news-398 Fri, 19 Feb 2021 17:33:20 +0100 „Brot und Rosen – für Alle*!“ https://www.gew-suedhessen.de/home/details/398-brot-und-rosen-fuer-alle/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=f15bfcec8d1100cfaa30cea30f55b5a2 Online - Diskussionsveranstaltung im Haus am Dom zu Geschlechtergerechgkeit in globalen Lieferkeen Am Weltrauentag, Montag, 08.03.2021 (19.00h - 21.00h)

Dank der Kampagne Lieferkettengesetz werden ausbeuterische und ungerechte Arbeitsverhältnisse in den globalen Produktions- und Lieferketten der kapitalistischen Weltwirtschaft wieder breiter zur Kenntnis genommen:

Warum kostet ein T-Shirt beim Discounter nur wenige Euro?

Noch kaum gesehen wird dabei, dass diese Ausbeutungsverhältnisse sich bestehende gesellschatliche Ungleichheiten und Diskriminierungen profitabel zunutze machen und ihrerseits noch verstärken. Frauen und Mädchen sind in besonderer Weise von den negativen Auswirkungen globalen Wirtschaftens betroffen.

Deshalb fordert das Regionale Bündnis für ein Lieferkettengesetz Geschlechtergerechtigkeit in globalen Lieferketten, etwa im Hinblick auf nicht entlohnte Fürsorgearbeit, sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz, fehlende Sicherheit im informellen Sektor, u.a.m. Es geht darum, verdrängte Kosten und Gewaltverhältnisse sichtbar zu machen und auch für diese bei Politk und Unternehmen verbindliche Regelungen, Sanktonen und Wiedergutmachungen einzufordern. Dies diskuteren wir mit Referent:innen aus zivilgesellschatlichen Organisatonen und Bündnissen in Deutschland und Mexiko.

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Aktuell
news-396 Tue, 09 Feb 2021 10:00:12 +0100 Homeschooling mit Herr Böhmermann https://www.gew-suedhessen.de/home/details/396-homeschooling-mit-herr-boehmermann/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=ca1551f24cd8f3e7e4a9b01c9f74d182 Digital und ganz modern

Das digitale Lernangebot des Landes NRW bietet 45 Minuten erstklassige Betreuung (Auch in Dauerschleife einsetzbar). Universell, stufen- und fachübergreifend. Es wäre doch gelacht, wenn wir uns von einer Pandemie als Bildungsstandort Deutschland einen Strich durch die Vektorenrechnung machen lassen. Der Gong beendet die Schule, nicht die Pandemie.

https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/homeschooling-mit-herrn-boehmermann-100.html 

 

ähnlich auch:

Albtraum Homeschooling - Wenn Eltern Lehrer spielen

Damit unsere deutschen Bildungsstandards auch im Lockdown erhalten bleiben: Langeweile, veraltete Technik und Demütigung.

https://www.ardmediathek.de/ard/video/browser-ballett/albtraum-homeschooling---wenn-eltern-lehrer-spielen/funk/Y3JpZDovL2Z1bmsubmV0LzgwMC92aWRlby8xNzMyMjk4/ 

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news-395 Tue, 09 Feb 2021 09:53:24 +0100 Frontex hat viel zu tun: https://www.gew-suedhessen.de/home/details/395-frontex-hat-viel-zu-tun/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=36d29317d7c08a9ecc63ad89c8d9b98a Sie muss Menschen davon abhalten, nach Europa zu kommen.

Das nennt Frontex "Migration Flow Management", und das ist kein leichtes Geschäft.
Deswegen hat Frontex vor lauter Stress vergessen, die Öffentlichkeit und das EU-Parlament über ein paar ziemlich wichtige Details zu informieren. Das kann passieren, kein Problem. Schmutzige Arbeit aufdecken und unbequeme Wahrheiten aussprechen? ZDF Magazin Royale ist gerne der Buhmann.

https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/frontex-118.html

 

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news-397 Sun, 07 Feb 2021 10:30:00 +0100 Rundbrief 10 https://www.gew-suedhessen.de/home/details/397-rundbrief-10/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=aa5a0ce7fefdce8722bc79be9ac3482e Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche Liebe GEW-Kolleginnen und Kollegen im Bezirksverband Südhessen,

eine besondere Qualität der GEW, mit der sie sich von berufsständischen Verbänden unterscheidet, ist, dass sie sich nicht nur mit den Arbeitsbedingungen und der Entlohnung der Arbeitnehmer*innen und Beamt*innen beschäftigt, sondern sich auch für die von ihnen betreuten Menschen engagiert. Die GEW tritt traditionell für eine fortschrittliche Pädagogik und die Partizipation aller Beteiligten in den Einrichtungen – also demokratische Strukturen – ein. Inklusion hat die GEW frühzeitig zu ihrem Ziel gemacht.

In den vergangenen Monaten hat sich – nicht nur im Bildungsbereich – der Fokus verengt; im Vordergrund steht die Ausbreitung des Coronavirus, die damit verbundenen Risiken für die Beschäftigten, sowie die Frage, wie die – eher selten praxisnah durchdachten - Maßnahmen im Rahmen des Lockdowns zu bewältigen sind, die für viele zu massiver Mehrarbeit führen. Dass dabei andere Themen aus dem Blick geraten, ist verständlich; wenn man in ständiger Lebensangst seinen Arbeitsalltag bewältigt und zudem kaum weiß, wie man das überhaupt schaffen kann, fordert das alle Aufmerksamkeit.

Nun geraten aber – zunehmend auch in der Öffentlichkeit – die Auswirkungen der Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche in den Blick. So berichtet etwa der Direktor der Westfälischen Kinderklinik Dortmund, Dominik Schneider, über schwere psychische und physische Störungen bei Kindern. Ebenfalls im Deutschlandfunk findet sich ein Bericht: "Schüler aus benachteiligten Familien verlieren vollständig den Anschluss in der Corona-Krise". Damit sind schon zwei zentrale Themen skizziert.

Als Pädagog*innen wissen wir um die Rolle zwischenmenschlicher Begegnungen für die psychische Entwicklung von Kindern. Die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls ist vom unmittelbaren Austausch mit anderen abhängig. Das wissen GEWler schon lange: Die Lehrkraft als Person ist unverzichtbar. Digitale Wissensaneignung ist ein schaler Ersatz. Persönliche Bindung ist unverzichtbar für die Persönlichkeitsentwicklung. Defizite, die hier entstehen, werden uns langfristig begleiten. Wir müssen in die Diskussion eintreten, wie wir hier gegensteuern und ausgleichen können, auch in Zukunft. Wie soll die Schule nach den Corona-

Maßnahmen aussehen? Es werden ganz andere Schwerpunkte nötig sein als eine Fokussierung etwa auf Wissenserwerb und Abschlussprüfungen, um die aufgelaufenen Entwicklungsdefizite aufzuarbeiten.

Wir Pädagog*innen sind in der derzeitigen Situation die Experten, die sehr genau Auskunft darüber geben können, wie es bei und in den Kindern und Jugendlichen, mit denen wir arbeiten, aussieht – und mit welchen Folgen wir langfristig rechnen müssen. Wissenschaftler haben die Debatte eröffnet. Wir sollten uns einmischen und berichten, was wir erleben.

Wir wollen Berichte von Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen und Lehrkräfte darüber, was sie bei ihren Kitakindern, Schüler*innen oder Studierenden beobachten, zusammentragen und im Rahmen unserer Möglichkeiten veröffentlichen, etwa hier im Newsletter, oder auch in gewerkschaftlichen oder gewerkschaftsnahen Publikationen. Dafür bitten wir Euch um Eure Darstellungen, bitte auch mit kurzen Angaben zur Einrichtung (die nicht genannt werden muss), sowie zur Altersgruppe und Lebenssituation der Kinder. Natürlich können wir nur einen Teil und nur Auszüge veröffentlichen, aber wir hoffen auf ausreichend Material, um eine gewerkschaftliche Auseinandersetzung über diese Thematik anzustoßen, auch mit der Frage, wie es mit unseren Einrichtungen in Zukunft weitergehen soll.

Mailt Eure Erfahrungen und Berichte (im Umfang von vielleicht 1-2 Seiten) bitte an m.koeditz@gew-suedhessen.de; dort sollen sie zusammengetragen und zusammengefasst werden (falls Ihr wünscht, gern auch anonymisiert). Wir halten Euch weiter auf dem Laufenden!

Wir wünschen Euch alles Gute!
Christine Dietz, Michael Köditz, Dr. Manon Tuckfeld Vorsitzendenteam des Bezirksverbands der GEW Südhessen

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Rundbriefe Aktuell